Mit 13 Abbildungen. Der wundersame Aufstieg Walter Benjamins zu einer intellektuellen Ikone des 20. Jahrhundert erzählt, entlang der konfliktreichen Geschichte seiner zerstreuten Nachlassbestände. Oft ist von einem Wunder die Rede, wenn es um Walter Benjamins Nachleben geht. Nach seinem Selbstmord auf der Flucht vor den Nazis im September 1940 zählte Benjamins Name "zu den verschollensten in der geistigen Welt" (Gershom Scholem). Am Ende des Kalten Krieges war Benjamin ein global rezipierter Autor, die Kontroversen um sein Werk und sein tragisches Schicksal wirken bis heute nach. Robert Pursche rekonstruiert die Geschichte dieser denkwürdigen posthumen Karriere entlang der Konflikte um Benjamins zerstreute Archive, angefangen bei den ersten Rettungsbemühungen seiner Freunde Hannah Arendt, Gershom Scholem und Theodor W. Adorno über die heftigen Marxismus-Debatten um "1968" und die Auseinandersetzungen um Benjamins Nachlassbestände in der DDR. Nicht nur die großen intellektuellen Figuren kommen dabei in den Blick, sondern auch Archivare, Editorinnen, Verleger, politische Aktivisten, Journalistinnen und Stasi-Mitarbeiter. Die anhaltende Faszination für diesen oft rätselhaften Denker wird so in ihren zeithistorischen Kontexten verständlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2025
Walter Benjamin gehört neben Künstlern wie Vermeer oder Georges de la Tour und Autoren wie Hölderlin oder Kafka zu jenen Zentralgestirnen der Geistesgeschichte, die überhaupt erst durch ihre Rezeption konstruiert wurden. Mit großer Faszination beschreibt der ehemalige Hanser-Lektor Wolfgang Matz in seiner Rezension die "säkulare Wundererzählung von literarischer Auferstehung", die der Autor hier vor den Leser ausbreitet. Man wundert sich fast, so Matz, dass dieses Buch nicht schon längst existierte - es wird zum Standardwerk, da ist sich Matz jetzt schon sicher. Dann erzählt er die komplexe Geschichte der Wiederentdeckung Benjamins nach dem Krieg: Theodor W. Adorno, Hannah Arendt und Gershom Scholem sind da die wichtigsten Akteure. Sie alle liebten Benjamin, aber nicht immer den gleichen, und sie liebten nicht einander. Matz nutzt seine Lektüre für eine Ehrenrettung Adornos, der Benjamin nach dem Krieg überhaupt erst wieder zugänglich machte. Seine Editionen zusammen mit Gretel Adorno und Scholem schufen die Grundlage - mit eifersüchtiger Obsession (so Matz) überwacht von Hannah Arendt, die Adorno verabscheute. Damit waren die Streitigkeiten und Komplikationen aber nicht zu Ende. Es kam die Ausgabe von Hermann Schweppenhäuser und Rolf Tiedemann, dessen "unerhörte Editionsleistung" (so Matz) dann aber wieder durch neu entdeckte Manuskripte der Revision bedurfte. Und mit Benjamin waren immer Verdacht und Projektionen verknüpft, erzählt der Rezensent: Die einen wollten einen "esoterischen" Benjamin, die anderen sahen den "marxistischen" als den wahren Benjamin. Und nicht selten beschuldigten beide Seiten die jeweiligen Editoren den jeweils ersehnten Benjamin zu unterdrücken. Das Gute an Pursches Buch: Er steht drüber. Er "überspringt die Frontlinien, indem er sie analysiert". Und sein Buch ist zudem noch hervorragend geschrieben, versichert der angeregte Rezensent.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…