Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

3633 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 364

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2025 - Bühne

Szene aus "Richard III." Bild: Tommy Hetzel

Jakob Hayner, kürzlich noch vergrätzt über die "freundliche Mittelmäßigkeit" des aktuellen Programms im Wiener Burgtheater (unser Resümee) feiert heute in der Welt die Rückkehr von Nicolas Ofczarek, der in Wolfgang Menardis Inszenierung einen herausragenden "Richard III." gibt. Und auch die Inszenierung, die einen Roboterhund in den Mittelpunkt stellt, überzeugt durch Frische: Indem Menardi "mit dem Robotorhund die transhumanistische Zukunft in das Spiel einbrechen lässt, fragt man sich eher, ob das Unmoralische und das Böse selbst Begriffe sind, die schon in naher Zukunft keine Bedeutung mehr haben werden. (...) Das Paradox aller KI-getriebenen Erlösungsfantasien ist nur, dass die Welt, die das Böse nur noch als Ornament vergangener Zeiten kennt, selbst moralisch fragwürdig sein kann. In diesem Graubereich der Dämmerung des Maschinenzeitalters lässt Menardi seinen 'Richard III.' spielen, in dem folgerichtig der Roboterhund den letzten Auftritt hat."

Elena Wolf ist in einem von Backstage Classical übernommenen Kontext-Artikel mindestens irritiert: Ausgerechnet die Oper Stuttgart, die sie als progressiv und feministisch schätzt, besetzt die Rolle des Otello in Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper mit dem Tenor Alfred Kim, der verurteilt wurde, nachdem er im Jahr 2017 eine Frau in einem Hotelzimmer brutal zusammengeschlagen hatte: "Diese Besetzung ist so zynisch wie die mediale Verklärung tödlicher Gewalt von Männern gegen Frauen im echten Leben als 'Beziehungsdrama'. Aus rasender Eifersucht erwürgt Otello seine Geliebte Desdemona, weil er einer Intrige zum Opfer gefallen ist und fälschlicherweise glaubt, dass sie ihn betrügt." Wolf geht es erklärtermaßen nicht darum, Kim zu "canceln". Aber vielleicht hätte die Leitungsebene der Oper "mal die Frauen ... bei dieser brisanten Besetzungsfrage" miteinbeziehen können, meint sie.

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Und nochmal Othello. Esther Slevogt spricht in der nachtkritik mit der Regisseurin Isabelle Redfern, die sich geärgert hatte, dass bei der Gala zum 125. Geburtstag des Deutschen Schauspielhauses Hamburg historisches Foto- beziehungsweise Filmaterial der "Othello"-Inszenierungen von Peter Zadek aus dem Jahr 1976 sowie von Stefan Pucher aus dem Jahr 2004 gezeigt wurden - zwei Inszenierungen also, denen man heute Blackfacing vorwirft. Rassismuskritisch seien beide Inszenierungen nie gewesen, widerspricht sie Slevogt: "Sonst hätten ja schwarze Menschen mitgearbeitet, statt über sie ein Narrativ zu bauen." Derweil fragt sich Dorion Weickmann in der SZ, was sich in den letzten zehn Jahren, seit die nun scheidende Misty Copeland als erste schwarze Ballerina des American Ballett Theatres tanzte, in der Ballett-Branche für nicht-weiße Personen getan hat. Bei den 25 namhaftesten Compagnien der USA sei der PoC-Anteil in den letzten fünf Jahren von sieben auf schätzungsweise 20 Prozent gestiegen, aber vor allem in Europa gebe es noch einiges nachzuholen, liest Weickmann etwa in Osiel Gouneos 2024 erschienener Autobiografie "Black Romeo".

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel begrüßt Patrick Wildermann das neue vierköpfige Leitungsteam am Berliner Grips-Theater, das "auf Akzentverschiebungen, auf Entschleunigung und Reduktion" setzt: "Zum Beispiel wurde das Gremium, das am Grips über die meisten künstlerischen Fragen mitentscheidet, von zwölf auf acht Personen verschlankt. Und es wird in dieser Spielzeit lediglich drei Premieren geben."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2025 - Bühne

Der Bund beendet die Förderung des "Bündnis Internationaler Produktionshäuser für Darstellende Kunst", berichtet Tom Mustroph in der taz. Das ist zwar nicht existenzbedrohend, da die sieben großen Häuser (unter anderem das Berliner HAU) durch Länder und Kommunen gefördert werden - international werden sie aber "künftig kleinere Brötchen backen und damit an Relevanz und Renommee verlieren."

Besprochen werden Falk Richters neues Stück "Hannah Zabrisky tritt nicht auf" an der Berliner Schaubühne (Welt, Zeit), Evgeny Titovs Inszenierung der Strauss-Oper "Salome" an der Komischen Oper Berlin (Zeit) und Arthur Romanowskis Inszenierung von "Supermarxt" am Theaterhaus Frankfurt (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2025 - Bühne

Nach zwölf Jahren wird Shermin Langhoff in diesem Sommer das Gorki-Theater verlassen, ihre Nachfolgerin wird Çağla Ilk. "Die Party ist vorbei", seufzt Peter Laudenbach in der SZ, der eine Hymne auf Langhoff singt, die die deutsche Theaterlandschaft verändert habe, auch weil sie so viele Künstler mit migrantischem Hintergrund in ihrem Ensemble beschäftigte: "'Das Gorki', das kleinste der Berliner Staatstheater, war in den Langhoff-Jahren oft das aufregendste Theater der Stadt, und immer waren Programm und Schauspieler ziemlich unverwechselbar. Die politische Haltung war dabei mehr als deutlich, gerne auch mal bis zur Plakativität. Forderungen der AfD, dem Theater Gelder zu streichen, auch Morddrohungen von Rechtsextremen, sammelte das Gorki wie andere Bühnen Theaterpreise. Aber auch Preise und Einladungen zum Theatertreffen gab es nicht zu knapp. Langhoff dürfte auf beides gleich stolz sein, den Respekt der Theaterwelt und die Wut der Nazis: Das Gorki hat Wirkung, so oder so."

Weitere Artikel: Hundert Jahre nach der letzten Aufführung will das Harztheater in Halberstadt, das Anfang des 20. Jahrhunderts als "Klein-Bayreuth" galt, noch einmal den ganzen Ring aufführen, staunt Clemens Haustein in der FAZ. Katrin Bettina Müller besucht für die taz das neu eröffnete Junge Tanzhaus in Berlin Neukölln.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2025 - Bühne

In der NZZ freut sich Bernd Noack über einen "grandiosen, eiseskalten, wahnsinnigen" Richard III., gespielt von Nicholas Ofczarek, in Wolfgang Menardis Shakespeare-Inszenierung im Wiener Akademietheater. Besprochen wird außerdem Barrie Koskys Inszenierung des Händel-Oratoriums "Saul" an der Oper Köln (in Kooperation mit dem Glyndebourne Festival) (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.11.2025 - Bühne

"Salome". Bild: Jan Windszus Photography.


In Evgenji Titovs Inszenierung von Oscar Wildes und Richard Strauss' "Salome" an der Komischen Oper Berlin ist der für die Geschichte eigentlich so zentrale Mond eine "wenig vom Platz bewegte Kugelleuchte: massiv, geheimnislos und als Stimmungsträger ziemlich fade", seufzt Gerald Felber in der FAZ. Der Kritiker sieht eine Aufführung, "die sich den atmosphärischen Verlockungen der flirrenden und schillernden Klänge spröd verschließt und stattdessen, kammerspielartig verdichtet, weitgehend auf das Agieren und Zusammenwirken der Solisten setzt."

Frederik Hanssen ist im Tagesspiegel hingegen ganz angetan: "Rätselhaft ist dieser Abend, nichts von dem Geraune des Regisseurs, das sich im Programmheft nachlesen lässt, hilft, um die verstörenden Bilder zu entschlüsseln, die er auf die Bühne bringt. Dabei ist Titovs Personenführung brillant: Weil sie sich im Klangfluss der Partitur bewegen dürfen, weil jede Geste aus dem musikalischen Impuls entwickelt wird, können die Sänger zu Schauspielern werden, auf eine Art, wie man es selten sieht." Selten hat er die Oper "so hart und kantig, so radikal avantgardistisch, brutal, archaisch, unerhört modern für das Kompositionsjahr 1905" gehört.

Kulturkampf wird wieder klassisch, mit Demos und so, meint Simon Strauß in der Leitglosse des FAZ Feuilletons. Beispiel Magdeburg, wo ein Stück über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt 2024 auf die Bühne gebracht werden soll - was nicht allen gefällt. So "versammelten sich unlängst Menschen aus Magdeburg, darunter der Vater eines beim Anschlag getöteten Neunjährigen, und Anhänger rechtsradikaler Gruppierungen, um gegen die 'pietätlose Vermarktung' des Attentats zum 'Bühnenspektakel' zu demonstrieren. Die Leitung des soeben zum Theater des Jahres gekürten Hauses hat sich inzwischen zu Wort gemeldet und von einem 'Angriff auf einen Grundpfeiler unserer Demokratie' gesprochen. Ob jede Demonstration rechtsradikaler Gesinnungsträger gleich ein Angriff auf die Kunstfreiheit ist?" Vielleicht hätte man sein Vorhaben auch einfach etwas weniger schwammig beschreiben können, als es das Theater tat, denkt sich Strauß.

Besprochen werden das Musical "Gullivers Reisen" am Wiener Burgtheater von Nils Strunk und Lukas Schrenk (Welt), Wolfgang Menardi inszeniert Shakespeares "Richard III." am Wiener Akademietheater (FAZ, SZ), Lucy Kirkwoods "Entrückt" in einer Inszenierung von Jan Bosse am Staatstheater Wiesbaden (FR, Nachtkritik), "Hannah Zabrisky tritt nicht auf", geschrieben und inszeniert von Falk Richter an der Berliner Schaubühne (Nachtkritik, Tagesspiegel, SZ), Tolstois "Krieg und Frieden" in einer Inszenierung von Calle Fuhr am Schauspiel Köln (Nachtkritik), Mathias Spaans Inszenierung von Max Porters Roman "Trauer ist das Ding mit Federn" am Münchner Volkstheater (Nachtkritik), Sidi Larbi Cherkaouis "Bal impérial" am Grand Théâtre Genf (NZZ) und "2x241 Titel besser als Martin Kippenberger" vom Kollektiv Frankfurter Hauptschule an den Münchner Kammerspielen (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2025 - Bühne

Szene aus "2 × 241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger". Bild: Sima Dehgani

Ella Rendtorff (Zeit Online) kennt das Kollektiv Frankfurter Hauptschule für provokative (Kunst-)Performances, aber auch mit ihrem Regiedebüt "2 × 241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger" an den Münchner Kammerspielen können sie überzeugen. Es passiert zwar nicht mehr, als dass die Schauspieler sich 482 Titel der Kulturgeschichte zurufen, aber: "Das Publikum lacht bei fast jedem Titel, wenn auch leicht gehemmt. Vielleicht, weil das dichte Geflecht aus Wortwitzen und verdrehten Zitaten von Anrufungen der NS-Vergangenheit durchzogen ist: 'Auch Humor hat seine Grenzen, und zwar die Grenzen Großdeutschlands im Jahre 1942', flackert es auf der Projektionsfläche im Hintergrund. ... Gerade diese mechanische Kühle, mit der Text und Titel vorgetragen werden, lässt das Lachen im Hals stecken bleiben. Denn man erahnt, was zwischen Adorno-Anspielungen und ABBA-Lyrics bedrohlich aufscheint: Die Unaufmerksamkeit, mit der wir zulassen, dass sich Geschichte wiederholen könnte."

Auch Nachtkritikerin Silvia Stammen hat ihren Spaß, aber: "Im Ping-Pong-Geballer von verrutschten Zitaten und hyperintelligenten Bonmots verliert sich langsam, aber sicher die Orientierung, das Hirn kapituliert bei der Verfolgung aller angestoßenen Assoziationspfade, die teils projizierten Zeilen fangen an über die Balken zu kriechen, sich von ihren Bedeutungen zu lösen, einen Moment lang frei zu flottieren." Mit "wundervoller Leichtigkeit im Gemüt" verlässt Egbert Tholl in der SZ das Stück.
 
Besprochen werden die neue Cirque du Soleil-Show "Alizé" im Theater am Potsdamer Platz (Welt, Tsp, nachtkritik), das Science & Theatre-Festival "Maschinenträume" in Heilbronn (nachtkritik), Sidi Larbi Cherkaouis Choreografie "Bal impérial" nach Johann Strauss Sohn im Grand Theatre in Genf (FAZ), und "Too lonely for this world to stay the same" vom Kollektiv "neco_nart" und Camilla Fiumaras Tanzsolo in Simon Möllendorffs Choreografie "Beweis dessen, dass auch unzulängliche, ja kindische Mittel zur Rettung dienen" im Naxos Produktionshaus in Frankfurt (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2025 - Bühne

Hat das Theater ein Gewaltproblem? Das ist keine neue Frage, wie Jakob Hayner in seinem Essay bei nachtkritik selbst zugibt. Unter dem Vorzeichen aktueller Diskurse stellt sie sich aber etwas anders als vor einigen Jahren, meint Hayner, denn heute "kommen die Einschränkungstendenzen aus dem Theater selbst, angefeuert durch die Angst vor moralischen Gesichtsverlust im geschlossenen Kommunikationskreislauf der Theaterblase." Die heute oft geäußerte Kritik an der "Reproduktion von Gewaltverhältnissen" kann laut Hayner "nur ein Moment der Analyse sein, kein abschließendes Urteil. Und auch, wenn damit eher 'Reproduktion von Ideologie' gemeint ist, bleibt das Argument dasselbe. Theater bringt die Herrschaft der Ideologie über die Körper zur Erscheinung, das ist eine Form der Kritik." Es schadet in der Kunst nicht, "sich der Gewalt auszusetzen, wie Schlingensief sagte. ... Man schaut der Gewalt ins Auge und nur so kann man ihr womöglich auch entkommen." 

Weitere Artikel: Die Berliner Staatsoper wollte einen Musikmanager einstellen, der in der Burschenschaft "Franco-Bavaria" aktiv ist, berichtet Konrad Litschko in der taz, machte nach Kritik jedoch einen Rückzieher. In der FR macht sich Sylvia Staude Gedanken, wie es beim Hamburg Ballett und dem Tanztheater Pina Bausch in Wuppertal weitergehen soll, deren Intendanten mit dem großen Erbe ihrer Vorgänger zu kämpfen hatten. In der NZZ resümiert Ueli Bernays den Streit um Lies Pauwels "Jeanne-d'Arc"-Inszenierung in Basel - die Regisseurin hatte dezidiert nach "anorektischen Frauen" als Statistinnen gesucht. Im Tagesspiegel unterhält sich der Regisseur Falk Richter mit Tom Mustroph über sein neues Schaubühnen-Stück "Hannah Zabrisky tritt nicht auf".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2025 - Bühne

Das Gorki-Theater hat Oliver Frljićs Adaption von Adania Shiblis Roman "Eine Nebensache", die am Gorki-Theater heute zur Aufführung kommen sollte, kurzfristig abgesagt (unser Resümee). Jakob Hayner spekuliert in der Welt, was man von diesem Abend hätte erwarten können. Die Schauspieler Karim Daoud und Maryam Abu Khaled fielen jedenfalls in der Vergangenheit mit kaum reflektierten Positionen zu Nahost auf, meint er: "So sagte Daoud, das Theater sei eine Enttäuschung und habe die Seite der Okkupation gewählt. 'Wie kann das immer noch geschehen? Auf der Seite des Unterdrückers und auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen?' Und Khaled äußerte sich: 'An der Seite Israels zu stehen, war eure Entscheidung, aber ich kann die Respektlosigkeit und Ignoranz nicht akzeptieren, die sich darin gegenüber der anderen Seite zeigt, mein Volk und meine Familie eingeschlossen, die in konstanter Angst leben.'" Auch Regisseur Frljic hatte in einem Interview mit der Berliner Zeitung vergangenes Jahr von "institutioneller Zensur" in Deutschland gesprochen, erinnert Brug.

Eine "bittere Sache" ist das alles, kommentiert indes Rüdiger Schaper im Tagesspiegel: "Wieder trifft es Adania Shibli. Und das Gorki Theater hat es nicht geschafft, die Konfliktfragen auf die Bühne zu bringen, wo sie hingehören."

Weiteres: Nachdem der italienische Staatssekretär für Kultur, Gianmarco Mazzi, die "künstlerische Überprüfung" aller Opern- und Symphonieorchester angekündigt hatte, herrscht bei den Institutionen Angst vor rechter Einflussnahme, berichtet Karen Krüger in der FAZ. Besprochen wird Unsuk Chins Oper "Alice in Wonderland" im Theater an der Wien (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2025 - Bühne

Dem Roman
Bestellen Sie bei eichendorff21!
 "Eine Nebensache" (hier im Perlentaucher-Vorwort) der palästinensischen Autorin Adania Shibli war 2023 Antisemitismus vorgeworfen worden, es entbrannte eine Debatte (Unsere Resümees). Oliver Frljić hatte den Roman nun für das Maxim Gorki Theater adaptiert, kurz vor der Premiere wurde die Produktion mit dem Verweis auf "'Dynamiken und Differenzen' innerhalb des Casts und des Teams der Produktion" jetzt abgesagt, berichtet Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung: "Über konkretere Gründe wird durch das Theater nichts verlautet, das ist durchaus üblich und angebracht. Die beteiligten Künstler sind vor Spekulationen zu bewahren und Konflikte, die bei der Probe entstehen, sollen den Schutzraum der Probe nicht verlassen." Dennoch erinnert sich Seidler "mit großer Trauer an die Zeit, in der besagte 'Dynamiken und Differenzen'" noch zum Gegenstand einer Inszenierung werden konnten.

Besprochen werden Constantin Hochkeppels Tanzstück "In the end, I was somehow expected …" am Stadttheater Gießen (FR), Peter Konwitschnys Inszenierung der "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal am Stadttheater Bonn (FAZ) und Marion Braschs Stück "On Air On Fire" über die Geschichte des DDR-Jugendradios DT64, das das Berliner Theater an der Parkaue zu seinem 75. Jubiläum auf die Bühne bringt (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.11.2025 - Bühne

Szene aus "Les Contes d'Hoffmann" an der Staasoper Berlin. Foto: Bernd Uhlig

Tagesspiegel-Kritiker Frederik Hanssen bekommt bei der Premiere von Lydia Steiers Inszenierung der Offenbach-Oper "Les Contes d'Hoffmann" glänzende Augen. Steier bringt das Stück an der Staatsoper Berlin als "magisches Zaubertheater-Spektakel" auf die Bühne, "dessen Rahmenhandlung nicht, wie im 1881 uraufgeführten französischen Original am Berliner Gendarmenmarkt angesiedelt ist, sondern in New York. Im Vorspiel funkelt die Brooklyn Bridge in der Ferne, der Olympia-Akt spielt zur Vorweihnachtszeit in einem verschwenderisch geschmückten Kaufhaus. Schwindelerregend fantasievoll." Offenbachs "Episoden-Musiktheater über das Liebesleben und -leiden E.T.A. Hoffmanns ist schon bei der Libretto-Lektüre verwirrend, Steier fügt der Story weitere Bedeutungsebenen und Erzählstränge hinzu - trotzdem geht ihr Konzept auf: Bereitwillig lässt man sich durch dieses dreieinhalbstündige Phantasmagorie-Panoptikum treiben, weil die Regisseurin nie gegen die Musik inszeniert."

Weniger begeistert ist Jürgen Kaube in der FAZ. Es gibt ihm hier zu viele willkürliche Einfälle, "einen durchgängigen Sinn von Offenbachs Bilderfolge" zu finden, gelinge Steier nicht, "stattdessen inszeniert sie 'Hoffmanns Erzählungen' als den Kampf zwischen Engel und Teufel um die Seele des verstorbenen Dichters. Dass der Teufel im Fegefeuer nichts zu suchen hat, ficht sie dabei so wenig an wie die Tatsache, dass Hoffmann gar nicht nach Läuterung strebt. Ach, Religion, da muss man es nicht so genau nehmen. Einen Streit um die Dichterseele sieht man überdies nicht, er bleibt bloße Behauptung. Die Muse ist kein Engel. Engel, die den Alkohol loben, sind eh selten."

Weiteres: Das Dresdner Fast-Forward-Festival für junge europäische Regie wird nächstes Jahr wegen Sparmaßnahmen nicht mehr stattfinden, berichtet Michael Bartsch in der taz. Besprochen werden Peter Konwitschnys Inszenierung der Strauss-Oper "Die Frau ohne Schatten" an der Oper Bonn (FR), Karin Henkels Adaption von Ágota Kristófs "Das große Heft" am Schauspielhaus Hamburg (SZ) und zwei Inszenierungen von Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel", einmal am Opernhaus Zürich (Thom Luz), einmal an den Bühnen Bern (Raimund Orfeo Voigt) (NZZ).