Seit Mitte der achtziger Jahre ist die Stelle der Debatte zwischen Kritischer Theorie und Systemtheorie die zwischen Systemtheorie und Dekonstruktivismus getreten. Von zentraler Bedeutung in diesen Auseinandersetzungen ist der Begriff des Politischen. Während von dekonstruktivistischer Seite ein allgemeiner Begriff des Politischen vorgeschlagen wird, kann die Systemtheorie Politik nur innerhalb des politischen Systems denken.
Ein wenig Etikettenschwindel muss man hier schon vermuten, folgt man der Rezension von Ingo Stöckmann. Wenn der Autor auch eine "dekonstruktive Lektüre" von Luhmanns Systemtheorie im Untertitel verspricht, so ist mit dem Feld der politischen Entscheidung als Gegenstand der Dekonstruktion nach Auffassung des Rezensenten bereits ein Feld ausgemacht, das von sich aus keinen Systemzwängen gehorcht: "Denn Unentscheidbarkeitslagen mit dem paradoxen Zwang, doch entscheiden zu müssen, sind weniger ein bedrängendes Theorieproblem als politisches Tagesgeschäft." Was somit als Versuch angepriesen wird, die Dekonstruktion im Haus der Systemtheorie anzusiedeln, bleibt nach Stöckmanns Interpretation "absichtsvoll poststrukturalistisch und kaum noch systemtheoretisch gedacht". Hier helfen dann der "nicht allzu konsumfähigen" Arbeit nach Meinung des Rezensenten auch keine "erkenntnistheoretischen Kapriolen" mehr. So bleibt wohl die am Anfang der Rezension begehrlich beschworene "Liaison von Bielefelder Beobachtungstheorie und Pariser Poststrukturalismus" weiterhin ein Desiderat; die "Theorieerotik" des Rezensenten kommt jedenfalls dieses Mal zu keinem befriedigenden Ergebnis.
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