Vor dem Hintergrund einer kritischen Diskussion neuerer Orientalismus- und Kultur-Theorien (u.a. Greenblatt, Said) unternimmt das Buch den Versuch, die komplexen Zusammenhänge, in denen der Orient-Diskurs im Gesamtwerk Ernst Jüngers steht und die bislang noch nie bearbeitet worden sind, zu bestimmen. Die wechselnden Einstellungen zum Orient, die Jünger in seinem umfangreichen, sich fast über das gesamte 20. Jahrhundert hinstreckenden Werk formuliert, werden vom Autor als Abarbeitungsprozeß, letztlich als Überwindung des eigenen "Orientalismus" begriffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2000
In einer Doppelrezension bespricht Helmut Kiesel zwei Bücher zu Ernst Jünger. Beiden Studien gemeinsam ist seiner Ansicht nach, dass sie "eine neue und solide Wissensbasis" bieten zu Themen, die im Zusammenhang mit Jünger zwar bereits angerissen, aber "kaum je systematisch erarbeitet wurden".
1.) Thomas Pekar: "Ernst Jünger und der Orient" (Ergon Verlag)
Kiesel weist zunächst darauf hin, dass Jüngers Vorstellung vom Orient - zumindest bis zu seinen Orient-Reisen, die er erst ab 1965 durchführte - vor allem durch Literatur geprägt war, nicht zuletzt durch die von ihm geliebten "Geschichten aus 1001 Nacht". So wundert es den Rezensenten nicht, dass der Orient in Jüngers Vorstellung vor allem "ein Raum des Überflusses, des Wunderbaren, des Abenteuerlichen (...) aber auch der Despotie, der Grausamkeit" war, und damit auch ein Gegenpol zum Okzident darstellte. Im Laufe der Zeit - und besonders nach Beginn seiner Orientreisen - habe sich bei Jünger die Vorstellung der Gegensätze von Orient und Okzident zugunsten der Idee einer gegenseitigen Ergänzung und eines Austauschs abgeschwächt. Über die Qualität des Buchs sagt Kiesel leider nichts.
2.) Reinhard Wilczek: "Nihilistische Lektüre des Zeitalters. Ernst Jüngers Nietzsche-Rezeption" (Wissenschaftlicher Verlag Trier)
Wilczek untersucht in seiner Studie den Einfluss Nietzsches auf Jüngers Werk, der sich sogar in Jüngers Formulierungen zeigt, so Kiesel. Dabei unterscheide der Autor zwischen drei Phasen: Die erste (bis 1929) sei geprägt von "Nietzsches Vitalismus und seinem ästhetischen Nihilismus", in der zweiten (bis 1932) komme vor allem Nietzsches "Willensmetaphysik" zum Tragen (anders als bei Nietzsche spiele bei Jünger das Einbeziehen der Technik bei der Vollendung des Nihilismus eine bedeutende Rolle). Die dritte Phase schließlich (ab 1939) zeigt den zunehmenden Einfluss "anderer philosophischer, nicht zuletzt auch christlicher Gedanken", wodurch Jünger sich in wesentlichen Punkten von Nietzsche distanziert, auch wenn dieser "ein wichtiger Bezugspunkt im Denken Jüngers" geblieben ist. Kiesel scheint mit Wilczeks Thesen - auch wenn er das nicht dezidiert zum Ausdruck bringt - durchaus einverstanden zu sein.
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