Simon Brückner (Hg.), Jens Johler (Hg.), Barbara Sichtermann (Hg.)

Das verordnete Schweigen

Zensur von Fall zu Fall
Cover: Das verordnete Schweigen
Osburg Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783955103590
Gebunden, 360 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Von Sokrates bis Solidarność, von Galilei bis zu Trumps Twitter-Konto, vom Verbot der "Lady Chatterly" und von Monika Maron bis zum Sensitivity Reading. Nicht zuletzt angesichts von Cancel Culture, Filterblasen, Fake News und Hate Speech ist Zensur ein virulentes Thema, um nicht zu sagen: ein Dauerbrenner. Eine Zeitreise von Fall zu Fall führt durch Jahrhunderte und über Kontinente und zeigt, was unternommen wurde, um die Menschen vor vermeintlich oder tatsächlich "verderblichen" Einflüssen zu bewahren - aus moralischen, politischen oder religiösen Gründen. Bücher wie Menschen landeten auf dem Scheiterhaufen, Künstler, Wissenschaftler und politische Dissidenten mussten ins Ausland fliehen oder im Untergrund leben. Andere erhoben die Zensur ihrer Werke zum Qualitätsmerkmal, machten die Repression öffentlich oder unterliefen sie mit List und taktischem Geschick. Zensiert wurden und werden nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Skulpuren, Songs und Fotos. Die legitime Debatte darüber, wo die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit verlaufen, hat jüngst wieder Fahrt aufgenommen. Heute stiftet die digitale Kommunikation eine neue Form von Öffentlichkeit, in der private Player die Frage der Zensur ganz neu stellen. In mehr als zwanzig dramatischen Falldarstellungen beleuchten Autorinnen und Autoren die Motive, Funktion und Auswirkungen von Zensur, aber auch kreative Widerstände gegen sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.01.2025

Dieses Buch kommt zur richtigen Zeit, konstatiert Kritiker Christian Schüle: 25 Beiträge von 20 Beitragenden machen sich Gedanken über Zensur von Sokrates bis zur Cancel Culture und zeigen, dass Zensur immer auch auf die Gefahr hinweist, die die geäußerten Gedanken für Machtstrukturen bedeuten. Die Aufsätze, die unter anderem von Monika Marons Roman "Flugasche" und dessen Publikationsgeschichte in der DDR oder vom McCarthyismus handeln, sind exzellente Beispiele, die doch über den Einzelfall hinausweisen, so Schüle. Sein Lob findet besonders der Beitrag, den Perlentaucher Thierry Chervel der Verbindung zwischen der Fatwa gegen Salman Rushdie und heutigen "Social Justice Warriors", die in der Fatwa ein Handlungsmodell erkannten, das in eine linke Cancel Culture mündete. Der Rezensent lernt auch, dass Zensur durchaus auch große Kunst hervorgebracht hat, deren "Freiheit des Geistes" sich gegen staatliche oder kirchliche Übermacht durchgesetzt hat. Ein erkenntnisreiches Buch, das die Bedeutung kritischen Denkens vermittelt, schließt er.

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