Der Essay von Harald Lemke wendet sich einer Philosophie des Essens zu. Mit ihr nimmt Deutschlands führender Gastrosoph äußerst wichtige, aber fast immer unterschätzte lebensweltliche Phänomene in den Blick: das Einkaufen und Kochen, Genießen und Verdauen. Wer über solch vermeintliche Selbstverständlichkeiten erst einmal ins Nachdenken gerät, stellt schnell fest: In diesen alltäglichen und allgemeinsten Handlungen steckt eine bislang unterschätzte Sprengkraft. Das Denken über den Tellerrand hinaus eröffnet neue Blicke auf unser Leib- und Naturverhältnis, auf Hunger und Überfluss, die globale Ökonomie ebenso wie Weltpolitik und Geschmacksfragen. Raffiniert verarbeitet Lemke die Einsichten und Zutaten namhafter Philosophen wie Sokrates, Kant oder Nietzsche und würzt sie mit Erlebnissen, Anekdoten, Reflexionen. Dabei gilt es vor allem, eine grundlegende Erkenntnis ins kulturelle Bewusstsein einzuspeisen: dass die Ethik, Ästhetik und Politik unserer Nahrung Angelegenheiten höchsten Ranges sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2014
Jakob Strobel Y Serra zeigt sich enttäuscht von Harald Lemkes Einlassungen zur Philosophie des Essens, oder: zur Gastrosophie. Zwar regt ihn das schmale Buch zum Nachdenken übers Essen an, aber das kann nicht alles sein, findet der Rezensent. Außer einem etwas pathetischen, mitunter auch kalauernden Ton und etwas zu vollmundigem Reden über die Gastrosophische Revolution bei Sokrates, Feuerbach und Nietzsche ("Wille zur Wurst"), bietet der Autor dem Rezensenten eher magere Kost. Erkenntnisgewinnbringend immerhin scheint ihm Lemkes ideengeschichtliche Einordnung der Slowfood-Bewegung. Die Botschaft des Ganzen, gut zu essen, um glücklich zu sein, hält der Rezensent aber eher für einen Kalenderspruch.
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