Herausgegeben von Christoph Gödde und Henri Lonitz.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2000
Uwe Steiner lobt die Edition der Briefe Walter Benjamins als mustergültig. Die Bände IV und V machten da keine Ausnahme. Kommentar und Register seien vorbildlich. Zwar gebe es keine sensationellen neuen Brieffunde, das Verdienst der Ausgabe sei die Übersicht über bisher verstreut veröffentlichtes Material. Steiner misst dann aber die Edition an Benjamins Warnung vor der Herausgabe der Briefe eines Autors statt der vollständigen Briefwechsel und bedauert mit ihm, dass die Briefe der Adressaten nicht mit abgedruckt wurden. Besondere Bedeutung misst der Rezensent dem Brief an Gershom Scholem aus dem Jahr 1932 zu (Band IV), der sich im nun wieder hergestellten Zusammenhang mit den nicht abgeschickten Briefen als veritabler Abschiedsbrief erweise. Bedeutsam scheinen Steiner weniger die Spuren der politischen Ereignisse als der Gestus des Briefschreibers Benjamin, der an einer von Benjamin selbst am Beispiel Arnold Bennetts beschriebenen Lebenskunst geschult sei. Auf diese Weise würden Benjamins "Briefe zugleich in die Zeit eingebettet und näher an sein Werk herangerückt."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
1935 bis 37: Das war die Zeit der stalinistischen Schauprozesse in Moskau. Lorenz Jäger setzt sich in seiner Kritik dieses Briefbandes besonders mit Benjamins Verhältnis zum Kommunismus auseinander, das er seltsam zweideutig und ratlos findet. Während Max Horkheimer 1936 in einem epochemachenden Essay ("Egoismus und Freiheitsbewegung") "den gedanklichen Zusammenhang von Freiheit und Revolution" trennte, so Jäger, äußerte sich Benjamin mal so, mal so und verteidigte noch 1939 - zur Zeit des Hitler-Stalin-Pakts - den Jakobinismus. Diese Ratlosigkeit Benjamins führt Jäger auf seine intellektuelle Verzweiflung in den Jahren der Not und Ortlosigkeit zurück.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.11.1999
Walter Benjamins Briefe aus der schweren Zeit der Emigration (der Band reicht bis 1937) erlauben nach Ansicht des Rezensenten Wolfgang Müller-Funk "eine ruhigere und gelassenere Sicht auf einen philosophischen Essayisten". Unter anderem müsse man unter dem Eindruck der Briefe die "traurige Geschichte" korrigieren, dass Benjamin zu dieser Zeit das Opfer Adornos und Horkheimers geworden sei. Vielmehr beweise der Band die Großzügigkeit dieser Freunde. Von Interesse sei der Band auch wegen des Eifersuchtsverhältnisses zu Ernst Bloch, der zu der Zeit, als Benjamin an seinem Passagenwerk arbeitete, ähnliche Thesen formulierte. Auch zu Brecht und Scholem enthalte der Band interessante Briefe. Müller-Funk vermisst in dem Band die - möglichst ungekürzten - Antwortbriefe der Adressaten.
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