Verena Boos

Blutorangen

Roman
Cover: Blutorangen
Aufbau Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783351035945
Gebunden, 411 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Für die junge Spanierin Maite ist das Studium in München vor allem eine Chance, ihrem konservativen Elternhaus zu entfliehen. Ihre Heimat Valencia, berühmt für den Handel mit makellosen Orangen, wird ihr allmählich fremd. Sie verliebt sich in Carlos, der aus einer deutsch-spanischen Familie stammt, und befreundet sich mit seinem Großvater Antonio. Der alte Emigrant berichtet von nie gehörten Ereignissen und erzählt doch nicht alles. Eines Tages wird aus der Zuhörerin eine Fragerin: Wie gelangte ihr Vater in eine deutsche Uniform?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2015

Ein ebenso brillantes wie lehrreiches Buch hat Rezensentin Katharina Teutsch mit Verena Boos' Debütroman "Blutorangen" gelesen. Allein die titelgebende Metapher gefällt der Kritikerin ausgesprochen gut, vor allem aber liest sie interessiert eine entlarvende Erzählung über das franquistische Spanien, die mit dem Mythos aufräumt, Franco habe sein Land gegen Hitlers Faschismus verteidigt. Aufmerksam folgt Teutsch hier zwei spanischen Familien, die eine wohlhabende Obstplantagenbesitzer und Franquisten, die anderen Orangenverkäufer und Republikaner, begleitet sie vom Zweiten Weltkrieg bis ins Jahr 2004 und erfährt anhand der verschiedenen Familienschicksale, dass Franco nicht nur über den Holocaust Bescheid wusste, sondern Hitler auch etwa fünfzigtausend Soldaten für seinen Russlandfeldzug lieh. Boos gelinge es auf beeindruckende Weise, in verschiedenen meisterhaft verknüpften Episoden, nicht nur mit der ersten Generation aus der Zeit der Diktatur abzurechnen, sondern auch die stummen Söhne und Töchter sowie die unwissenden Enkel zu beschreiben, lobt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.07.2015

Gerührt zeigt sich Britta Heidemann von diesem Debüt. Verena Boos erzählt ohne Kitsch und mit viel Detailliebe von der Last der Vergangenheit, die weit bis in die Gegenwart reicht, meint Heidemann. Historische Frontlinien aus der Franco-Zeit in einer heutigen Figur, das scheint der Rezensentin von der Anlage her plausibel und durch die Distanz für den deutschen Leser gut nachvollziehbar, selbst wenn die Autorin mit Personal und Zeitebenen nicht spart, wie sie schreibt. Abgesehen von einigen Verirrungen ins allzu Unglaubliche für die Rezensentin ein gelungener Roman über die Erbkrankheit Schuld.
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