Julius Wolfenhaut

Nach Sibirien verbannt

Als Jude von Czernowitz nach Stalinka 1941-1994
Cover: Nach Sibirien verbannt
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783596164394
Kartoniert, 185 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Im multikulturellen Czernowitz aufgewachsen, erlebte der Autor den wachsenden Antisemitismus und - nach der Besetzung durch sowjetische Truppen - die Deportationen der Juden nach Sibirien. Er wurde zu Schwerarbeit in Stalinka eingeteilt, anschließend als Lehrer in Tomsk. Nach seiner Verbannung arbeitete er 25 Jahre als Deutschlehrer, bis er 1994 nach Deutschland übersiedeln durfte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2005

Auch wenn sich Rezensent Markus Bauer in seiner Besprechung jeglichen Urteils enthält, scheint er doch recht beeindruckt von diesen Erinnerungen, in denen der Czernowitzer Jude Julius Wolfenhaut von seiner Deportation nach Sibirien berichtet. Am 10. Juni 1941, die Sowjetunion hielt noch die inzwischen zu Rumänien gehörende Nordbukowina besetzt, wurde Wolfenhaut zusammen mit Tausenden weiterer Juden abgeholt und im Viehwaggon nach Sibirien verfrachtet. Dort musste er zunächst als Arbeiter im Kolchos, dann in einem Holzbetrieb schuften. Später konnte er, der ehemalige Ingenieur, als Lehrer an eine Schule nach Tomsk gehen. Mit seiner dort gefundenen Familie blieb er in der Tomsker Verbannung, bis er nach Öffnung der Mauer in die Bundesrepublik ausreisen konnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2005

Beeindruckt zeigt sich Hans-Jürgen Döscher von diesen "einzigartigen Erinnerungen" Julius Wolfenhauts, der nach dem Einmarsch der Roten Armee in Rumänien (1940) als Jude verfolgt und nach Sibirien deportiert wurde. Zwar wurde seine Verbannung 1956 im Zuge der Entstalinisierung aufgehoben, eine Rückkehr in seine Heimat blieb ihm aber verwehrt, berichtet Döscher. Erst 1994, nach seiner Rehabilitierung im Alter von 80 Jahren, konnte er in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln. Wolfenhauts Schilderungen der über fünfzig Jahre währenden Demütigungen und Entbehrungen im Sowjetsystem findet Döscher "höchst eindrucksvoll und beklemmend zugleich". Ein Lob geht auch an den Berliner Historiker Wolfgang Benz, der Wolfenhauts Erinnerungen ein "einfühlsames und instruktives Vorwort" gewidmet habe.
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