In der FAZ porträtiert Niklas Maak den Designer und Unternehmer RafaelHorzon, der zwar vieles macht, was man aus der Ferne betrachtet mit Kunst oder Kunst-Pranks verwechseln könnte, nur dass er - so hat er es per Anwalt gegenüber Wikipedia durchgesetzt - nicht als Künstler bezeichnet werden darf. In Berlin hat er vor nicht allzu langer Zeit das Deutsche Design Museum gegründet und dabei fürs Erste nur sich selbst ausgestellt, ähnlich wie er zuvor die Wissenschaftsakademie Berlin gegründet hat, die im Wissenschaftsbetrieb für Irritationen sorgte, dann aber doch zum Hot Spot des Kuratorwesens avancierte. "Das ist das Interessante an der Methode Horzon: Ein Laden, ein Projekt, eine Institution wirkt zunächst wie eine Dada-Persiflage - und wird dann zu einer Realität oder einer 'NeuenWirklichkeit'. ... Das Deutsche Design Museum ist ein ähnlicher Fall: Gestartet als Ort, um sich selbst eine Retrospektive einzurichten, wird das Museum gerade zu einer ernst zu nehmenden Adresse für die Auseinandersetzung mit der Frage, was 'Design' ist, kann und soll. "
La comtesse Greffulhe dans sa robe fleur-de-lys par Nadar - 1896
Der glückliche Peter Kropmanns durfte für die FAZ "zwei umfangreiche, ja prachtvolle Pariser Ausstellungen" zu den Couturiers Charles Frederick Worth und Paul Poiret besuchen: Worth findet man im Petit Palais (hier findet man mehr Fotos zur Ausstellung), Poiret im Musée des arts décoratifs. Wobei Poiret das Wort "Couturier" gar nicht gefiel: "Hoch angerechnet wird ihm, dass er die Frauen vom Korsett befreite und mit der Höhe der Taille spielte. Seine Passion galt eng anliegenden, bis zu den Füßen reichenden Kleidern mit klaren, die Vertikale betonenden Schnitten." Er arbeitete oft mit Künstlern zusammen, "besonders mit Raoul Dufy oder Marie Vassilieff. Zu den prominentesten Kundinnen des gebürtigen Parisers gehörte die amerikanische Sammlerin Peggy Guggenheim. Poiret wandte sich auch der Innendekoration zu, von Aktivitäten als Maler oder Schriftsteller ganz zu schweigen: 'Ich bin Künstler, nicht ein Couturier', ließ er wissen. Inspiration vermittelten ihm das russische Ballett sowie Reisen etwa in den Maghreb."
Abendrobe aus Seide von Paul Poiret
Außerdem: Grit Thönnissen unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Designer Jeremy Scott, der die Bühnenkostüme für die neue Show "Blinded by Delight" im Friedrichstadt-Palast entworfen hat.
Rico Puhlmann, T-Shirts aus Baumwollstrick von Elaine Post Ltd. und Knitquake, 1971 (Rico Puhlmann Archive / Museum für Fotografie Berlin) Brigitte Werneburg empfiehlt in der taz eine Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie der historischen Modefotografien von RicoPuhlmann. Indem dieser "die Trends des Street Styles wie Plateauschuhe, Kniestrümpfe oder riesige Goldkreolen sehr genau beobachtete, lieferte er einen direkten, unverstellten Blick auf die Jugendkultur, wie ihn die damalige Modepresse nicht kannte. Ihm war auch der modische Einfluss von New Hollywood mit Filmen wie 'Chinatown', 'The Clou' oder 'The Great Gatsby' vor allem auf junge Männer bewusst. Als echter Mode-Aficionado selbst Teil der Pop- und Subkultur konnte er ab 1980 mit seinem Engagement bei GQ an der Seite von Bruce Weber das Bild eines neuen, modernenMannes entwerfen, der natürlich längst schon in den Straßen der internationalen Metropolen unterwegs war. Dank seines sportlich gestählten Körpers konnte der neue Mann Kleidung lässig tragen. Weiche, fließende Stoffe waren kein Tabu mehr. Ja, er durfte es sich selbst bequem machen, wie Puhlmanns Aufnahme von zwei regelrecht hingebetteten Männermodels 1982 in GQ zeigt."
Jürgen Kesting schreibt in der FAZ zum Tod des Designers PeterSchmidt, der seit den Siebzigern einen Kampf führte "gegen die alltägliche Hässlichkeit. Gegen Formlosigkeit. Gegen Gleichgültigkeit." Und damit erfolgreich wurde: Er gestaltete "Flakons für Jil Sander, für Laura Biagiotti, für Davidoff, Verpackungen für Kaffee und Schokolade, Logos für Konzerne oder seine Wahlheimat, Signaturen für Porzellan oder die neue Form einer Weinflasche, das Entree eines Theaters, das Logo eines Orchesters oder einer Stadt." Doch "es gab ein Lob, in dem für ihn mehr Zudringlichkeit steckte als im Tadel: wenn er 'Verpackungskünstler' gerühmt wurde. Ebenso ungern wollte er Designer genannt werden. Designerkleider, Designerbrillen - sie galten ihm als Werbefloskeln. Weil er wusste, was eine Ikone ist, fand er es absurd, wenn das Wort für einen Flakon verwendet wurde. Die Vorstellung, das Ansehen einer Person oder der Ruf eines Unternehmens könne durch 'zeitgemäßes Design' überschminkt werden, bezeichnete er als 'absurd, so ist das Leben nicht'.
Zwar ist sie 1999 nach Berlin gezogen, doch im Herzen ist Johanna Adorján immer Müncherin geblieben, schreibt sie in der SZ. Doch jetzt erkennt sie bei Besuchen ihre einst für Coolness und Lässigkeit stehende Heimatstadt fast nicht mehr wieder. Denn die Münchner haben die Bayern in sich entdeckt: "Inzwischen kann man um den Marienplatz herum nirgends mehr hingucken, ohne nicht in einem Schaufenster ein Dirndl zu sehen", zu beobachten ist im ganzen Stadtgebiet "eine ganzjährigeTrachtenmodengeschäftsplage" ... Man kann nicht U-Bahn fahren ohne Menschen, oft junge, Hand in Hand, in Tracht am Bahnsteig stehen zu sehen. Warum? Aus Sicht eines Nicht-Ortsansässigen sehen Menschen in Tracht nicht gut aus in sonst banal großstädtischer Umgebung." Dabei ist "München, Oberbayern, Bayern einfach mit das Schönste, was es gibt auf der Welt. Mit den Seen und den Bergen und nicht nur der Nähe zu Italien, sondern mehr noch der Entfernung zu Preußen. Aber die Volkstracht manifestiert ein ultra-tradiertes Geschlechterbild: Mannsbild und Weibsbild. Dazwischen nichts. Und in den Trachtenmodeläden, in die ich aus Recherchegründen guckte, hing weit und breit nichts, das mit den Geschlechterbildern gespielt hätte. Überall dieselbe binäre Garnitur."
Außerdem schreibt Miriam Amro auf Zeit Online einen Nachruf auf den Flakon-Designer PeterSchmidt.
FAZ-Kritikerin Petra Ahne ist nach dem Besuch der Ausstellung "Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne" im Jüdischen Museum Berlin sehr beeindruckt von dem Durchsetzungswillen der hier präsentierten Frauen, die sich gegen alle Widerstände - ob nun durch patriarchale Betonköpfigkeit oder den Irrsinn der Nazis - nicht beirren ließen. FranziskaBruck etwa, die "mit reduzierten Arrangements aus dem Blumenbinden eine Kunst machte und neben Kunden wie Max Reinhardt und Rainer Maria Rilke bald eine eigene Schule für Blumenschmuck hatte". Oder "MargareteHeymann-Loebenstein, die mit der Frauenfeindlichkeit am Bauhaus Bekanntschaft machte. ... Sie brach das Studium ab und bewies ihre Eignung auf ihre Weise. Geschirr, Vasen und Gebrauchsgegenstände der Marke Haël, die sie mit ihrem Ehemann gründete, fanden sich bald in jedem trendbewusstenHaushalt, der den schwülstigen Stil des Wilhelminismus endgültig hinter sich lassen wollte. Die mit knalligen Glasuren kombinierten klaren Formen machen Objekte wie die feuerrote Wanduhr, die in der Ausstellung zu sehen ist, auch hundert Jahre später unübertroffenmodern."
In "Bilder und Zeiten" der FAZ gratuliert Peter-Philipp Schmitt der Neuen Sammlung in München zum 100-jährigen Bestehen. Diese "war schon ein Designmuseum, als es den Begriff noch gar nicht gab. Sie ist somit auch älter als alle vergleichbaren Institutionen. Ursprünglich war sie ein Gegenentwurf zu alldem, was um die Jahrhundertwende als altbacken und überkommen angesehen wurde. ... Zum Jubiläum hat die Neue Sammlung 100 Objekte aus 100 Jahren zusammengetragen. Die Ausstellung im Stammhaus in München zeigt den Reichtum und die Vielfalt des Bestandes. Und sie zollt auch jenen Respekt, die lange nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekamen, weil sie als Frauen fast immer im Schatten berühmterer Männer standen. GuntaStölzl etwa, die schon 1925 Werkmeisterin am Bauhaus in Dessau war, sie war sogar die erste Bauhaus-Meisterin. Trotzdem fand sie damals kaum und erst nach ihrem Tod wirklich Beachtung. ... Dabei leitete Stölzl mit der Weberei eine der erfolgreichsten und produktivsten Werkstätten am Bauhaus."
Weiteres: Adefunmi Olanigan fragt sich in der taz, wie ein von Anfang bis Ende nachhaltiger Produktionsprozess einer Jeans aussehen könnte.
Beate Scheder, Ulrich Gutmair und Hilka Dirks werfen in der taz Schlaglichter auf die Berliner FashionWeek. "Der größte Konsens der Fashion-Week: Die Neunziger sind zurück", stellt Dirks dabei fest. "Ja, immer noch und nein, ohne gebrochene Pointe. Am konsequentesten zelebriert vom Genre-Grenzgänger Harry Nuriev mit seiner Edelstahl-CD-Installation im 032c red cube auf der Kantstraße. Bis Dienstag können sich Besucher in vom Künstler kuratierte Alben reinhören. Die werden nicht auf Kopfhörern, sondern im Laden gespielt: von Jeff Mills über Mark Ernestus' Ndagga Rhythm Force bis PJ Harvey kann sich bedient werden an allem, was ein bei WOM sozialisiertes Herz nur so höher schlagen lassen könnte. Passend dazu launchten 032c und Nuriev eine Capsule-Collection in Kollaboration mit Telekom Elektronic Beats. Ist das Kunst, Design, Mode, Merch oder nur Content? Wir wissen es auch nicht. Was fest steht: Anachronismus war nie so cool."
welt pdf: Für Jürgen Mayer H. ist alles Architektur - vom Hocker bis zum Hochhaus. Seine Entwürfe schlagen den Bogen von Star Trek zu Ketamin. Darunter: Deutschlands teuerste Immobilie.
Aus der Berliner Fashion Week ist die Luft auch irgendwie raus, findet Grit Thönnissen im Tagesspiegel: "Wahr ist, dass die Stadt sicher kein Modefieber mehr packt." Und bei der Veranstaltung selbst herrscht eher aufgekratzte Stimmung, hinzu kommen Parolen, die die Modewelt dazu aufrufen, sich den ökologisch zweifelhaften Verlockungen von FastFashion nicht zu ergeben. "Damit schlagen sich die Designenden also heute herum. Um überhaupt noch neue Kleidung entwerfen zu können, muss man schon das Gefühl haben, damit ein bisschen die Welt zu retten."
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