Volker Hagedorn

Flammen

Eine europäische Musikerzählung 1900 - 1918
Cover: Flammen
Rowohlt Verlag, Hamburg 2022
ISBN 9783498002015
Gebunden, 448 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

So viel Aufbruch, Durchbruch, Ausbruch in wenigen Jahren hat es nie zuvor gegeben. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg erlebte die Welt Veränderungen in schwindelerregender Dichte. In Gesellschaft, Wissenschaft, Kultur wurden Grenzen gesprengt - und viele Komponisten waren Seismografen und Katalysatoren zugleich. Pelléas et Mélisande, Salome, Pierrot Lunaire, Le Sacre du Printemps sind nur einige der Werke, die uns immer noch herausfordern. Die eruptive Kreativität verbindet sich mit der Befreiung der Emotionen; ebenso meint der Titel Flammen den Krieg. Auch der brachte die Musik nicht zum Schweigen, und er ist nicht die einzige Antwort auf die Frage, was das für ein Europa war, was seine Menschen bewegte.Aus der Nähe erfährt man mehr. Zwei höchst unterschiedliche Protagonisten führen uns in Flammen in den Alltag, in private und politische Dramen, in die Klänge dieser Jahre. Da ist Claude Debussy, der in Frankreich eine neue Musiksprache schuf, und da ist die Britin Ethel Smyth, die nicht nur komponierte, sondern auch für das Frauenwahlrecht ins Gefängnis ging, die Aktivistin Emmeline Pankhurst liebte und sich in Wien, Berlin, Paris, London zu Hause fühlte. Auf und neben den Wegen der beiden begegnen wir Genies wie Schönberg und Strauss, folgen Mahler zu Sigmund Freud und Debussy zu Strawinsky. Als diese beiden am Klavier den noch unvollendeten Sacre spielten, ging es den Zuhörern so, wie es allen gehen kann, die sich heute in jene Zeit begeben: "Wir waren niedergestreckt wie von einem Orkan."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2022

Rezensent Andreas Meyer liest Volker Hagedorns musikalisches Zeitporträt der Jahre 1900 bis 1918 mit gemischten Gefühlen. Einerseits erschließt ihm der Autor anhand von umfangreicher Recherche Politik, Kultur und Zeitgeschichte, verbindet mit teils "brillanter" Schreibe Mahler und Freud und zeichnet aufschlussreiche Porträts auch entlegener Figuren der Musikgeschichte wie Emil Gutmann oder Louis Laloy. Andererseits kommt der Autor seinen Figuren mitunter allzu nahe, indem er Gespräche und Situationen imaginiert (Satie auf Besuch bei Debussy), die ihm nicht geläufig sein können, wie Meyer sich sicher ist. Eindringliche Szenen musikalischer Ereignisse bietet der Band gleichwohl, so der Rezensent.

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