Sibylle Malamud

Die Ächtung des 'Bösen'

Frauen vor dem Zürcher Ratsgericht im späten Mittelalter (1400 - 1500)
Cover: Die Ächtung des 'Bösen'
Chronos Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783034005999
Gebunden, 379 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Was hat der "Jahrhundertprozess" über die angebliche Kindsmörderin Monika Weimar in den 1980er Jahren mit dem Verfahren gegen Agtli Zeinenmacher, die im 15. Jahrhundert als Diebin ertränkt wurde, gemein? Über die Darstellungsweise Monika Weimars in den Medien als schamlose Hure, eiskalte Lügnerin und Rabenmutter wurden negative Weiblichkeitsstereotypen evoziert, die im Umkehrschluss Bilder der natürlichen Mutter, der anständigen Ehefrau konstruierten und damit die für Frauen geltende Normalität (re)produzierten. Was hier für die Gegenwart gilt, trifft auch für die Vergangenheit zu. Ohne ins "Deftig-Anekdotische" abzugleiten und ohne "Farblos-Abstraktes" zu kultivieren, beleuchtet die Autorin geschlechtsspezifische Rollenerwartungen, Verhaltensnormen und Stereotypen, die Kriminalität, Weiblichkeit und Normalität als Gegenstand erst konstituieren. Grundlage der Untersuchung bilden die Zürcher Gerichtsprotokolle, die eine Fülle detaillierter Informationen über Konflikt­stoffe, -formen und -orte sowie über Alltagsbeziehungen enthalten, wie sie in mittelalterlichen Quellen dieser Art selten vorkommen...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2003

Der mit "uha" zeichnende Rezensent bespricht einen typischen Fall von "zu viel des Guten". Sibylle Malamud hat hier eine in Teilen hervorragende Dissertation vorgelegt, stellt er fest. Sie habe den neusten Forschungsstand mit einbezogen, und dies nicht nur im Bereich der "historischen Kriminalitätsforschung", sondern auch in anderen Bereichen von Relevanz für ihr Thema, wie zum Beispiel im Bereich der Diskurstheorie. Sie habe Sozialprofile der Täterinnen erstellt, die Umstände der jeweiligen Taten rekonstruiert, diese statistisch ausgewertet, so dass sie "eine beeindruckende Fülle an Ergebnissen" präsentieren könne. Doch leider versucht sie zu viele Fragestellungen in ihre Untersuchungen einzubeziehen und mittels verschiedener Theorien zu beleuchten; dies hemmt im Endeffekt den "Gang der Untersuchung" und bringt die Quellen "zum Verstummen", bedauert der Rezensent.

Beliebte Bücher

Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Florian Illies. Träume aus Feuer - Der Alchemist von der Pfaueninsel. Bastei Lübbe Verlag, 2026.Florian Illies: Träume aus Feuer
Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…