Volker Braun

Luf-Passion

Ein Gedichtzyklus
Cover: Luf-Passion
Faber und Faber, Leipzig 2022
ISBN 9783867302340
Gebunden, 64 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Deutsch-Englisch. Aus dem Englischen von Ann Cotten. Volker Brauns Verse, die, wie so oft, sich im Kontext europäischer Aufklärungsgeschichte bewegen und mit Fragmenten der Kolonialgeschichte operieren, fragen nach den offenen Rechnungen, die unsere porösen Demokratien aus ihrer überkommenen Kolonialmachtzeit noch zu begleichen haben. Von der Dichterin Ann Cotten ins Englische übertragen. Weil Raubkunst und Räuberstaat keine nationalen Phänomene waren und sind, sondern globalisierte Enteignung und Vernichtung. Die Sprache der Aufhebung des Unrechts ist international.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2022

Den guten Willen erkennt Rezensent Tobias Lehmkuhl durchaus in Volker Brauns Mini-Epos des berühmten Luf-Boots, das deutsche Kolonialisten aus Papua-Neuguinea raubten und das jetzt im Humboldt-Forum ausgestellt ist. Aber auch wenn völlig klar sei, auf welcher Seite der Dichter steht, findet der Rezensent das Unterfangen politik heikel. Seltsam deutsch findet er zum einen die Worte und Gedanken, die Braun den Menschen aus Papua-Neuguinea in den Mund legt, ohne ihnen und ihrer Kultur einen Namen zu geben. Zum anderen erscheinen ihm die Verse selbst ein wenig hüftsteif, "wie in deutsche Eiche gekerbt". Eine Passionsgeschichte, meint Lehmkuhl, wie gemacht für für den Museumsshop.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.09.2022

Rezensent Björn Hayer empfiehlt Volker Brauns Gedichte über die gewalttätige deutsche Kolonialvergangenheit auf dem Bismarck-Archipel als "engagierte Lyrik" und Handreichung für Gedenkkulturverwalter. Gegen Geschichtsklitterung wendet sich der Autor laut Hayer, indem er das Deutungsmonopol der Kolonialisten bricht und den Unterdrückten eine Stimme verleiht. Der Band unterstreicht das mit übermalten Bildern von Indigenen, erklärt der Rezensent. Für Hayer leistet Braun Bedeutsames, indem er die Wunden "offenhält", den Schmerz spürbar macht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.09.2022

Rezensentin Katharina Döbler findet es problematisch, wenn Volker Braun in seiner Collage aus eigenen lyrischen Texten, Zitaten aus einem Bach-Choral, einem Text Diderots, Soldatensprech und Stimmen der Bewohner Ozeaniens Äußerungen einer kolonisierten Kultur in der Sprache der Kolonialisten vermittelt. Sie selbst habe das in einem eigenen Roman vermieden, erklärt die Rezensentin etwas selbstgewiss. Darüber hinaus aber hält Döbler den Zyklus, in der vorliegenden Ausgabe ergänzt durch eine englische Version von Ann Cotten, für lesenswert, da er vermittels eines Neben- und Gegeneinanders der Stimmen Kolonialgeschichte begreiflich mache, wie sie findet.

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