Er war ein Revolutionär und wollte es nicht sein. Er war Soldat und hat im Krieg die Traum-Vision einer neuen Wissenschaft gehabt. Wie Galilei zerschlug er das alte Denken und setzte die Sonne ins Zentrum der Planeten, aber er hielt die neue Erkenntnis lange vor der Welt verborgen. Er entthronte Gott und setzte die menschliche Vernunft als erste und letzte Instanz, aber er blieb seinem katholischen Glauben bis auf das Totenbett treu.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.05.2001
Weil die Quellenlage nicht eben rosig ist, erklärt uns der Rezensent, ist das Buch über weite Strecken reine Werkbiographie. Gelegentlich gibt es auch gar nichts zu berichten, dann flicht der Autor eben ein paar Hofintrigen ein und "zieht manchen trivialen psychologischen Schluss." Sven Hanuschek sagt, was so vernichtend klingt, mit einiger Sympathie für das Buch. Mag sein, die gelungene Vermittlung der Descartes'schen Schriften ("ein Wissenschaftskrimi") hat ihn dafür eingenommen oder die beigefügten Illustrationen, der schöne Satz des Buches vielleicht. Ganz bestimmt nicht aber haben ihn der Mangel an Diskursfähigkeit und an Bezügen der Arbeit zur jüngeren Forschung verzaubert oder dass er die Frage, was Descartes uns heute noch sein kann, nicht beantwortet fand.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2001
Manuela Lenzen findet Gefallen an dieser Biografie des Wissenschaftlers und Philosophen Descartes, die sich nicht nur auf seine akademischen Leistungen konzentriere, sondern auch einen guten Eindruck der Zeit vermittele, in der Descartes lebte. Von der "Tulpomanie in den Niederlanden" bis hin zur "Bedeutung der Muskatnüsse" würden hier viele Themen gestreift. Auch sei die Biografie, die "ein bewegtes Leben" schildert, chronologisch sehr präzise. Wenn der Autor Uwe Schultz eine Zeitspanne aus Descartes Leben nicht rekonstruieren konnte, wird das auch entsprechend vermerkt, lobt Lenzen. Zudem gelingt es ihm ihrer Meinung nach, die vielen Wissenschafts- und Philosophiebereiche - von "der Lichtbrechung und dem Wetter" bis zu moralischer Tugendhaftigkeit handelte Descartes alles mögliche ab - lebhaft zu schildern und so "die Philosophie (zu) einer Wissenschaften vom Leben" zu machen. Einzig der Klappentext, der Descartes zum "Urvater der Gentechnik und Atomenergie" ernennt, stößt der Rezensentin unangenehm auf. Sie findet ihn reißerisch und überflüssig.
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