Neben seinen Dramen und Prosawerken hat Thomas Hürlimann immer wieder wichtige Essays zur Eigenheit der Schweiz veröffentlicht. Sein provozierender Artikel zum Swissair-Debakel in der FAZ vom 26. Oktober 2001 hat im deutschsprachigen Raum großes Aufsehen erregt und in den Feuilletons eine hitzige Diskussion entfacht. Der Band "Himmelsöhi, hilf!" versammelt diese Arbeit und andere Schriften, in welchen Hürlimann mit spitzer Feder die Schweiz, ihre Demokratie und ihre Menschen sowie Lust und Unlust erregende Zeiterscheinungen aufs Korn nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.04.2003
Aus den hier versammelten Texten des von Hans-Peter Kunisch hoch geschätzten Schweizer Erzählers erfahre man vor allem viel über das Maß an Wirklichkeit, aus dem Literatur besteht. Zum Beispiel in einer Reportage von Hürlimanns Reise nach Galizien, der Heimat seiner Großmutter, auf der Suche nach Spuren ihrer Erzählungen. Ganz nebenbei erschließe sich so manches Wichtige über Hürlimanns Roman "Fräulein Stark", dem Reich-Ranicki zu Unrecht antisemitische Tendenzen unterstellt habe. In einem anderen Stück, in dem es um den Verleger Egon Ammann geht, werde die Verbindung von Biografie und Büchermachen gezeigt. Und ein satirischer Text über das Literaturinstitut in Leipzig verrate sogar, "woher das neue deutsche Erzählen kam": aus einem Seminar über Trivialliteratur nämlich, in dem die Studenten am Ende mal selbst so etwas probieren sollten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2002
Diesen neuen Essayband Thomas Hürlimanns mag der Rezensent Gieri Cavelty nur zusammen mit dem gleichzeitig erscheinenden Essayband "Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück" von Urs Widmer besprechen. Ihr Verhältnis zur Schweiz, so Cavelty, rücke die beiden Dichter immer wieder "in eine bemerkenswerte Nähe". Bei beiden Autoren handele es sich um Versammlungen von Texten, die in den letzten Jahren im Wesentlichen für Zeitungen geschrieben worden seien. Beide Autoren setzten sich dabei mit "dem helvetischen Malaise unserer Tage" auseinander. Allerdings scheint der Rezensent zumindest bei Hürlimann die eigentlich literarischen Essays - zum Beispiel eine Rede auf seinen Verleger Egon Ammann - den politischen Äußerungen vorzuziehen.
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