Aus dem Englischen von Martina Wiese. Niemand gibt mehr Geld für Wohltätigkeit aus als Bill Gates. Doch tut er der Welt damit wirklich Gutes? In seinem Enthüllungsbuch räumt Investigativjournalist Tim Schwab mit dem Bild von Bill Gates als Wohltäter auf. Auf Grundlage brisanter Dokumente und Insiderinformationen liefert Schwab ein überzeugendes Gegennarrativ: Der Tech-Milliardär zieht nämlich nicht nur finanziellen Nutzen aus seiner Stiftung, sondern nimmt durch sie auf undemokratische Weise Einfluss auf politische Entscheidungen weltweit. Denn nur Organisationen und Projekte, die mit Gates' persönlicher Agenda und Weltsicht übereinstimmen, haben eine Chance darauf, gefördert zu werden. Somit illustriert der Fall Bill Gates wie kein anderer die Gefahren extremer Ungleichheit: Denn wenn Superreiche ihr Vermögen nutzen, um Politik zu machen, werden demokratische Prozesse und Institutionen unterminiert und unsere Gesellschaft vor eine Zerreißprobe gestellt.
Michael Meyer kennt die Kritik an Bill Gates und seiner Foundation. Tim Schwabs Buch aber gräbt tiefer, meint er. Indem der Autor die Nähe der Foundation zur WHO beleuchtet, die Wege aufzeigt, wie Gates den politischen Diskurs in seinem Interesse lenkt, den Druck spürbar macht, den die Organisation auf Gremien, Kritiker und Journalisten ausübt, und dem die tatsächlich eher kleinen Erfolge der Gates Foundation, etwa bei der Bekämpfung von Krankheiten, gegenüberstellt, zeichnet er laut Meyer ein detailreiches wie nachdenklich machendes Bild. Für Meyer auch das Porträt eines Helden, der vor allem seiner eigenen Sache dient, wenngleich er immerhin mehr für die Allgemeinheit mache als andere Superreiche, wie Autor und Rezensent einräumen.
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