Kapitalismus
Geschichte einer Weltrevolution

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN
9783498005917
Gebunden, 1280 Seiten, 42,00
EUR
Klappentext
Kaum ein Phänomen hat die Menschheitsgeschichte der letzten Jahrhunderte so geprägt wie der Kapitalismus - wie wir leben und arbeiten, wie wir über uns und andere denken, wie wir uns politisch organisieren. Der Historiker Sven Beckert erzählt in diesem monumentalen Werk die Geschichte dieses Wirtschaftssystems über die größtmögliche Dimension von Raum und Zeit hinweg. Statt den Kapitalismus, wie lange üblich, als europäisches Exportprodukt zu betrachten, erfasst er ihn in seiner internationalen Vernetzung. Arabische Kaufleute, indische Weber und versklavte Afrikaner auf karibischen Zuckerplantagen sind in seiner Darstellung ebenso zentral wie Amsterdamer Finanziers oder Stahlindustrielle im Saarland. Beckert hat eine Globalgeschichte des Kapitalismus für das 21. Jahrhunderts vorgelegt, sein Interesse gilt neben dem enormen Wachstum, den die kapitalistische Revolution ermöglicht hat, auch den Schattenseiten unseres Wirtschaftssystems: Imperialismus und Kolonialismus, globale Ungleichheit und Ausbeutung, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen im Zeitalter der Klimakrise. Doch bilanziert Beckert nicht lediglich die Soll- und Habenrechnungen des Kapitalismus, sondern entwirft ein Gesamtbild seiner Geschichte, das uns auch erlaubt, unsere Zukunft neu zu denken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2025
Ein starkes, ausgewogenes Buch über die Geschichte des Kapitalismus legt Sven Beckert Rezensent Guido Kalberer zufolge vor. Der Geschichtsprofessor Beckert beschreibt den historischen Siegeszug eines Wirtschaftssystems, dessen Anfänge er im Jemen des 12. Jahrhunderts verortet. Dortige Händler etablierten erstmals systematisch Prinzipien der Gewinnmaximierung, indem sie billig ein- und teuer verkauften, auch ein Kreditwesen wurde damals etabliert. Und das alles mithilfe des Schutzes staatlicher Strukturen, wie überhaupt der Staat stets eine wichtige Voraussetzung für den und keineswegs der Feind des Kapitalismus war. Im weiteren Verlauf des Buches geht Beckert auf die weltweite Verbreitung des Kapitalismus ein, insbesondere auch auf die aggressive Art der Gewinnmaximierung, die in Europa praktiziert wurde und auch Sklavenhandel umfasste. Stark ist das Buch nicht zuletzt, findet der Rezensent, weil es zeigt, wie auch Gewerkschafter und Umweltschützer dem Kapitalismus zuarbeiten, da sie dabei helfen, dessen negative Folgen tragbar zu machen. Einen Kritikpunkt hat der Rezensent aber doch: das Buch ist für Einsteiger zu lang und zu detailliert geraten. Kalberer wünscht sich eine Kurzfassung dieses künftigen Standardwerks, das diverse linke und rechte Streitereien über den Kapitalismus beilegen könnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2025
Rezensent Lutz Raphael sieht Sven Beckerts globale Geschichte des Kapitalismus kritisch. Dass der Autor sich nicht mit der aktuellen Forschung zum Thema befasst, stellt er gleich zu Beginn fest. Gut gefällt ihm dagegen, dass Beckert sich nicht auf eine Abrechnung mit dem Kapitalismus beschränkt, sondern die ganze Wachstumsdynamik des Systems nachvollzieht, inklusive Sklaverei, staatlicher Macht und Kriegen, die für Beckert Bedingungen der Kapitalvermehrung darstellen, wie Raphael erkennt. Anschaulich findet der Rezensent die Darstellung "lokaler Erscheinungsformen des Kapitalismus" bei Beckert. Wenn der Autor sich im zweiten Teil des Buches dem Industriekapitalismus widmet und die Gegenbewegungen der Arbeiterklasse nicht auslässt, wartet Raphael schon auf mögliche Zukunftsideen. Doch die liefert der Autor nicht, auch wenn er das Ende des Kapitalismus prophezeit. Hier hätte sich Raphael einen stärkeren Fokus auf die Logik und die Grenzen des Kapitalismus gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 17.11.2025
Der Historiker Sven Beckert hat eine für den Rezensenten Martin Hubert eine "beeindruckende Globalgeschichte" des Kapitalismus vorgelegt: Für ihn beginnt diese Wirtschaftsform schon im Mittelalter, was er überzeugend darlegt. Er führt den Beginn des Kapitalismus auf einzelne kapitalistische "Inseln" zurück, die sich im Laufe der Zeit immer mehr und besser vernetzt und ausgebreitet haben, wofür auch staatliche Maßnahmen hilfreich waren, erklärt Hubert. Dass der Kapitalismus mit so vielen Herrschaftsformen kompatibel sei, habe zusätzlich geholfen. Die Zukunft der Weltwirtschaft muss jedoch nicht unbedingt kapitalistisch sein, erfahren wir; es ist möglich, dass "nicht kommodifizierte Räume" sich ebenso etablieren - diese "nichtkapitalistischen Inseln", die der Autor zum Beispiel im Sozialstaat sieht, könnten sich ausbreiten und eine eigene Form von Gesellschaft bilden. Der Kritiker empfiehlt das Buch allen Interessierten zur Lektüre.