Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

1667 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 167

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.09.2025 - Architektur

Wolfgang Jean Stock porträtiert in der FAZ den Südtiroler Architekten Walter Angonese, der versucht, mit seinen Bauten einen Gegenpol zu schaffen zur auch architektonischen Verschandelung, die in der Gegend der Übertourismus mit sich bringt. Einen Bibliotheksbau in Kaltern etwa begreift er als eine "gesellschaftspolitische Setzung. (…) Der hell leuchtende, skulptural gestaltete Baukörper erhebt sich als turmartiger Abschluss des historischen Zentrums eindrucksvoll über einem steilen Hang. Charakterisiert wird er durch ein großes, bis zum Boden reichendes Dach, das die vier Geschosse in einer Stahlkonstruktion umhüllt. Für einen intensiven Bezug zu ihrer Umgebung sorgen die rundum verglasten Räume der Bibliothek wie auch kleine Terrassen für den Aufenthalt im Freien. Vom Ort aus präsentiert sich das Gebäude durchsichtig und einladend - und im Inneren wurde die gewünschte wohnliche Atmosphäre erreicht."

Außerdem: Auch Peter Richter in der SZ, Rainer Haubrich in der Welt und Hanno Rauterberg in der Zeit rufen dem Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann nach. Siehe für die ersten Nachrufe hier.
Stichwörter: Angonese, Walter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2025 - Architektur

In der FAZ schreibt Matthias Alexander den Nachruf auf den Architekten und Stadtplaner Hans Stimmann, der im Alter von 84 Jahren gestorben ist. Von kurz nach der Wende bis 2006 bekleidete er das Amt des Senatsbaudirektors von Berlin: "Er wollte den alten Stadtgrundriss so weit als möglich wiederherstellen ('Kritische Rekonstruktion'), um den Osten und den Westen der Stadt auch im Stadtbild wieder miteinander zu verbinden. Zu diesem Zweck formulierte er klare Vorgaben: Er vertraute auf die einigende Kraft des Blockrands und der Traufhöhe von 22 Metern, und er setzte auf die vormoderne Gestalt steinerner Fassaden. Dass Investoren und Architekten, die vor dem inneren Auge das Berliner Stadtbild schon mit gewaltigen Spektakelbauten aufgemöbelt sahen, darüber nicht amüsiert waren, focht Stimmann nicht an, im Gegenteil, es motivierte ihn, seine Maximen durchzusetzen, dabei um keinen Kniff verlegen, von der Zusammensetzung der Wettbewerbsjurys bis hin zur Verwaltungspraxis." 

Stimman habe "entscheidend mit auf den Weg gebracht, dass die 'europäische Stadt' wieder Gestalt annahm, niemals fertig, gewiss, sondern als Aufgabe für Gegenwart und Zukunft", meint Bernhard Schulz im Tagesspiegel. Besonders für die Zukunft, wenn man sich das Ergebnis anguckt.
Stichwörter: Stimmann, Hans

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.09.2025 - Architektur

Jan Grossarth ist für die Welt in den Musterstädtchen unterwegs, die Elon Musk in Texas für seine Mitarbeiter und Anhänger bauen lässt. Grossarth findet die minimalistischen Tiny Houses doch reichlich futuristisch, aber auf gruselige Weise: "Lässt sich schon von einer eigenen Musk-Architektur sprechen? Oder einer Nicht-Architektur? Die erste Bauphase lässt keinerlei Ambitionen erkennen, die auf ästhetische Qualitäten, Dauerhaftigkeit, Bürgerlichkeit ausgerichtet wären. (…) In Musk Town kreist die bauliche Gestaltung um Musk, und die Ansiedlungen dienen anscheinend dem Zweck, die Mission möglichst schnell verwirklichen zu können. Die resignierte Kleinbürgerlichkeit der Wohnhütten steht ironischerweise in maximalem Kontrast zu Musks menschheitsbewegenden Zukunftsvisionen. Einzelne Prestigebauten (oder ihre Entwürfe) setzten hingegen Zeichen. Sie nehmen symbolischen Anklang an Raumschiffen, UFOs, Batman und verströmen einen Hauch der Grease-Nostalgie der 1950er-Jahre."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.08.2025 - Architektur

Endlich ist nun ein Ideenwettbewerb für das geplante Haus der Demokratie nahe der Paulskirche in Frankfurt abgeschlossen: Bürger werden nun die Pläne begutachten und einen Favoriten küren, freut sich Christian Thomas, der sich für die FR schon mal einen Überblick verschafft hat: "Ob Steildach mit einer Öffnung in Form einer monumentalen Fledermausgaube (Atelier Lorentzen Langkilde Aps) oder ein zweigeschossiger, transluzider Aufbau mit einer Kuppel in Anlehnung an die flache Kalotte der Paulskirche, auf die eine Loggia den Blick freigibt (Unique Assemblage): Beim 'Haus der Demokratie' hat man so einiges im Sinn, konzeptionell womöglich so etwas wie eine mentale Anstalt des Verfassungspatriotismus, bei dem Dach so etwas wie eine Schaubühne hinweg über den Paulsplatz und die Skyline der Stadt. Wollte man tiefer einsteigen in den Wettbewerb, träfe man unter den 128 Teilnehmern und Teilnehmerinnen auch auf die Büros Behnisch und Böhm, bei ihnen auf Ikonen der deutschen Nachkriegsarchitektur, Antipoden zudem, seit langem geleitet von den Söhnen. Die Behnisch-Tradition wird fortgesetzt durch Transparenz und membranartige Leichtigkeit, eine Pavillonmuschel, schön geschwungen. Zeitlos? Oder aus der Zeit gefallen?"

Weitere Artikel: Vor drei Jahren, pünktlich zum 300-jährigen Bestehen, wurde die alte Bibliothèque Nationale in Paris saniert wiedereröffnet. Tilman Krause hat sie nun für die Welt besucht und ist hingerissen.
Stichwörter: Haus der Demokratie

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.08.2025 - Architektur

Schimmel, undichte Fenster, ausfallende Heizungen - der Pariser Louvre muss dringend generalsaniert werden, weiß Matthias Krupa in der Zeit. Zugleich läuft derzeit ein Architekturwettbewerb, denn auf der Ostseite des Gebäudes soll nicht nur ein zweiter Eingang entstehen, sondern unter dem zentralen Innenhof auch ein neuer Trakt eigens für die Mona Lisa. Vor allem der neue Eingang hatte zu Protesten geführt, aber Museumsdirektorin Laurence Des Cars beruhigt: "Die Besucherinnen und Besucher sollen unterirdisch geführt werden, die Kolonnaden bleiben unangetastet. Der Denkmalschutz wird beteiligt und hat sein Einverständnis signalisiert. Des Cars betont den Unterschied zur Pyramide: Gesucht werde ein Architekt oder eine Architektin mit einer Handschrift, aber keine spektakuläre Geste. 'Die Zeit hat sich verändert, wir sind nicht mehr in den 1980er-Jahren', sagt sie. Hinzu komme die ökologische Verantwortung, der jede neue Architektur gerecht werden müsse. Die Direktorin träumt von einem 'grünen Gürtel' rund um den Louvre, von Bäumen, Blumen, möglichst viel Natur."

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Für Lars Fleischmann (taz) ist es ein Glücksfall, dass Zara Pfeifer ans Architektur- noch ein Fotografiestudium anschloss: Davon kann er sich derzeit einmal mehr in der Ausstellung "Wo Wien wohnt" im Österreichischen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig überzeugen. Zu sehen sind dort unter anderem Aufnahmen aus ihrer Arbeit "Du, meine konkrete Utopie", die sich mit dem Wiener Wohnpark Alterlaa beschäftigt: "Dafür begleitete sie zwischen 2013 und 2017 mehrere Bewohner*innen durch die Wohnblöcke, besuchte nicht nur die schon vielfach fotografierten Pools, die auf den Dächern der Hochhäuser Abkühlung versprechen, sondern auch die Hobbyräume. Die Architektur der Wohnblöcke birgt eine Besonderheit: Die Blöcke sind an ihrer Basis breiter als oben, weswegen sich im Inneren der unteren Etagen Räume ergeben haben, die von den Bewohner*innen als Keramikstudio, Verein für Selbstverteidigung und zur allgemeinen sportlichen Betätigung genutzt werden. Diese soziale Komponente, die anderen Großsiedlungsbauten abgeht, fängt Pfeifer in präzisen und empathischen Analogaufnahmen ein."

Für die Welt schaut sich Jan Grossarth Bloomberg-Fotos an, die erste Eindrücke von Elon Musks geplanter Siedlung "Starbase" in Texas zeigen. "Die anarcho-kapitalistische Vision kümmert sich augenscheinlich wenig um die Gestaltung des Hier und Jetzt", seufzt er und fühlt sich eher an "zweckfunktionalistische Camps" erinnert: "Die sterile, enge Bebauung mit Kleinst-Bretterhäusern mit dunkler Lasur erinnert an einfachste Wohncontainer. Stahltreppen führen vom Rollrasen herauf zu ihren Eingängen, und auf jedem dieser Wohnblöcke ist ein kleiner Freisitz für ein bis zwei Personen montiert, für die Freizeit. Andere Formen lehnen sich an die großen Zeiten der USA, die 1960er-Jahre, an. Die metallischen Caravans in langer Reihe, die ein anderes YouTube-Video zeigt, erinnern auch an nostalgische Foodtrucks, dienen hier aber Schlafzwecken."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.08.2025 - Architektur

Hanno Rauterberg mag die Architektur der deutschen Gegenwart nicht. Einfalls- und lieblos werden die ewig gleichen Kästen in die Gegend geklotzt, schimpft er in der Zeit und wünscht sich, dass die verantwortlichen Architekten zur Strafe in den von ihnen verbrochenen Gebäuden selbst wohnen müssen. Ein Blick auf vergleichsweise fantasievolle Gründerzeitfassaden zeigt: Das war nicht immer so. Dennoch möchte der Autor sich nicht auf die Seite der Nostalgiker schlagen. Was aber wäre stattdessen vonnöten? Leider bleibt Rautenbergs Text da doch arg pauschal: "Wahre Architektur beginnt ja erst dort, wo sie sich vom nackten Zweckdenken löst. Wo sie ein Gespür für Geborgenheit entwickelt, für Eigensinn oder die Freude am Spiel. Nur wenn Architekten sich wieder trauen, ihre Bauten als soziale Körper zu begreifen, die etwas erzählen wollen, das Auge unterhalten, das Gemüt bewegen, werden sich auch wieder Bauherren finden, denen es um mehr geht als nur um Profit. So wie einst in der Gründerzeit. Nur mit den gestalterischen Möglichkeiten von heute."

Außerdem: Anh-Lingh Ngo ruft in der taz dem streitbaren Architekturtheoretiker Nikolaus Kuhnert, Mitherausgeber von Arch+ und Gegner neohistorischen Bauens, nach.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2025 - Architektur

Laura Helena Wurth erinnert in der wochentaz an die Architektin Astra Zarina, die das märkische Viertel in Berlin mitgestaltete: "In Berlin traf Zarina auf einen starren, bürokratischen Apparat, dem das Einhalten von Bauvorschriften und Normen wichtiger war als klug durchdachte Abweichungen. So sah man in ihren ersten Entwürfen für den Teil des Märkischen Viertels, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Douglas Philipp Haner planen sollte, Wohneinheiten, die eine Art Innenhof formten und ebenerdige Ladenzeilen: eine Durchmischung und ein Nebeneinander von Leben, Wohnen und Arbeiten. Doch die damaligen Berliner Bauherren verstanden das neue Viertel als Blaupause am Reißbrett, in dem sich die verschiedenen Lebensbereiche kaum berühren sollten: Es sei 'Brutalität, mit der wir da Lyrik gemacht haben', beschrieb Düttmann das Viertel noch 1967 gegenüber dem Tagesspiegel."
Stichwörter: Märkisches Viertel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2025 - Architektur

Vor neun Jahren wurde die in der Edo-Zeit entstandene Burg von Kumamoto im Südwesten Japans bei einem Erdbeben schwer beschädigt, fast ebenso lange dauert die Reparatur - und könnte noch mindestens 27 weitere Jahre dauern, weiß Thomas Hahn in der SZ. Denn die Ingenieure stehen vor dem Problem, die Burg mit neuen Methoden erdbebensicher zu machen - dabei soll sie allerdings exakt aussehen wie früher: "Die Außenmauer bildeten 'Tsuki-ishi', große, aus Felsen gehauene Steine, die ineinanderpassten und deshalb auch ohne Zement zusammenhielten. (…) Die heruntergefallenen Tsuki-ishi werden gesammelt und sollen wieder genauso wie vorher zusammengesetzt werden. Alte Fotos und moderne Bildverarbeitungstechnik helfen bei diesem Mauerpuzzle, damit die rund 1700 großen alten Steine des Sockels wirklich wieder dahin kommen, wo sie schon vor 400 Jahren waren. Die Kiesschicht dahinter wird mit Gittern als Edelstahl und Polyethylen befestigt, damit das Geröll sich bei Erschütterungen nur in eine vorgegebene Richtung bewegt."
Stichwörter: Kumamoto

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2025 - Architektur

Nach Niklaus Bernau gestern in der FAZ (unser Resümee) schaut sich auch Jan Grossarth in der Welt das "Schwarzbuch der Denkmalpflege" entsetzt an: "Mindestens knapp 600 Baudenkmäler werden demnach in Deutschland Jahr für Jahr abgerissen". Oft werden Denkmalfachbehörden viel zu spät in Planungsverfahren einbezogen, manchmal aber auch einfach ignoriert, weiß Grossarth und räumt ein: "Trägt auch das Gebaren der Ämter selbst zu Resistenz mancher Bürger bei? Denn die Denkmalschutz-Behörden treten, wie man hört, nicht immer als derart 'zahnlos' auf, wie es die Denkmalstiftung suggeriert. Ortsbegehungen, die vor Umbaugenehmigungen nötig sind, können freundlich und unterstützend über die Bühne gehen. Aber sie können auch Assoziationen an herrschaftliche Visitationen wecken. Und das - oft in umständlichem Architektendeutsch formulierte - akademische Fachwissen der Denkmalpfleger kann aus Sicht der Haus-Eigentümer arrogant wirken. Das heißt, es lässt auch an Rücksichtnahme gegenüber deren Finanzausstattung und deren Wohnbedürfnissen vermissen."

Vor dem Abriss war auch das von dem Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod entworfene Gebäude der deutschen Botschaft in Wien nicht geschützt, aber immerhin überzeugt der nun fertiggestellte Neubau der Leipziger Architekten Schulz und Schulz Falk Jaeger in der FAZ durch "dezente Repräsentativität": "Städtebauliche Einordnung, Kubatur, Wandgliederung und Material - die Fassaden sind mit grauem Krastaler Marmor aus Kärnten verkleidet -, in allen wesentlichen Aspekten unterscheidet sich der Bau von der Nachbarschaft im Quartier. So betont er selbstbewusst seine Sonderstellung, anders als die Vertretungen von Russland, China, Iran und Großbritannien in der Nachbarschaft, die eher unauffällig in historischen Palais oder angepassten Neubauten untergebracht sind. (…) Aufgrund der Nachbarschaft der russischen Botschaft auf der anderen Straßenseite war schon während der Bauzeit die Einschränkung des Kranradius penibel zu beachten. Auch mussten technisch diverse Vorkehrungen gegen Späh- und Lauschangriffe getroffen werden. Dennoch können die östlichen Kollegen dem Botschafter ins Wohnzimmer schauen, solange der die Vorhänge offen lässt."

Weitere Artikel: Während das Stammhaus der Frankfurter Schirn saniert wird, wird die Kunsthalle in die ehemalige Dondorf-Druckerei ziehen, die eigentlich abgerissen werden sollte. Dennoch gibt es jetzt erneut Streit, weiß Isabella Caldart in der taz: Denn das Kollektiv Die Druckerei, das gegen den Abriss protestierte, ist mit der Zwischennutzung nicht einverstanden: Man plante dort einen "selbstverwalteten, unkommerziellen Begegnungsort".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2025 - Architektur

Gibt es seit 2024 nicht mehr: das Generalshotel am Flughafen Schönefeld. © Ralf Roletschek, Lizenz: GNU Free Documentation License, Version 1.2.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schlägt Alarm: Täglich werden in Deutschland Baudenkmäler zerstört oder beschädigt - oft mutwillig und unter Mitwirkung von Behörden. Schuld daran, erläutert Nikolaus Bernau, der in der FAZ das von der Stiftung vorgestellte "Schwarzbuch der Denkmalpflege" kommentiert, tragen auch unklare Zuständigkeiten, sowie die Tatsache, dass eine bundesweite Auflistung von Baudenkmälern nicht existiert. "Deswegen sei das 'Generalshotel' auf dem Flughafengelände in Schönefeld bei Berlin zerstört worden, steht in Saarbrücken das monumentale Finanzamt in Abbruchgefahr, ein vorzüglicher Bau der 1950er-Jahre. In Düsseldorf hat die Landesregierung zwar nach Protesten beschlossen, den aus Keramik gestalteten, abstrakten Außenschmuck des einstigen Audimax der Ingenieurshochschule erhalten zu lassen. Das Gebäude soll aber trotzdem abgerissen werden. Wie beides zusammengeht? Wohl gar nicht."

Passend dazu schreibt Ingeborg Ruthe in der FR über einen bizarren Denkmalstreit rund um einen Altar im Naumburger Dom, der abgerissen werden soll, um den Status des Gotteshauses als Unesco-Weltkulturerbe zu erhalten. In Schweden wird derweil eine ganze Stadt aufgrund von Eisenerzabbau um fünf Kilometer verlegt, weiß Matthias Heine in der Welt: die berühmte Kirche des Ortes bleibt erhalten und wird in einer aufwändigen Prozedur zu ihrem neuen Standort transportiert.

Der Architekt Holger Kleine unterzieht die Bibel und insbesondere die Genesis in der FAZ einer originellen und dichten Relektüre; und zwar beschreibt er sie als einen "Gründungstext der westlichen Architekturphilosophie". Er denkt dabei weniger an - freilich gleichfalls analysierte - spektakuläre Episoden wie den Turmbau zu Babel und die Jakobsleiter, sondern vor allem an die vielen Passagen, die sich mit der Errichtung von Brunnen und Altären beschäftigen: "Komplementär sind (...) die psychosozialen Funktionen von Brunnen und Altar. Der eine ist die Keimzelle des öffentlichen Raums, der andere die Keimzelle des sakralen Raums. Es ist bemerkenswert, dass sich diese Aufgaben zunächst kaum überschneiden. Der Altar ist immer nur der Ort eines Einzelnen, der Einkehr und Zwiesprache mit Gott sucht; zu Orten familiärer, kollektiver und theatralischer Rituale werden sie erst später im Exodus. Umgekehrt ist der Brunnen nur für die ägyptische Magd Hagar ein Ort der Zwiesprache mit Gott, für die Hebräer ist er primär ein sozialer Ort."