Sind die Deutschen ausländerfeindlich?

49 Stellungnahmen zu einem aktuellen Thema
Cover: Sind die Deutschen ausländerfeindlich?
Pendo Verlag, Zürich - München 2000
ISBN 9783858423894
Taschenbuch, 350 Seiten, 10,17 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Ulrich Arnswald, Heiner Geißler, Sabine Leutheusser-Schnarrenberg und Wolfgang Thierse. Ob Gastronomie oder Modebranche, Opernhäuser oder Computerfirmen - viele Bereiche unserer Kultur und Wirtschaft könnten heute ohne Ausländer nicht überleben. Die alltägliche Begegnung mit ihnen ist ein wichtiger Teil unseres Lebens geworden. Dennoch sitzt die Angst oder zumindest die Beunruhigung allem Fremden gegenüber bei vielen erschreckend tief. Das European Institute for International Affairs hat 49 bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Frage gestellt: "Wie ausländerfeindlich sind die Deutschen?" Zu Wort kommen Vertreter aus allen politischen Lagern und Gesellschaftsbereichen, unter anderem Norbert Blüm, Ignatz Bubis, Heiner Geißler, Herta Däubler-Gmelin, Gregor Gysi, Burkhard Hirsch, Reinhard Höppner, Johannes Rau, Dieter Schulte, Friedrich Schorlemmer und Wolfgang Thierse. Fragen nach den Ursachen fremdenfeindlicher Äußerungen und rassistischer Gewalt werden dabei ebenso aufgegriffen wie die Herausforderungen, die die Zuwanderung und Integration für die Gesellschaft bedeuten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2000

Rainer Hoffmann hat festgestellt, dass in diesen "sehr persönlich und autobiografischen Antworten" immer auch der Frage selbst auf den Grund gegangen wird. So werde darüber nachgedacht, ob es "die Deutschen" überhaupt gibt oder auch ob das, was auf den ersten Blick als Ausländerfeindlichkeit erscheint, nicht vielmehr Rassismus sei. Ignaz Bubis und Gregor Gysi beispielsweise verweisen, wie Hoffmann anmerkt, darauf, dass weiße Ausländer von Angriffen nicht betroffen sind, wohl aber jüdische Deutsche. Wenig beruhigend findet der Rezensent die Feststellung von einigen Autoren, darunter Faruk Sen, der Leiter des Zentrums für Türkeistudien, dass `die Deutschen heute nicht ausländerfeindlicher (sind) als die Bürger in der Europäischen Union`. Schließlich müsse man bedenken, dass bei den Deutschen "eine andere historische und politische Wertigkeit" nicht von der Hand zu weisen ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.08.2000

Sehr viel erfahren wir in der kurzen Besprechung von Willi Jasper nicht über die hier vorgelegten Antworten auf eine vom "European Institute for International Affairs" zu Anfang des Jahres gestartete Umfrage. Dafür widmet er sich ausführlich dem Kontext, auf den ein Buch wie dieses heute stößt, nach dem Anschlag von Düsseldorf auf russisch-jüdische Einwanderer, nach der Diskussion über ein NPD-Verbot und wieder prominenter berichteten "Hetzjagden auf Farbige" in Ostdeutschland. Immerhin erfahren wir, dass noch vor einem halben Jahr einige Angesprochene die Antwort verweigerten, der bayerische Ministerpräsident, BDI-Vertreter und solche der katholischen Kirche z.B., "weil sie sich nicht über den Tag hinaus festlegen lassen wollten", meint Hesslein. Kurz erwähnt wird Alphons Silbermann, der vom "normalen Hass auf die Fremden" spricht und Johannes Rau, der die "bei uns lebenden Ausländer in unsere Mitte nehmen" will. Mehr Zustimmung findet bei Hesslein die kritische Analyse Arnswalds, der die Untergrabung des Asylrechts als auslösendes und bestätigendes Geschehen, als "Sieg der Straße" nämlich, beklagt.

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