Als 1914 in Europa der Krieg ausbrach, führte die isolierte Lage des Kaiserreiches zu der Überzeugung, nur durch alternative Mittel der Kriegsführung eine Niederlage abwenden zu können. Unter der Regie des Orientalisten und Diplomaten Max Freiherr von Oppenheim entstand ein Revolutionierungsprogramm, kraft Aufwiegelung des Orients die imperiale Macht Englands, Frankreichs und Russlands zu erschüttern. Revolten in deren Kolonialreichen sollten die Fronten in Europa entlasten, ihre Truppen in Übersee binden und die Rekrutierung frischer Kräfte verhindern. Ein von den verbündeten Osmanen verkündeter Heiliger Krieg sollte weltweit die Muslime gegen die Ententemächte aufwiegeln und auf Seiten Deutschlands in den Krieg führen. Ist diese Liaison mit dem Dschihad nur ein weiterer Beweis für die Rücksichtslosigkeit der kaiserlichen Kriegspolitik oder muss der Plan als Förderung antiimperialistischer Kräfte, als Aufruf zum legitimen Freiheitskampf verstanden werden?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2012
Außer Spesen nichts gewesen. Allerdings leerte Max von Oppenheim auch sein eigenes Sparschwein für die deutsche Orientpolitik unter Wilhelm II., wie Hans Jochen Pretsch aus dieser Studie von Stefan M. Kreutzer zum immerhin schön ausgedachten Dschijad für den Kaiser erfährt. Oppenheims Denkschrift zur Einspannung des Islam für deutsche Interessen offenbart ihm die ganze Wucht diplomatischer Bemühungen in Persien und Afghanistan, allerdings auch deren weitgehende Nutzlosigkeit.
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