Der deutsche Widerstand gegen Hitler ist ein Kapitel mit mehr Schatten als Licht. Millionen Deutsche haben keinen Finger gerührt, als das NS-Regime die Freiheit beseitigte, Recht brach und zahllose Mitbürger verfolgte und ermordete. Einige aber wie Georg Elser, Graf Stauffenberg oder die Mitglieder der Weißen Rose haben ihr Leben riskiert, um den Verbrechen ein Ende zu machen. Wolfgang Benz entfaltet in seinem großen Buch das vielschichtige Spektrum der Opposition gegen Hitler, zerpflückt dabei manche Mythen und bietet eine Gesamtdarstellung auf dem neuesten Stand der Forschung.
Zwischen Wegducken und Mut zum Handeln schwankte nach 1933 die Haltung jener Deutschen, die keine überzeugten Nazis oder gleichgültige Mitläufer waren. Einfache Leute brachten sich in Gefahr, weil sie aus Anstand Unschuldigen Hilfe leisteten, Kommunisten wurden im Untergrund aktiv, Kirchenleute, Aristokraten oder Intellektuelle verweigerten sich und planten sogar den Regimewechsel. Aber weit mehr fürchteten um ihre Sicherheit und die ihrer Familien und ballten deshalb nur die Faust in der Tasche. In dichten Szenen erzählt Wolfgang Benz von der Wirklichkeit im NS-Regime und den Motiven und Bedingungen der Opposition in einem Terrorstaat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.03.2019
Rezensent Matthias Arning nimmt das Buch des Historikers und Aufklärers Wolfgang Benz als deutlichen Hinweis darauf, dass es Zeit ist, die Demokratie zu verteidigen. Die zwölf Kapitel, in denen der Autor den Widerstand von Künstlern, Intellektuellen, Arbeitern, Kirchen und Militär während unterschiedlicher Phasen der NS-Herrschaft vor 1933 behandelt, machen Arning klar, dass es darauf ankommt, den richtigen Moment zur Opposition nicht zu verpassen. Für Arning eine vielgestaltige Geschichte des deutschen Widerstands mit wichtigen Impulsen für die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019
Den deutschen Widerstand gegen die Nazis "nicht größer machen, als er war", dennoch aber die vielen kleinen Leute zu ehren, so Rezensent Joachim Käppner, das scheint die Motivation des emeritierten Historikers Wolfgang Benz für dieses Buch gewesen zu sein. Nicht selten waren Widerstandshandlungen schon sinnlos geworden - jener Gefechtsstand kurz vor Deutschlands Niederlage schon geräumt, dessen Verbindungskabel ein Mann aus Ansbach kurzentschlossen durchschnitten hatte. Schlimm war, dass er sein Leben dennoch dafür verlor und schlimmer noch, dass der Historiker Karl Bosl später das Durchschneiden des Kabels als seine Heldentat deklarierte, sobald es opportun war. Nicht zufrieden ist der Rezensent sowohl mit der insgesamt vernachlässigten Geschichte des jüdischen Widerstands als auch insbesondere mit der "wenig einfühlsam" vorgebrachten Kritik an Arno Lustiger, dessen Lebensthema der jüdische Widerstand gewesen ist. Diese Haltung scheint dem Rezensenten Zeichen eines überholten akademischen Gebarens und sogar Dünkels. Den Widerstand des 20. Juli bringe Benz ebenfalls ins Bild, glücklicherweise aber ohne jene Überhöhung, die ihm im deutschen Nachkrieg widerfuhr, so Käppner.
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