Ungekürzte Lesung auf drei CDs mit einer Laufzeit von 3 h 25 min. Gelesen von Frank Arnold. Kein anderes Tier wird häufiger verspeist, und auch sprachlich werden das Schwein, die Sau und das Ferkel oft und gern in den Mund genommen: Als Ausdruck unverdienten Glücks und fehlender Manieren, als Schimpfwort für Zeitgenossen und das kapitalistische System. Der Kulturwissenschaftler Thomas Macho verfolgt die Karriere des Borstentiers vom früh domestizierten und später von Hirten gehütetem Nutztier zum Fleisch- und Allegorienlieferanten Nummer eins. Ein Plädoyer gegen Reinlichkeitsfantasien aller Art und ein Porträt alter und neuer Rassen sowie der Beweis, dass das Schwein dem Menschen in Komplexität und Widersprüchlichkeit in nichts nachsteht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2022
An Schweinen interessiert uns heute vor allem der Leib, durchschnittlich verzehrt jeder Deutsche sechsundvierzig Schweine im ganzen Leben, weiß Rezensentin Kira Kramer. Das ist allerdings nicht der Aspekt, der den Kulturwissenschaftler Thomas Macho interessiert. Kramer erfährt hier vielmehr, welche Rolle Schweine in Mythologie und Dichtung spielten: Ovid ließ den Eber mit brennenden Augen Blitze aus dem Rachen schleudern, im Mittelalter kamen Schweine "in menschlicher Robe" vor Gericht und schließlich an den Galgen, wenn sie beschuldigt wurden, Kinder aufgefressen zu haben und auch in zahlreichen Sprichwörtern zeigt sich die Vermenschlichung des Schweins deutlich. Auf diesem Hörbuch, von Frank Arnold mit "freundlicher Neugier" gelesen, lauscht die Kritikerin nicht zuletzt dem grunzenden Schmatzen - des Menschen beim Schweineverzehr. In jedem Fall ein "Hörerlebnis", schließt sie.
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