Die eigene Mitläufer- und Mittäterschaft wurde von den meisten Anhängern und Nutznießern des Nationalsozialismus nach dem Krieg geleugnet: niemand hatte etwas mit diesem mörderischen System zu tun gehabt - ein Mythos, der sich bis heute in vielen Familien hält. Anhand von Zeitdokumenten rekonstruiert Ute Althaus die Geschichte ihres Vaters, eines intelligenten jungen Universitätsassistenten aus einer angesehenen Professorenfamilie. Sie findet heraus, dass ihr Vater in der nationalsozialistischen Bewegung die Chance sah, seinem autoritären Elternhaus zu entfliehen und als Mitglied der "Herrenrasse" jemand zu sein. In der hierarchischen Partei war seine Individualität jedoch genauso wenig gefragt wie in seiner Familie, dafür wurde ihm für diese Selbstaufgabe Erfolg und Macht versprochen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.08.2006
Für persönlich und symptomatisch zugleich hält Ursula Frey Ute Althaus' Buch über ihren Vater. Kein Wunder, ist die Autorin doch nicht nur Tochter eines NS-Verbrechers, sondern auch Psychologin. Das Nachforschen in der Vergangenheit des Vaters geschieht "mit wissenschaftlicher Akribie", der Hass des Vaters, der ihn zum Mörder macht, wird, so teilt die Rezensentin mit, (klassisch freudianisch) mit einer verkorksten Kindheit erklärt. Dass es Althaus um eine sachliche Schuldanalyse zu tun ist und nicht etwa um eine familiäre Abrechnung, rechnet Frey der Autorin hoch an, um so mehr, als sie das Buch trotzdem "packend" und "verständlich" geschrieben findet. Die mit abgedruckten Briefe der Eltern scheinen dem Ganzen zudem eine Authentizität zu verleihen, die das Symptomatische des Falls sichtbar macht. Frey jedenfalls hat es derart aufgerüttelt, dass sie sich noch mehr tiefenpsychologische Familienforschung wünscht.
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