Dunkle, regenreiche Nacht im Herbst 1944: Der Laut eines Schusses jagt durch die Gassen einer kleinen Stadt in Polen, abgefeuert von einer Jüdin auf einen SS-Sturmbannführer, 37 Jahre alt. Tags darauf werden 37 Menschen öffentlich hingerichtet. Willkür und Widerstand sind gleichermaßen Teil der gewaltigen Anfangszenen des Romans, der einen Erzählbogen von den letzten Kriegsmonaten bis in die jüngste Vergangenheit spannt. "Königreich der Dämmerung" berichtet vom Leben einer jüdischen Flüchtlingsgruppe, von einer umgesiedelten Bauernfamilie aus der Bukowina, von den ungeheueren Lebensumständen der Entwurzelten in den Camps für "Displaced Persons" und verwebt dabei Weltpolitik und den Lebenswillen der häufig im Untergrund agierenden Menschen zu einer bislang nicht erzählten Wirklichkeit der Jahre nach 1945.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.01.2015
Steven Uhlys vierter Roman "Königreich der Dämmerung" sollte nicht nur vielfach gelesen, sondern auch diskutiert werden, fordert Rezensent Karl-Markus Gauss. Er liest darin deutsche Geschichte von den vierziger bis zu den siebziger Jahren, folgt etwa dem SS-Obersturmbannführer Ranzner, der ein jüdisches Mädchen mehrfach missbrauchte, schwängerte und nach dem Krieg als Mitarbeiter des BND und gefangen in einer öden Ehe eine Obsession für sein Opfer entwickelt. Darüber hinaus folgt der Rezensent neben der Geschichte des nach Israel ausgewanderten Mädchens auch dem Schicksal einer volksdeutschen Familie, die aus Rumänien ausgesiedelt wurde und das Kind einer jüdischen Widerstandskämpferin als Enkelkind ausgibt. Mit angehaltenem Atem liest Gauss die Episoden, die ihm das viel zu unbekannte Schicksal Zehntausender Juden, die als "displaced persons" vogelfrei durch Europa zogen, vor Augen führt. Ein grandioser, spannender Roman, der auch verdrängte Ereignisse der deutschen Geschichte beleuchtet, urteilt der Rezensent, der mit Nachdruck zur Lektüre auffordert.
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