Herausgegeben von Alexander Fidora und Andreas Niederberger. Mit einem Geleitwort von Matthias Lutz-Bachmann. Wie kaum ein anderer Text verkörpert der Liber de causis mit seiner Geschichte den grenz- und kulturüberschreitenden Charakter des philosophischen Denkens der Antike und des Mittelalters: Zum einen reichen die Wurzeln des im Bagdad des 9. Jahrhunderts verfassten Buches der Ursachen in die griechische Spätantike, zum anderen erstrecken sich seine Verästelungen bis tief ins lateinische Mittelalter, ja sogar bis zu Dante. Denn nach seiner Entdeckung und Übersetzung im Toledo der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, dem damaligen Schnittpunkt der drei großen monotheistischen Kulturen, sehen die Leser in ihm ein theologisches Werk des Aristoteles, ob welcher Zuschreibung er alsbald Pflichtlektüre an der Pariser Universität wird. Nach den einflussreichen Kommentaren Alberts des Großen und Roger Bacons stößt erst Thomas von Aquin auf die wahre Quelle des Textes. Erstmalig liegt hier eine deutsche Übersetzung des lateinischen Textes vor, der für diese Ausgabe von den Herausgebern durchgesehen und auf den aktuellen Stand der philologischen Forschung gebracht wurde. Die vielfältigen Hintergründe aus der griechischen Philosophie ebenso wie die islamisch-christlichen Motive zeigt ein ausführlicher, kapitelweiser Kommentar auf. Die Relevanz des Buches der Ursachen für die europäische Geistesgeschichte wird eigens durch eine Darstellung seiner Rezeption im lateinischen Mittelalter nachgezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2001
Matthias Grässlin ist dankbar für diese Übersetzung des "Buchs der Ursachen". Der Rezensent schildert in seiner Kurzbesprechung den Werdegang der Liber de Causis vom "blinden Passagier der mittelalterlichen Aristoteles-Rezeption" über die universitäre Pflichtlektüre 1255 in Paris bis zu Nachforschungen Thomas von Aquins(1272). Die im "Buch der Ursachen" enthaltenen "hochspekulativen Gedanken" über "Intelligenz und die Weltseele" seien hilfreich gewesen, um die "auseinander strebenden Inhalte von Metaphysik und Theologie" wieder zusammenzuführen, hat der Rezensent gelesen. Zur Veranschaulichung haben die Autoren ein "buntes, vierteiliges Kartenwerk" beigefügt, welches die "abenteuerlichen Wege" des Buches zwischen Bagdad und Toledo illustriert, was Grässlin ebenso gefällt wie die "geschmackvolle Gestaltung" der Verlagsreihe Excerpta Classica.
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