Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2021 - Design

Sabine von Fischer spricht für die NZZ mit Daniel Grieder, der als Geschäftsführer von Tommy Hilfiger zu Hugo Boss gewechselt ist und die zuletzt stagnierende Marke re-aktivieren, verjüngen, dem Casual-Segment zuführen und auch für Frauen attraktiv machen will. Dafür setzt er auf Stretch und Nachhaltigkeit: "Ich trage casual, aber es sieht immer noch gut und gepflegt aus. Im Büro trage ich dann eher Anzug, aber mit Sneakers. Wenn Sie meinen Anzug heute anschauen, er sieht aus wie ein Anzug, nicht? Aber schauen Sie (er zieht am Stoff, der sich in etwa dreifache Länge dehnen lässt): total bequem, luftdurchlässig, knitterfrei, wasserabweisend - das ist der Anzug der Zukunft. Wir benutzen Stoffe aus der Sportbranche, deshalb können Sie mit diesem Anzug auch Rad fahren, bergsteigen, wandern, sogar schlafen. Darin können Sie alles machen, das ist der Anzug der Zukunft." Doch "wenn wir für den Planeten etwas Gutes tun wollen, brauchen wir eine Alternative zu Polyester. Das könnten Algen oder Pilze sein, jede Art von organischen Stoffen, an solchen Lösungen forschen wir."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2021 - Design

Bei Sotheby's stehen weite Teile von Karl Lagerfelds Nachlass auf dem Programm - ein Angebot, durch das sich Jürg Zbinden für die NZZ mit großer Freude blättert: "Lagerfelds Geschmack war so schwer zu fassen wie hochflüchtiges Quecksilber. Er fand Gefallen an allem Möglichen und Unmöglichen, an zukunftsweisendem Design, an Antiquitäten." Künftig wohl Abstriche machen muss allerdings wohl Choupette, Karl Lagerfelds Katze: "Dass in der Auktion nun auch das einer Odaliske würdige Ruhekissen mit dem aufgestickten Spruch 'Ici, c'est la place de Choupette' zu barer Münze gemacht wird, ist nicht der Ex-Haushaltshilfe anzulasten. Schuld ist die Nüchternheit des hinter den Sotheby's-Auktionen stehenden Nachlassverwalters. Wer einmal aus dem Blechnapf frisst, gewöhnt sich daran." Droht dem schönen Tier etwa die Altersverwahrlosung? Choupettes Instagram-Account gibt Katzenfreunden Entwarnung.
Stichwörter: Lagerfeld, Karl, Instagram

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2021 - Design

Im ZeitMagazin schreibt Maria Hunstig einen Nachruf auf den Modedesigner Virgil Abloh (weitere Nachrufe bereits hier und dort).
Stichwörter: Modedesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2021 - Design

Mit dem Modedesigner Virgil Abloh ist "einer der einflussreichsten Kreativen seiner Zeit" gestorben, schreibt Adriano Sack in der Welt. Er war der erste Afroamerikaner an der Spitze von Louis Vuitton, war zugleich in der Popkultur zuhause, arbeitete eng mit Kanye West zusammen. Und er hat "die Welt verändert. ... Historisch waren die Mode, der Luxus, der Glamour fest in der Hand von reichen, weißen Menschen. Alle anderen waren Zuschauer oder Dekoration. An diesem Machtverhältnis wurde kräftig gerüttelt, und es scheint unwiederbringlich vorbei. Virgil Abloh war einer der wichtigsten, sichtbarsten und meistdiskutierten Akteure bei diesem Prozess." Sein Stil war die "Kulturtechnik des Allesverwertens", so "zeichnete ihn sein ungeheurer kultureller Appetit aus, mit dem er sich Popkultur und Hochkultur einverleibte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2021 - Design

Sehr verärgert über die von Claudia Schiffer kuratierte Ausstellung "Captivate" im Kunstpalast Düsseldorf zur Modefotografie der Neunziger greift Patrick Bahners (FAZ) in seinen kunstgeschichtlichen Handapparat, um anhand eines detaillierten kunsthistorischen Exkurses die Bilddeutung zu liefern, die das Museum Düsseldorf, offenbar geblendet vom großen Namen, versäumt hat. Das Haus "stellt überhaupt keine Kontexte bereit, jenseits der werbezweckgemäß stilisierten Informationen, die schon bei der Publikation der Aufnahmen vor drei Jahrzehnten verbreitet wurden. ... Die Ausstellung reproduziert den Mythos des Supermodels als der schlechthin modernen Frau, die sich durch Herrschaft über ihr Image emanzipiert habe, und beglaubigt ihn institutionell. Die auf fachliche Assistenz nicht angewiesene Kuratorin behält die Kontrolle: Was über Claudia und ihre Freundinnen zu sagen ist, lassen wir Claudias Sorge sein. Der kunsthistorische Vergleich ist die altmodischste Hilfestellung, die das Museum den Besuchern und der Sammlerin hätte anbieten können. Bildkritik und Institutionskritik sind heute Standardtechniken der Museumsarbeit. In diesem Fall hat es das Museum vorgezogen, die Sprache der ausgestellten Bilder und der Branche, die sie produziert, penibel zu kopieren."

Spiegel und FAZ melden den Tod des Modedesigners Virgil Abloh, der mit gerade einmal 41 Jahren an Krebs gestorben ist. In der NZZ schreibt Sabine von Fischer einen Nachruf: "Er vermählte bei LVMH Streetwear mit High-End-Mode, indem er Sneakers und Tarnhosen mit maßgeschneiderten Anzügen und Abendkleidern mischte. Beeinflusst wurde er durch Graffiti-Kunst, Hip-Hop und die Skateboard-Kultur. ... Im Pariser Louvre wollte er da Vincis Mona Lisa den Millennials näherbringen, am Vitra-Campus außerhalb von Basel die Möbelentwürfe von Jean Prouvé. Ohne Berührungsängste adaptierte er Ikonen aus Kunst und Design zu neuen Kompositionen."

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2021 - Design

Eine Ausstellung in Stockholm zeichnet den internationalen Siegeszug des skandinavischen Designs nach, der vor allem über den Umweg über die USA an Fahrt aufnahm, berichtet Thomas Steinfeld in der SZ. Denn "diese gemäßigte Form der Moderne gehört zu einer Geschichte der politischen Repräsentation. Und zwar nicht nur weil sich das 'Office of War Information', eine im Zweiten Weltkrieg betriebene Propagandaagentur der Vereinigten Staaten, für die Verbreitung des nordischen Stils einsetzte. Die Organisation ging später in der CIA auf. ... John F. Kennedy und Richard Nixon saßen im September 1960 auf dänischen Stühlen, als die Kandidaten für das Amt des amerikanischen Präsidenten zum ersten Mal im Fernsehen gegeneinander stritten. Sie taten es nicht nur weil Kennedy unter Rückenschmerzen litt oder weil Waren aus den nordischen Ländern als politisch unbelastet gelten durften. In den Sitzgelegenheiten spiegelte sich vielmehr der Geist eines gesellschaftlichen Aufbruchs, in dem die Geschichte einem neuen Sinn entgegenzugehen schien: demokratisch, effizient, naturverbunden und dem Neobarock des Stalinismus unmittelbar entgegengesetzt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2021 - Design

Der Minirock hat ein Comeback, stellt Gabrielle Boller in der NZZ fest und deutet das als gutes Omen, denn einer in den 1920ern aufgestellten These des Ökonomen George W. Taylor zufolge, "soll am Hochrutschen der Rocksäume sogar eine florierende Wirtschaftslage abzulesen sein". Doch "man muss kein Börsenorakel befragen, um eine Wechselwirkung von Minijupes und Hochstimmung zu finden, das leistet Mode als feiner Seismograf des Zeitgeschehens auch so". Denn "womit könnte man die erhoffte Freiheit nach der Seuchenplage besser feiern als mit dem Mini, der den Zeitgeist der sechziger Jahre geradezu inhaliert hat? So zeigt sich der kurze Rock in Retrolaune, als unverkennbare Reminiszenz an sorglosere Zeiten - nun kann es nur besser werden! Zumindest wünschen kann man sich das, doch vom Zukunftsoptimismus der Sechziger sind wir, in Dystopien gefangen, meilenweit entfernt."
Stichwörter: Mode, Minirock, Dystopien, Dystopie

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2021 - Design

Ein Entwurf von Schiaparelli 1952. Foto: Courtesy Philadelphia Museum of Art


Die Marke Schiaparelli feiert in den letzten Jahren einen bemerkenswertes Comeback, freut sich Jürg Zbinden und erzählt (von der NZZ online nachgereicht) die Geschichte von Gründerin Elsa Schiaparelli. "Unter dem Eindruck von Charles Lindberghs Atlantikflug entwirft sie Fliegerkostüme, dann Sportkostüme, Golfkostüme, Ski- und Tennisbekleidung und schließlich ihr erstes Abendkleid. Es verursacht eine Sensation - ein schlichtes bodenlanges, schwarzes Etuikleid aus Crêpe de Chine, darüber eine weiße Jacke, ebenfalls aus Crêpe de Chine, mit langen Schärpen, die sich hinten kreuzen und vorn geschlossen werden. Ein Abendkleid mit Jacke hat die Welt noch nie gesehen - es wird das erfolgreichste Kleid ihrer Karriere überhaupt und wird weltweit kopiert. Gewöhnliche Hausschürzen inspirieren sie zu Wickelkleidern, 'wrap dresses', die 1974 eine Diane von Fürstenberg fürs schmalere Budget perfektioniert. Das Wickelkleid ist längst ein Klassiker, so wie das kleine Schwarze von Chanel."
Stichwörter: Schiaparelli, Elsa, Chanel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2021 - Design

Statt darüber zu klagen, dass in ihrer Zeit zwar wahrgenommene und berühmte Designerinnen irgendwann doch in Vergessenheit geraten, sollte man ihre Arbeiten lieber zeigen, zeigen, zeigen, lautet Sabine von Fischers Fazit nach dem Besuch der Ausstellung "Here We Are" im Vitra Design Museum (mehr zu dieser Ausstellung bereits hier und dort), die sich genau um die Frage dreht: Warum werden Arbeiten von Frauen von nachfolgenden Generationen so selten ausgestellt? "Ein Satz der Kuratorin Susanne Graner, fast beiläufig während des Gangs durch die Ausstellung fallengelassen, ist besonders bemerkenswert: 'Beim Vorbereiten ist uns einmal mehr bewusst geworden, wie viele Entwürfe von Designerinnen in unserer Sammlung bereits vorhanden waren.' Als Leiterin der Sammlung des Vitra Design Museum mit gut 7000 Möbeln kennt Susanne Graner die Bestände seit elf Jahren sehr genau. Und allen Vorurteilen zum Trotz, dass es vielleicht nicht genügend Frauenarbeiten gebe, konnte auch die derzeitige Schau mit Werken von gut 80 Designerinnen zum größten Teil aus dem eigenen Archiv bespielt werden."

Außerdem ärgert sich Carolina Schwarz in der taz über Wolfgang Joop, der im Spiegel den Zeiten hinterher trauert, als Frauen in der Modebranche mehr oder weniger zwangsprostituiert wurden: Die Branche habe trotz ihrer MeToo-Momente "ihre strukturellen Probleme nicht aufgearbeitet", schreibt dazu Schwarz. In der SZ bespricht Peter Richter die Ausstellung "Architecture of Speed - Paul Jaray and the Necessity of Shape" in Venedig (mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.11.2021 - Design

Entwurfsskizze Paul Jarays für geschlossenen Renn- oder Rekordwagen der Auto-Union, publiziert in ATZ, Atomobiltechnische Zeitschrift, Heft 5, 1935


Die im Arsenale Institute in Venedig gezeigte Ausstellung "Architecture of Speed" ruft den Designer Paul Jaray in Erinnerung, den die Nazis als Juden einigermaßen gründlich aus der Geschichte gestrichen haben, berichtet Niklas Maak in der FAS. Dass sie ihre stromlinienförmigen Autos einem jüdischen Erfinder verdankten, konnten sie einfach nicht hinnehmen. "Jaray hatte eine zwingende, mathematisch perfekte Form erfunden, eine optimierte Spindel, ein Ding, das nicht wie ein Werk der Technik, sondern wie ein Werk der Natur aussah. Was nicht hieß, dass diese neue Schönheit nicht ordentlich mit den alten Sehgewohnheiten kollidierte. Als schnell galt damals, wenn einer hinter einem endlos langen Motor saß. ... Es ist eine zynische Volte der Geschichte, dass ausgerechnet die Nationalsozialisten Jarays Genie früh erkannten, für ihre Zwecke ausnutzten - um ihm dann seine Patente zu stehlen." Auf Nero Editions erklärt der Kurator Wolfgang Scheppe sein Ausstellungskonzept.

Außerdem berichtet Sabine von Fischer in der NZZ von der Zürcher Designmesse Blickfang.