Der Nahe und Mittlere Osten ist seit Jahrzehnten ein Brennpunkt der Weltpolitik. Irak, Iran, Saudi-Arabien, Syrien, Libyen, Afghanistan: Die Länder sind ebenso unterschiedlich wie ihre jeweiligen Problemlagen, aber eines, sagt Ulrich Tilgner, haben die dortigen Krisen gemeinsam: Sie strahlen in den Westen ab. Migration und Terror heißen die Stichworte. Mehr noch: Der Westen trägt durch seine verfehlte Politik eine große Mitschuld an der Entstehung und Verbreitung von Terrororganisationen wie dem "Islamischen Staat" oder den permanenten (Bürger-)Kriegen in der Region. Am schlimmsten jedoch ist, so die These von Ulrich Tilgner, dass das Scheitern der westlichen Politik im Orient nichts anderes bezeichnet als einen Wendepunkt der globalen Entwicklung. Der Rückzug der USA aus der Region bedeutet einen weiteren Abschied von ihrer Rolle als weltweite Ordnungsmacht - und dass auf Europa neue Probleme und Aufgaben zukommen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2020
Rezensent Rene Wildnagel kennt Ulrich Tilgner als gut informierten Nahost-Journalisten. Von Tilgners Expertise als Kriegsreporter vor allem im Irak profitiert der Rezensent in diesem Buch aber nur bedingt. Über das Scheitern des Westens, vor allem der USA im Nahen Osten berichtet ihm der Autor zwar hart, aber fair, die weltpolitischen Implikationen der Nahost-Krisen vermag Tilgner aber nur bedingt zu erläutern, und seine Darstellung der Konflikte im Jemen oder Syrien taugen höchstens als deskriptiver Überblick, meint der Rezensent. Mehr von Tilgners eigenen Erfahrungen hätten dem Buch gut getan, glaubt er.
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