Aus dem Ukrainischen von Anselm Bühling, Henriette Reisner und Volker Weichsel. Der junge Journalist Stanislaw Assejew wurde 2017 von moskautreuen Separatisten festgenommen und saß mehr als zwei Jahre im Foltergefängnis "Isolyatsiya" in Donezk, bevor er in einem Gefangenenaustausch freikam. Über seine Erfahrungen hat er einen Bericht verfasst, der wie kein zweites Dokument das Terrorsystem beschreibt, das der russische Geheimdienst FSB 2014 im Donbas etabliert hat und heute auf den okkupierten Territorien der Ukraine weiterbetreibt. Assejew erzählt vom Überleben der Folter und von der Rückkehr aus der Unmenschlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2024
Ein "erschütterndes Protokoll des Ausgeliefertseins und der Demütigung" liegt Rezensentin Christine Hamel mit den Aufzeichnungen des ukrainischen Journalisten Stanislaw Assejew vor. Assejew berichtet von seiner Haft in einem russischen Foltergefängnis im besetzen Donezk. Nachdem er zwei Jahre lang unter Pseudonym aus der "Donezker Volksrepublik" berichten konnte, informiert Hamel, wurde er 2017 verschleppt und 969 Tage gefangen gehalten. Assejew schildert das Gefängnis, das nach offiziellen Angaben gar nicht existiert, als Enklave, in der Sadisten freie Hand haben und begreift es gleichzeitig als "Ort der Wahrheit über das Putinregime", so die Kritikerin. In sachlichem Stil schildert der Assejew der Kritikerin zufolge die grausamen Methoden der Gefängniswärter, versucht aber auch analytisch, das "Wesen von Gewaltherrschaft" zu ergründen - wer glaubt, die Grausamkeiten der Gulags und Konzentrationslager von "damals", seien im 21. Jahrhundert weit weg, wird mit diesem erschreckenden Zeugnis eines Besseren belehrt, schließt Hamel.
Entsetzt liest Rezensent Jens Uthoff in Stanislaw Assejews Buch von den unvorstellbaren Grausamkeiten, die der ukrainische Autor und Journalist während seiner Zeit im Gefängnis Isoljazija (Isolation) in Donezk erleben musste. Im Jahr 2017 von prorussischen Separatisten dorthin verschleppt, verbrachte er 900 Tage in diesem "russischen KZ", so Assejews Bezeichnung, in dem Folter durch Stromschläge an den Geschlechtsteilen, Vergewaltigung, Nahrungsentzug oder Prügel an der Tagesordnung war. Wie der Autor von all dem berichtet, in Form von einst im Gefängnis geschriebenen, von den Wächtern entwendeten und nun im Nachhinein wieder rückerinnerten Texten, findet der Kritiker erschütternd; besonders auch Assejews Beschreibung der notgedrungenen Bewältigungsstrategie, das täglich Erlebte als "normal" zu betrachten, um nicht komplett dem Wahnsinn zu verfallen. Ein dunkles Buch, das beim Kritiker die Frage nach der sprachlichen Darstellbarkeit des "absolut Grausamen" aufkommen lässt. Ein Lichtblick scheint für ihn Assejews NGO "Justice Initiative Fund" zu sein, die Informationen über russische Kriegsverbrecher sammle und an den ukrainischen Geheimdienst weiterleite.
Zwei Jahre berichtete der ukrainische Journalist Stanislaw Assejew aus den besetzten Gebieten in der Ostukraine, bis er verschleppt, inhaftiert und im Gefängnis Isoljazija gefoltert wurde. Von seinen Erfahrungen erzählt er in seinem aktuellen Buch "Heller Weg, Donezk" und im NZZ-Gespräch: "'Wenn die Zellentür aufging, musste man sich sofort eine Tüte über den Kopf ziehen, mit dem Rücken zur Tür stehen und die Hände auf den Rücken halten', berichtet Stanislaw Assejew. Wer nicht innerhalb von Sekunden strammstand, wurde unter die Pritsche geprügelt und musste dort bellen wie ein Hund." Unser Resümee
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