Aus dem Amerikanischen von Malte Krutzsch und Britta Waldhof. Ein Mann wird zu Hause rausgeworfen, nachdem seine Frau innen auf der Windschutzscheibe einen Fußabdruck entdeckt hat, der nicht ihr eigener ist. Zwei sommerbetäubte Teenagerinnen rechnen draußen in den Wäldern miteinander ab. Wikinger überfallen eine bereits mehrfach geplünderte Insel in der Hoffnung, durch Blutvergießen und Brandschatzen ihre Winterdepressionen zu überwinden. Wells Towers Geschichten sind bevölkert von verkrachten Existenzen und Außenseitern: versoffene Träumer, unglückliche Väter und missratene Söhne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.04.2012
Nur im besten Sinne fühlt sich ein rundum zufriedener Peter Henning an Hemingway erinnert: So sättigen Wells Towers Kurzgeschichten mit einer "Scheibe vom Brot des Lebens", nur um bald nach mehr hungern zu lassen. Und auch der lakonische Tonfall sowie das ähnliche literarische Ausgangsmaterial - vom Leben ausgestoßene Menschen - könnten vom Meister stammen. Mit viel Begeisterung für diesen jungen, aber "wunderbar altmodischen" Autor blickt der Rezensent somit wie durch ein Mikroskop auf so alltägliche wie "verkrachte" Menschen, deren Konturen, Sehnsüchte und Wünsche der geschilderten Figuren bei der Lektüre vergrößert hervortreten. Diese lassen Henning zwar einerseits genussvoll erschrecken, andererseits aber auch einen neuen Blick auf sich selbst werfen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2012
Nach diesen Stories ist Tilman Urbach sehr gespannt auf den ersten Roman von Wells Tower, dessen Vorbilder Cheever und Yates er ganz deutlich heraushört in den Texten. Das unausweichliche Zustürzen auf Katastrophen etwa. Es geht ums Scheitern im Zwischenmenschlichen in diesen Geschichten, und die Größe des Autors zeigt sich für Urbach in der Beiläufigkeit, mit der Tower es inszeniert, in aller Normalität, immer wieder zwischen Hoffnung und Vergeblichkeit. Daneben imponiert ihm die Empathie, die der Autor den Leser spüren lässt, so merkwürdig oder aggressiv seine Figuren sich auch verhalten mögen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011
Geschichten, in denen der Mensch durch die Begegnung mit der Natur seine zivilisatorischen Erfahrungen abwirft, hat Florian Balke schon häufig gelesen. Und auch Wells Tower greift in seinen neun unter dem Titel "Alles zerstört, alles verbrannt" herausgegebenen Kurzgeschichten auf diese Idee zurück, berichtet der Rezensent, dennoch erscheinen ihm seine Erzählungen irgendwie "skurriler". Vor allem bewahren sich Wells Protagonisten immer ihre Selbstironie, so Balke: Bob etwa, der eines Morgens feststellt, dass die liebevoll ins Aquarium gepflanzte Seegurke alle anderen Tiere getötet hat oder Jacey, die von ihrer Katze ein totes Taubenküken ans Bett gebracht bekommt, das wie ein "halb gargekochtes Radiergummi" aussieht. Das ist abwechslungsreich, schwärmt der Kritiker, der diesen Kurzgeschichtenband in einem Zug durchgelesen hat.
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