Der Freistaat der Drei Bünde, ein ländlicher Bundesstaat in den Schweizer Alpen, war eines der ungewöhnlichsten politischen Gebilde im Europa der frühen Neuzeit. Im 16. Jahrhundert waren seine Bewohner souverän und genossen ein beachtliches Mass an lokaler Selbstverwaltung. Manche von ihnen pochten auf die politische Gleichheit der Bürger und auf die Verantwortlichkeit der politischen Führer gegenüber ihren Gemeinden. Anhand von Flugblättern und politischen Urkunden zeichnet der Verfasser die Entwicklung des Freistaates nach. Dabei gilt sein Hauptinteresse dem Aufbau der Institutionen und dem politischen Sprachgebrauch der Akteure.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2002
Thomas Maissen bespricht eine Studie, die sich mit der Geschichte Graubündens und der Entwicklung des Pietismus beschäftigt. 1992 stellte der Verfasser Randolph C. Head seine Dissertation über die Entwicklung der Demokratie in Graubünden fertig, drei Jahre später erschien der Band in englischer Sprache, endlich nun, freut sich der Rezensent, liegt er auf Deutsch vor. Für Maissen ist die Studie in dreifacher Hinsicht von Bedeutung: Sie erforscht eine bisher nur bedingt erschlossene Epoche, sie analysiert systematisch eine wichtige Quelle, die Flugschriften, und sie verbindet methodisch die Ansätze der britischen politischen Ideengeschichte mit sprachanalytischen Überlegungen Peter Blickles. Über das frühneuzeitliche Graubünden auf dem Weg zur Demokratie hat der Rezensent hier viel erfahren, nur Heads modernistische Argumentationen mag er nicht ganz gelten lassen.
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