Der ungarische Systemwandel 1989/90 schuf die Möglichkeit eines bis dahin unvorstellbaren sozialen und wirtschaftlichen Übergangs. Dieser Band untersucht die Prozesse und Folgen dieses Wandels, indem er Antworten u. a. auf folgende Fragen sucht: Welche Faktoren haben die gesellschaftliche Position einzelner Menschen und Gruppen beeinflusst? Inwiefern betraf die Privatisierung die Einkommensverhältnisse und die soziale Ungleichheit? Zum Verständnis der gesellschaftlichen Tatsachen ist eine Analyse von Mentalität, Wertesystem, öffentlichem Denken, politischem Handeln und Alltag nötig. Welche Gewohnheiten, Wertvorstellungen und Mentalitätselemente leben fort, welche Lebens- und Überlebensstrategien haben sich seit dem Systemwechsel herausgebildet?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2020
Der ungarische Historiker Tibor Valuch hält sich aus den politischen Kämpfe des Landes raus, macht Rezensentin Sofia Dreisbach deutlich. Valuch liefert Zahlen und Statistiken, um zu beschreiben, wie sich Ungarn in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. So behandelt er die demografische Entwicklung, Ab- und Zuwanderung, Familienstand oder Alkoholkonsum. Sehr informativ findet Dreisbach das, allerdings auch ein bisschen tocken. Aber sie erfährt auch, warum all der Furor, den Viktor Orban entfacht, in Ungarn kaum jemand kratzt: Dreißig bis vierzig Prozent der Ungarn halten sich öffentlichen und politischen Leben fern.
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