Die deutsche Wiedergutmachung für die an den Jüdinnen und Juden und anderen Verfolgten begangenen nationalsozialistischen Verbrechen gilt weithin als Erfolgsgeschichte. Dabei ist das Wissen um die konkrete Wirkung der Entschädigung ebenso begrenzt wie deren Wahrnehmung durch die Überlebenden. Basierend auf Interviews in sieben Ländern untersuchen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes erstmals, wie frühere Verfolgte über die materiellen und symbolischen Leistungen denken und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Angesichts von unendlichem Leid und Millionen Toten steht die Frage im Zentrum: Was wurde wirklich wiedergutgemacht?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.02.2026
Rezensent Robert Probst liest den vom Holocaust-Forscher Stephan Lehnstaedt herausgegebenen Band mit Interesse. Laut Probst schließt der Band eine Lücke in der NS-Forschung, indem er dem Thema "Wiedergutmachung" anhand von Einzelschicksalen nachgeht. In Interviews erzählen 56 Überlebende, wie sie persönlich die Entschädigung für erfahrenes Leid wahrnehmen und -nahmen. Für Probst bietet Lehnstaedt damit eine ganze Skala von Reaktionen, aber auch einen Eindruck davon, wie sich das "Bild von den Deutschen" über die Zeit gewandelt hat. Dazu kommen laut Rezensent Ausführungen über die Geschichte der "Wiedergutmachung" in verschiedenen Staaten, über Opferverbände und bürokratischen Wahnsinn sowie Erinnerungen an "vergessene" Opfer, wie etwa ehemalige Zwangsarbeiter. Für Probst gehört zu den zentralen Erkenntnissen der Lektüre, dass das mit den Entschädigungen einhergehende Schuldeingeständnis mehr zählt als die Höhe der Summen. Allerdings geht mit diesem Eingeständnis auch die Verwantwortung einher, sich weiter gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu engagieren, schließt der Kritiker.
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