Aus dem Kroatischen von Fabjan Hafner. In 138 Kurzkapiteln begleiten wir die Heldin von der Kindheit auf dem Land bis zur jungen, erwachsenen Frau in der Stadt. Dabei schauen wir durch ihre Augen auf die Welt und wachsen mit ihr mit. Der naive, aber unverstellt scharfe Kinderblick fasst den Alltag der Familie und des Dorfes in präzise, poetische Bilder, in welchen sich die Sehnsüchte der Heldin, die kurzen Momente des Glücks wie auch der geisttötende Charakter ihrer autoritären Umgebung spiegeln. Erst mit dem in der Ferne ausbrechenden Krieg, der das Dorf spaltet und ihre serbisch-kroatische Familie auseinanderreißt, erfolgt eine rasche Reifung vom Mädchen zur Schülerin, Geliebten, Studentin und führt die junge Frau in die Stadt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2014
So scharfsinnig wie bitter erscheint Ilma Rakusa dieser kurze Roman von Tatjana Gromaca, in dem die Autorin die Geschichte einer kaputten Kindheit und Jugend am Rand des Jugoslawienkrieges erzählt. Dass die Autorin die Handlung bruchstückhaft konstruiert und in Kürzestkapiteln vom Leben auf dem Dorf bis zu den Zerstörungen des Krieges Einzelschicksale und gesellschaftliche Verwerfungen auslotet, scheint Rakusa zunächst zu irritieren. Die Genauigkeit und Poesie des an Wendungen reichen Erzählens aber reißt sie schließlich mit, zumal die Autorin auf jegliches Pathos oder eine Beurteilung des Geschilderten verzichtet und Raum lässt für die Fantasie der Leserin, wie Rakusa schreibt.
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