Seitdem das Gehirn als Residenz kognitiver Leistung erkannt wurde, vergleicht man es in der medialen Historiographie mit den komplexesten technischen Apparaten sei es Fließband oder Telegraph, Radiostation oder Computer. Während die technischen Funktionsprozesse jedoch zu Denkschablonen werden, die das Gehirn anschaulich machen sollen, entsteht aus der glibbrigen Masse eine fiktionale Konstruktion, deren Strukturen es für die Wissensproduktion nachzuahmen gilt. Diese Interferenz aus medialen Verfahren lässt gerade in der Gründungsphase der Sowjetunion unmittelbare Anwendungsfelder mit den ihnen anhängenden Machtstrategien und Überwachungsmethoden entstehen. Die politisierte Verschaltung von der Wissenschaft über die Poetologie führt somit einerseits zurück zum Menschen, der in der Gestalt des Rezipienten das zerebrale Fundament des Neuen Menschen durch die ästhetischen Narrative verstehen und sich aneignen soll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2014
Was genau gemeint ist mit dem Titel erklärt Michael Adrian dem Leser. Es geht um kybernetische Versuche zwecks ideologischer Gleichschaltung in der Sowjetunion. Wie das vor sich ging, welche Wissenschaftler und Pseudowissenschaftler die Fäden zogen und was dabei herauskam, dokumentiert aus Ost- und Westquellen schöpfend der Wissenschaftsforscher Wladimir Velminski in diesem Band. Für Adrian ist nicht nur das Grenzgängertum des an der ETH Zürich lehrenden Velminski ein Glücksfall. Die Berichte über telepathische Versuche mit sägenden Arbeitern, mit Radio und Fernsehtechnik und Strahlenenergie zeigen dem Rezensenten auf anregende Weise, was sich die Sowjetmacht gesellschaftspolitisch so erträumte und was mit Gehirnprothesen abgesehen von Möglichkeiten zur Steigerung der geistigen Potenz noch gemeint sein kann.
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