Herausgegeben von Judith Schalansky. Sie sind als ungeladene Picknickgäste die Plage jedes Spätsommers, deren unruhige Flugbewegung uns ganz in Aufregung versetzt, weil wir ihre brennenden Stiche fürchten. Zu Recht. Nicht nur durch ihre Fähigkeit zu stechen unterlaufen die sozialen Wespen überkommene Geschlechterrollen. Denn jedes Jahr im Frühjahr macht sich eine einzelne Königin an das Werk, für ihren noch zu gebärenden Staat ein Nest zu bauen. Doch es gibt auch Geschichten von zahmen Wespen, deren Schönheit überwältigt, oder von Mensch-Tier-Wesen, die etwa als Wasp Woman erotische Fantasien anheizen.Oft als das wilde, anarchische Gegenüber der braven Honigbiene bezeichnet, ist es an der Zeit, dieser aufreizend gelb-schwarzen Hautflüglerin zu ihrem Recht zu verhelfen: Michael Ohl, einer der führenden Wespenforscher Deutschlands, zeichnet in seinem Portrait das facettenreiche Bild einer hilfreichen Ökosystemdienstleisterin, eines intelligenten Insekts und eines evolutionären Glücksfalls, den wir angesichts des Insektensterbens mit allem uns Möglichen schützen sollten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.06.2023
Michael Ohl gibt sich alle Mühe, mit dem im Allgemeinen eher schlechten Ruf der Wespen aufzuräumen, erklärt Rezensentin Andrea Roedig. Und es gelingt ihm: Nach der Lektüre seiner kursorischen Einführung über Wespenarten, ihren Dienst am Ökosystem, ihre Stachel und ihr Nistverhalten, hat Roedig Feuer gefangen und greift direkt zu Ohls nächstem Buch über die stechenden Hautflügler "Stachel und Staat", welches sie ebenfalls empfiehlt. Wer jedoch auf der Suche nach einem handlichen Überblick ist, mitsamt philosophisch-kulturwissenschaftlichen Überlegungen und - typisch "Naturkunden"-Reihe - herrlicher Bebilderung, dem oder der legt die Rezensentin Michael Ohls "Wespen" - Porträt sehr ans Herz.
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