Herausgegeben und eingeleitet von Gert Ueding. Walther Rathenaus (1867-1922) berühmte Essays von "kommenden Dingen" handeln vom Menschen und davon, wie er zu einem guten, erfüllten Leben kommt. Und was es denn also auf sich hat mit Moral und Religion, mit Wahrheit und Erkenntnis, mit Philosophie und Politik. Es sind dies alles "Visionen" über das Leben in einer gänzlich "mechanisierten" Welt, die kritische Verteidigung des Fortschritts und engagiertes Plädoyer für eine humane Lebenswelt in einem sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.08.2001
Rolf-Bernhard Essig findet es außerordentlich bedauerlich, dass es heute "Persönlichkeiten wie Walther Rathenau nicht mehr gibt": in der Politik ebenso zuhause wie in der Philosophie, Kultur und Wirtschaft. Essig berichtet, dass Rathenau 1918 in der Presse als das 'paradoxeste der Paradoxe' bezeichnet wurde, und der vorliegende Band mache diese Äußerung durchaus verständlich. Nach Essigs Schilderungen hat Rathenau in diesen Essays äußerst unterschiedliche Themen behandelt, wobei der Rezensent allerdings anmerkt, dass der Herausgeber Rathenau mit dem Abdruck des Essays "Im Garten der Hesperiden" keinen Gefallen getan hat. Hier diagnostiziert der Rezensent "bemühte Komik und peinliche Klischeefreudigkeit", etwa wenn Rathenau Portugiesen als 'Neger, Malaien, Mongolen' bezeichnet und von ihren 'Bastardschädeln' spricht. Doch die Texte, die von Politik und Philosophie handeln, haben Essig überaus beeindruckt, vor allem durch die polemische Zuspitzung, die "zum Selberdenken" zwinge, aber auch durch die ausgetüftelten Argumentationsstränge. Vor allem aber sehe man "bewundernd einen brennenden Intellekt am Werk, befeuert von einer kraftvollen 'Seele'".
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