Alles an diesem Tier scheint ein Statement zu sein: Es verbringt die meiste Zeit seines Lebens hängend in Bäumen, ist mit seinem von grünlichen Algen bewohnten Fell im Blätterwald kaum auszumachen und führt alles Lebensnotwendige so langsam aus, dass es im Menschen immer wieder krasse Ablehnung provoziert hat. Faul sei es, behauptet sein Name in etlichen europäischen Sprachen, "hässlich", urteilt Hegel, "mangelhaft" Buffon. Wie kaum ein anderes Tier der sogenannten Neuen Welt bringt es Kategorien durcheinander und scheint darüber - mit durchaus menschenähnlichem Antlitz - fortwährend zu lächeln. Erst die Gegenwart findet im Faultier das Sinnbild für ein entschleunigtes Leben und für Kapitalismuskritik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.02.2022
Rezensentin Claudia Mäder freut sich über den neuen Band in Judith Schalanskys Naturkunden Reihe. Tobias Keiling und Heidi Liedke führen sie sachkundig durch die Kulturgeschichte des Faultiers, von seinen Schmähungen bei Lavater und Hegel bis zu seinen Preisungen bei Levi-Strauss und in unserer gehetzten Gegenwart. Mäder überzeugen die sorgfältige Recherche der beiden Verfasser wie auch die ansprechende Bebilderung im Band.
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