Ulrich Barth gibt in seiner Berliner Vorlesung einen Überblick über die Hauptthemen der Dogmatik. Das Ganze ist nicht als ein Gefüge von Lehrbestimmungen oder Bekenntnisartikeln angelegt, sondern als Symbolhermeneutik des Christentums. So entstehen die Konturen einer liberalen evangelischen Dogmatik, die sich dem aufgeklärt-kritischen Religionsdiskurs ebenso verpflichtet weiß wie der Einsicht in die existentielle und kulturelle Bedeutung des christlichen Glaubens in der Moderne. Die einzelnen Kapitel werden jeweils nach biblischem Leitsymbol, menschlicher Lebenssituation, dominierender Gottesvorstellung und religiösem Grundgefühl durchgeführt. Zweck der Darstellung ist es, die innere Verbindung von Religion und Leben herauszuarbeiten. Vorangestellt (Prolegomena) ist ein kritischer Durchgang durch die Geschichte des Terminus 'Dogma' und ein konstruktiver Entwurf eines an den Kulturwissenschaften orientierten Begriffs von Dogmatik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2022
Für den Rezensenten Reinhard Bingener hat die Dogmatik des Theologen Ulrich Barth das Zeug, die Debatte um das Christentum neu zu befruchten. Barths Problembewusstsein und seine Kenntnisse der Philosophiegeschichte und der protestantischen Theologie sind laut Bingener das Fundament, auf dem der Autor zunächst auf klassische Weise die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zu letzten Fragen betreffend die Eiwgkeit entwickelt. Allerdings biegt der liberal denkende Autor alsbald von den herkömmlichen Wegen des Offenbarungswissens ab und schaut auf den "Vollzug" des Gottesgedankens, indem er etwa die Hohlheit manches Dogmas nachweist, so erklärt Bingener. Ein Plädoyer für das "religiös Normale", das voll auf Barths liberalprotestantischer Linie liegt, findet der Rezensent.
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