Mit einem Nachwort von Barbara Glauert-Hesse und Zeichnungen von Georges Annenkoff. Langeweile, Sinn- und Liebesverlust sind die Symptome der Eurokokke. Ein mit Direktheit erzählter Roman aus dem Jahr 1927, der auch heute noch Symbolkraft hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2002
Ziemlich kühl bespricht Stefan Berkholz die Neuedition von Ivan Golls "Die Eurokokke". In der 1927 erschienenen Erzählung lässt Goll seinen Helden unter der europäischen "Krankheit der Leere" leiden, welche die europäische Kultur zu zerfressen droht und den Menschen zu allem fähig macht, zum Mord wie zum Selbstmord. Heute wirke das Buch vor seinem geschichtlichen Hintergrund natürlich gespenstisch, meint Berkholz, aber nur als Zeitdokument. "Es ist ein Beleg für die Rufer, die nicht gehört wurden", schreibt er, aber mehr auch nicht, zumal der schmale Band trotz seiner Kürze Längen habe. Gar kein Verständnis zeigt er daher für die Versuche der Herausgeberin Barbara Glauert-Hesse, den schmalen Band zu einem Gegenwartsmenetekel machen zu wollen: "Als Vision auf gegenwärtig bleierne Zustände wirkt das Buch verloren und überholt", lautet sein Verdikt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002
Für Marcel Beyer kommt der Autor, wie schon so oft, auch mit diesem 1926/27 entstandenen Roman zu spät. Was Goll hier beschreibe, die "große Europamüdigkeit" und die "kleinen Nervenleiden", den Untergang des Abendlandes und den Niedergang der Kultur , habe T. S. Eliot bereits fünf Jahre vorher in "The Waste Land" meisterhaft verarbeitet. Dazu kommt, dass der Rezensent sich gewünscht hätte, der auf der Suche nach Heilung von seinem Lebensüberdruss durch Paris laufende Held hätte etwas weniger nach der "Wahrheit" und dafür mehr nach der "Wirklichkeit" gesucht. Denn Beyer hat die Reflexionen des Protagonisten alle irgendwo schon mal gehört, und so beschreibt er den Autor als "Symptomschriftsteller", der zwar Zeittypisches aufgegriffen, aber keine wirklichen Erkenntnisse zu bieten gehabt habe.
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