Paralleltourismus. Tex Rubinowitz' Reiseberichte sind phantastisch, komisch und ganz ohne Vorbild. Und die Reisen gehen, konsequent an allen "Sehenswürdigkeiten" vorbei, an Orte, die mal wirklich interessant sind. In Bhutan besucht er eine königliche Hochzeit, mit einer Verkehrsampel im Gepäck, denn die gibt es in dem Land auf dem Dach der Welt bisher noch nicht. In Porto geht er auf eine Ingo-Schulze-Lesung, die in der Erkenntnis gipfelt, dass Porto nicht gerade der günstigste Ort für eine Ingo-Schulze-Lesung ist. Ob in Baku, Budapest, Beppu oder Berlin, auf dem Schlager-Grand-Prix, dem Bachmann-Wettbewerb oder dem nördlichsten Filmfestival der Welt in Sodankylä: Überall kommt Rubinowitz mit den Leuten ins Gespräch; immer führen die Gespräche in Sphären, die selten ein Mensch betrat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2012
Tex Rubinowitz' neues Buch "Rumgurken" ist kein Reisebericht von jemandem, der Urlaub im Sinne einer "betäubenden Lebensunglücksverdrängung" braucht - und erst Recht kein effizienter Reiseführer a la Baedeker, meint Rezensent Alex Rühle. Amüsiert begleitet der Kritiker den Schriftsteller, Karikaturisten und Sänger der Band "Mäuse" hier bei seinen ebenso planlosen wie irrwitzigen Touren durch Finnland, Bhutan, Aserbaidschan, Usbekistan oder Klagenfurt und erlebt, wie sich Rubinowitz in einer Bar in Helsinki am Inventar und an Hering mit Dill erfreut, das Stadtzentrum jedoch gar nicht beachtet oder wie er mit Freundlichkeit und "Herzensgüte", aber ohne Geld durch Budapest oder Oslo -"scheußlich, völlig verbumfeit wie Duisburg" - schlendert. Mit Vergnügen hat der Rezensent auch die Streifzüge durch die Kulturgeschichte der jeweiligen Reiseziele gelesen. Nach der Lektüre ist sich der Kritiker in jedem Fall sicher, dass er sich Rubinowitz' Synapsen als "luftschlangenartiges Happening" vorstellen muss.
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