In den letzten Jahren zeichnet sich in Deutschland, Frankreich und den USA eine neue Wertschätzung für Carl Einstein als Kunsthistoriker ab. Vor allem seine Kunst des 20. Jahrhunderts, die erstmals 1926 innerhalb der renommierten "Propyläen-Kunstgeschichte" erscheint, macht Einstein zu einem der ersten und vielleicht hellsichtigsten Historiker der europäischen Avantgarde, insbesondere des Kubismus und des Surrealismus. Das Überschreiten thematischer Grenzen, das mit Werk und Wirken Einsteins verbunden ist, sein methodisches Vorgehen, seine Sprachskepsis und sein komplexes geschichts- und erkenntnistheoretisches Modell, das der bildenden Kunst den Rang eines Leitmediums ästhetischer Weltaneignung zuweist, haben zu dem wachsenden Interesse der Kunstgeschichte, der Kultur- und der Bildwissenschaften an seinen Schriften geführt. Das Buch von Uwe Fleckner zeigt, dass Carl Einstein künftig als einer der großen intellektuellen Anreger der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts neben Walter Benjamin und Aby Warburg gestellt werden muss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2007
Eine des Multitalents Carl Einstein würdige Biografie sucht Andreas Strobl bislang vergebens. Auch Uwe Fleckner gelingt es laut Strobl nicht, Einstein allumfassend, so wie es die Arbeit der Einstein-Gesellschaft vormacht, zu betrachten. Zwar erkennt Strobl die Leistung einer "wenig selbstreflexiven" Kunstwissenschaft, sich hier zu einer "intellektuellen Biografie" aufzuschwingen und Einsteins Texte, etwa zur Skulptur, "ausführlich" zu besprechen. Einsteins Texte selbst jedoch hält der Rezensent bereits für ausreichend gut erschlossen. Die gewünschte breitere Perspektive auf Kunstkritik und Kunstwissenschaft zur Zeit Einsteins wie auf sein dichterisches Talent und seine Auseinandersetzung mit der Ethnologie enthält der Band dem Rezensenten jedoch leider vor.
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