Ulrike Draesners Gedichte handeln vom Alltag, von Liebe und Natur, von der Stadt. Sie spielen mit Formen der Dichtungstradition. Das Staunen über die Vielfältigkeit dieser Welt und ihre Gesetze, über ihre Vergangenheit und die abenteuerliche Zukunft der "schweren Körper" in ihr, setzt sich um in eine aus Rhythmus und Wortklang kombinierte zweite Stimme der Gedichte - eine Art innere Musik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2001
Viel Verständnis für Draesners Gedichte bringt die Rezensentin auf. Es ist der Mut der Autorin, den Angelika Overath betont. Formal wie thematisch, schreibt sie, werde hier einiges gewagt. Zunächst, weil bei dieser Kunst (einander überschneidender Wörter und Bildbereiche aus einem weiten lyrischen Wortschatz) keine Chance hat, wer mehr will, als "einem lockenden, narkotisierenden Sprachrausch" zu erliegen, und nicht extrem genau, "im Grunde mit Bleistift und Lexikon", liest. Dann, weil sich, so Overath weiter, Draesner so frisch und schamfrei und intelligent "an Körper heranmacht". Und wenn es der Rezensentin mitunter auch etwas zu viel wird, wenn "über jedem Wort ein vorlauter Papagei zu sitzen droht, der mitplappert" - auf dem Weg zum ungeheuren Gedicht, meint sie, braucht es schließlich den Anlauf des Überschusses.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.03.2001
Sehr angetan ist Rolf-Bernhard Essig, das erfahren wir, bevor er auf den eigentlichen Gedichtband zu sprechen kommt, von den Vorlesekünsten der Dichterin - noch in den schriftlichen Versen hört er ihre Stimme nachklingen. Rhythmus und Klang des vollständig zitierten Gedichts "op", geprägt von "schwebenden Betonungen und Alliterationen", zeigen erstaunliche Wirkung, wenigstens nach Meinung des Rezensenten. Es ist nicht nur die poetische Rede von Narkose, der Leser selbst gerät, so Essig, in einen Zustand "betäubenden Verdämmerns". Gelobt wird, mit einem Begriff Adornos (aus einem "Fan-Brief" an Thomas Mann), die "exakte Fantasie" der Autorin und ihre Vielseitigkeit, ihr weites Form- und Ausdrucks-Spektrum von Tom-Waits-Artigem bis zum "fußballgedicht". Zuletzt bedauert Essig noch, dass das Buch zu billig ist und stellt fest: "Diese Lyrik macht nicht den Autor, sie macht den Leser reich."
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