Ulrich Alexander Boschwitz

Menschen neben dem Leben

Roman
Cover: Menschen neben dem Leben
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2019
ISBN 9783608964097
Gebunden, 303 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Peter Graf. Leicht haben es die Protagonisten in Ulrich Alexander Boschwitz' Debütroman nicht. Sie sind die wahren Verlierer der Wirtschaftskrise: Kriegsheimkehrer, Bettler, Prostituierte, Verrückte. Doch abends zieht es sie alle in den "Fröhlichen Waidmann". Die einen zum Trinken, die anderen zu Musik und Tanz. Sie treibt die Sehnsucht nach ein paar sorglosen Stunden, bevor sich der graue Alltag am nächsten Morgen wieder erhebt. Doch dann tanzt die Frau des blinden Sonnenbergs mit einem Mal mit Grissmann, der sich im "Waidmann" eine Frau angeln will und den Jähzorn des gehörnten Ehemanns unterschätzt. Und so nimmt das Verhängnis im "Fröhlichen Waidmann" seinen Lauf, bis sich neue Liebschaften gefunden haben, genügend Bier und Pfefferminzschnaps ausgeschenkt wurde und der nächste Morgen graut. Wie durch ein Brennglas seziert der zu diesem Zeitpunkt gerade mal zweiundzwanzigjährige Autor das Berliner Lumpenproletariat der Zwischenkriegsjahre.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.01.2020

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke bedauert sehr, dass die schriftstellerische Karriere von Ulrich Alexander Boschwitz nicht von Dauer war. Boschwitz' wiederentdeckter Debütroman zeigt ihr einen vielversprechenden jungen Autor, der atmosphärisch und mit ganz eigenem Ton die Verlierer und Durchwurschtler im Berlin der Zwischenkriegszeit in den Blick nimmt, Diebe, Kriegsblinde und Bettler. Zwischen Komik und Tragik, Slapstick und Drama bewegt sich der Autor dabei episodisch, filmisch zwischen Dialog und Panorama, Analyse, Empathie und Sozialreportage, so Maidt-Zinke.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.09.2019

Rezensent Fabian Wolff findet diesen Roman "unfertig": Er hat gemerkt, dass sich hier ein 22-jähriger Autor ausprobiert, der sich erst noch finden muss. Trotzdem hält der Kritiker "Menschen neben dem Leben" für gute Literatur: Das Buch porträtiert die Verlierer im Berlin der Weltwirtschaftskrise zwischen den zwei Weltkriegen - Bettler, Arbeitslose und Kriegsblinde, die unglücklich durch die Straßen ziehen und schließlich in einer Vorstadtschänke unsanft aufeinandertreffen, erzählt Wolff. Besonders gut hat ihm gefallen, dass Boschwitz hier keine Verteufelung, aber auch keine politische Streitschrift zugunsten der Armen verfasst. Der Schriftsteller bleibt einfach nur nah an seinen Figuren, lobt er.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2019

Paul Jandl bedauert, dass von Ulrich Alexander Boschwitz nur zwei Romane überliefert sind. Dass Boschwitzs Text von 1937 jetzt erscheinen kann, hält er für ein Geschenk, da der frühreife Autor hier an einem "Kulminationspunkt des 20. Jahrhunderts" sein Ohr an die Gesellschaft legt und ihr ihre Mechanik ablauscht, wie Jandl erklärt. Darüber hinaus hat Boschwitz laut Rezensent die Kunst Joseph Roths, Alfred Döblins und Ödon von Horvarths offenbar mit der Muttermilch aufgesaugt und führt seine Armee der Geschlagenen, Arbeitslosen und Bettler episodenhaft, feinfühlig, mit Sinn für ihre verborgene Empfindsamkeit vor, filmisch, im Tempo variationsreich und genau, so Jandl.

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