Ute Althaus

NS-Offizier war ich nicht

Die Tochter forscht nach
Cover: NS-Offizier war ich nicht
Psychosozial Verlag, Gießen 2006
ISBN 9783898065047
Kartoniert, 300 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Die eigene Mitläufer- und Mittäterschaft wurde von den meisten Anhängern und Nutznießern des Nationalsozialismus nach dem Krieg geleugnet: niemand hatte etwas mit diesem mörderischen System zu tun gehabt - ein Mythos, der sich bis heute in vielen Familien hält. Anhand von Zeitdokumenten rekonstruiert Ute Althaus die Geschichte ihres Vaters, eines intelligenten jungen Universitätsassistenten aus einer angesehenen Professorenfamilie. Sie findet heraus, dass ihr Vater in der nationalsozialistischen Bewegung die Chance sah, seinem autoritären Elternhaus zu entfliehen und als Mitglied der "Herrenrasse" jemand zu sein. In der hierarchischen Partei war seine Individualität jedoch genauso wenig gefragt wie in seiner Familie, dafür wurde ihm für diese Selbstaufgabe Erfolg und Macht versprochen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.08.2006

Für persönlich und symptomatisch zugleich hält Ursula Frey Ute Althaus' Buch über ihren Vater. Kein Wunder, ist die Autorin doch nicht nur Tochter eines NS-Verbrechers, sondern auch Psychologin. Das Nachforschen in der Vergangenheit des Vaters geschieht "mit wissenschaftlicher Akribie", der Hass des Vaters, der ihn zum Mörder macht, wird, so teilt die Rezensentin mit, (klassisch freudianisch) mit einer verkorksten Kindheit erklärt. Dass es Althaus um eine sachliche Schuldanalyse zu tun ist und nicht etwa um eine familiäre Abrechnung, rechnet Frey der Autorin hoch an, um so mehr, als sie das Buch trotzdem "packend" und "verständlich" geschrieben findet. Die mit abgedruckten Briefe der Eltern scheinen dem Ganzen zudem eine Authentizität zu verleihen, die das Symptomatische des Falls sichtbar macht. Frey jedenfalls hat es derart aufgerüttelt, dass sie sich noch mehr tiefenpsychologische Familienforschung wünscht.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Lukas Rietzschel. Sanditz - Roman . dtv, München, 2026.Lukas Rietzschel: Sanditz
Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,…
Elizabeth Strout. Erzähl mir alles - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Elizabeth Strout: Erzähl mir alles
Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…