Was ist ein Herausgeber? Wie verhalten sich Autorschaft und Herausgeberschaft zueinander? Welche Funktion hat der Herausgeber als diskursive Instanz im Rahmen und am Rahmen literarischer Texte? Diesen Fragen geht Wirths Untersuchung sowohl mit Blick auf die literaturwissenschaftlichen Ansätze zum Thema Autorschaft nach, als auch mit Blick auf die Literatur des Zeitraums 'um 1800', in dem sich der moderne Autorschaftsbegriff entfaltet. Vor dem Hintergrund dieser Konstellation bleibt zu klären, welche Rolle der fiktive Herausgeber bei der Genese moderner Autorschaft spielt, ja ob der emphatische Autorbegriff der Genieästhetik womöglich nur eine spezifische Transformation der Funktion Herausgeber ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2009
Äußerst respektvoll begegnet Thomas Meissner den Ambitionen des Autors. Vom mächtigen theoretischen Apparat, den Uwe Wirth auffährt, um mit Gerard Genette, Foucault und Derrida dem gleichermaßen beeindruckten wie verschreckten Rezensenten den Performanzbegriff und die Erzähltheoretie nahe zu bringen, lässt sich Meissner allerdings nicht einfach so überrollen. Welche Aufgabe dem Paratext (Vorworte, Fußnoten usw.) in den Romanen um 1800 zukommt, wie eine Herausgeberfiktion entsteht, wird Meissner als Belohnung im zweiten Teil der Studie anhand konkreter Überlegungen, zu Goethes "Werther", E.T.A. Hoffmanns "Kater Murr" und Brentanos "Godwi" bis in die textimmanenten Widersprüche hinein erläutert und mit einem kurzen Ausblick auf die Literatur um 1900 historisch vergleichend eingeordnet.
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