Vor mehr als 100 Jahren hat Friedrich Nietzsche den Tod Gottes verkündet. Doch dessen Ableben lässt auf sich warten. Auf dem Markt der Deutungsangebote haben die Religionen sogar wieder Hochkonjunktur. Volker Gerhardt bietet dafür eine auf den ersten Blick paradoxe philosophische Erklärung: Das sich ständig vermehrende Wissen bedarf der Ergänzung durch den Glauben. Diese Sicht der "rationalen Theologie" lässt sich aus den Lebensbedingungen der Moderne entwickeln. Ihre historischen Wurzeln hat sie in der Behandlung des Gottesproblems bei Platon und Kant. Volker Gerhardt nimmt deren Überlegungen auf und zeigt, dass die christliche Botschaft in der Form, die ihr der Apostel Paulus und der Evangelist Johannes gegeben haben, in diese Tradition hineinpasst, auch wenn die Kirchen davon nur wenig aufgenommen haben. Sein Buch weist das Göttliche als rationale Grundbedingung jeder Sinngebung menschlichen Daseins aus und eröffnet jedem Menschen die personale Freiheit, das Göttliche als seinen persönlichen Gott zu verstehen.
Das Göttliche hat als philosophische Kategorie seit Kant weitgehend ausgedient, weiß der Theologe Friedrich Wilhelm Graf und freut sich daher sehr, dass der Philosoph Volker Gerhardt in seiner Studie den Begriff wieder nutzbar macht, aufklärerisch, überzeugend und durchaus an Kant anschließend. Dafür denkt Gerhardt die üblicherweise als Gegensatz verstandene Beziehung zwischen Glauben und Wissen neu, indem er den Glauben nicht als irrationalen Antagonisten des Wissens versteht, sondern im Gegenteil als "Reflexion auf die Grenzen des Wissens bzw. Wissenkönnens", fasst der Rezensent zusammen. Für Graf bietet dieses "anspruchsvolle, mit Pathos geschriebene Buch" eine äußerst anregende Neuinterpretation klassischer philosophischer Standpunkte und setzt gleichzeitig die Religion wieder auf die Liste der für die philosophische Erörterung relevanten Gebiete.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2014
Nicht Fisch, nicht Fleisch kann Otto Kallscheuer erkennen, wenn der Philosoph Volker Gerhardt in diesem Buch über den Glauben sinniert. Spricht er vom Geist oder vom Göttlichen? Wendet er sich an Ungläubige oder an seinesgleichen (Vernunftgläubige)? Fast scheint es dem Rezensenten, als wolle es sich der Autor mit niemandem verderben. Darüber, dass Gerhardt eher das aufgeklärte Juste Milieu vertritt als die Reihe der existenziellen Glaubensdenker, scheint Kallscheuer ein bisschen enttäuscht zu sein.
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