Was unterscheidet unsere Epoche von früheren? Das mehr oder weniger deutliche Bewußtsein der Fehlbarkeit all unserer inhaltlichen Urteile, unserer empirischen ebenso wie unserer moralischen Aussagen, und der Versuch, der Fehlbarkeit zu entkommen. Dem Bewußtsein unserer unaufhebbaren Fehlbarkeit haben Friedrich Nietzsche in einem Bild der Landlosigkeit und der Verlorenheit auf hoher See und Otto Neurath in einem ähnlichen Bild der Docklosigkeit unseres Lebens Ausdruck gegeben. Docklosigkeit ist daher ein Emblem unserer Epoche.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2006
Steffen Kraft ist nicht mit allem einverstanden, was Ulrich Steinvorth in seinem Buch an "metaphysischen Urteilen" anbietet, aber er ist grundsätzlich sehr angetan von Steinvorths Versuch, überhaupt wieder zu metaphysischen Aussagen zu kommen. Da es die zeitgenössische Philosophie "esoterischen Zirkeln" oder "fundamentalistischen Rattenfängern" überlässt, für philosophische Orientierung zu sorgen, ist der Vorstoß des Autors für eine "rationale Metaphysik" in den Augen des Rezensenten umso begrüßenswerter. Zunächst aber unterzieht Steinvorth sowohl die Lehren Papst Johannes Paul II. als auch die des islamischen Fundamentalisten Sayyid Qutb einer eingehenden Analyse. Hier vermerkt Kraft es als besonderes Verdienst, dass der Autor gänzlich "unpolemisch" zu Werke geht und es ihm damit gelingt, die fundamentalistischen Antworten "umso wirkungsvoller zu zerschmettern". Als eigentliche Leistung preist Kraft dabei, dass es Steinvorth erreicht hat, eine Möglichkeit aufzuzeigen, auch in diesen postmodernen Zeiten wieder über "Metaphysik nachzudenken".
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