Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.05.2019 - Design


Christian Diors Nachmitagskleid, 1955 Haute Couture Collection ( Foto Laziz Hamani) und Mary Quants Minidress mit Peter-Pan-Kragen, 1966. Beide: Victoria and Albert Museum, London.

In den Mode-Ausstellungen des Victora and Albert Museum kann taz-Kritikerin Tania Martini zwar auch Christian Diors New Look etwas abgewinnen, das Träumerische etwa oder den Einspruch gegen das Funktionale. Doch spannender findet sie natürlich die Schau zu Mary Quant, die in den Swinging Sixties von London den Minirock durchsetzte und Mode machen wollte für die "Working class, not the few in Paris": "Quant war revolutionär, aber nicht Avantgarde. Quant ist normal life, ist everyday life. Ihre Kleidung sollte Ausdruck individueller wie auch gesellschaftlicher Mobilität sein. In den Stoffen kehren die Streifen der Metzgerskleidung wieder, in den Schnitten die Arbeitsschürzen, die Kleider tragen Namen wie 'Bank of England' (1962), was nicht nur ironisch, sondern auch politisch gemeint ist: Anfang der 1960er konnten Frauen ohne die Erlaubnis ihres Mannes kein Konto eröffnen. Wie überhaupt die Kleiderordnungen noch nicht ganz der Vergangenheit angehörten: Bis in die 1960er Jahre gab es etwa in den USA ein Gesetz, das Frauen vorschrieb, mindestens drei deutlich weibliche Kleidungsstücke zu tragen. Die quantsche Mischung aus Schulmädchen und Tomboy, der bereits androgyn anmutende Look mit symmetrischem Bubikopf, den niemand besser verkörperte als das Model Twiggy, gab dem Aufbruch der Frauen einen Stil und schob ihn gleichzeitig mit an."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.05.2019 - Design

Die internationalen Laufstege entdecken die Dunkelheit wieder, schreibt Tillmann Prüfer im ZeitMagazin: " Bei Christian Dior sehen wir schwarze Looks in Mesh-Optik, bei Prada viel schwarzen Chiffon, schwarze Ledermäntel und Paillettenkleider. Ein bisschen sehen diese Aufmachungen aus, als kämen die Models von einer Gothic-Party der späten Achtzigerjahre. Und das sind nur die Sommerkollektionen, im Herbst wird es richtig düster."
Stichwörter: Mode, Gothic, Dior, Christian, Model, Prada, Dior

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.04.2019 - Design

Die schnörkellos-schlichte Helvetica ist ein Klassiker der Typografie, als solcher aber auch schon ein wenig in die Jahre gekommen: 36 Jahre nach ihrem letzten Update gibt es mit "Helvetica Now" nun eine auf die Anforderungen des Digital-Zeitalters zugeschnittene neue Version, die auch bei wenigen Pixeln Darstellungsgröße noch Lesbarkeit verspricht. Für ZeitOnline haben Christoph Rauscher und Rabea Weihser sehr ausführlich mit Hendrik Weber und Alexander Roth von Monotype gesprochen, die an der Gestaltung der neuen Helvetiva beteiligt waren. Insbesondere das für den Laien zunächst reizlos wirkende "O" entpuppt sich als guter Ausgangspunkt für Typengestaltung, erfahren wir dabei: "Es geht zum Beispiel um das Höhenverhältnis des kleinen zum großen O. Und um die Breite. Und um die Kurvenspannung, also wie eng und schnell die Rundungen sind", erklärt Alexander Roth. "Es gibt zum Beispiel Schriftarten, in denen das o aussieht, als würde es vornüber fallen. Das macht man auch gern bei geraden Zeichen wie dem kleinen l oder a: Man kippt sie um einen Winkel von 1° in die Leserichtung, und es ist verrückt, was das ausmacht. Es fördert wirklich den Lesefluss."

Thomas Steinfeld geht derweil in Sachen Typografie auf quasi-archäologische Erkundungen im vor-digitalen Feld: In der SZ schwärmt er vom Typografie-Museum Tipoteca im italienischen Cornuda. Staunend steht er vor "großen Mengen von Gusseisen, die daran erinnern, dass Setzen und Drucken bis vor nicht allzu langer Zeit im hohen Maße ortsgebundene Tätigkeiten waren: Arbeiten mit einem schweren, widerständigen Material. ... Vor allem aber zeugt die Ausstellung von einer Umgebung - oder will man sagen: Kultur? - in der die Frage, in welcher Form man seine Behauptungen und Gedanken schriftlich niederlegt, noch immer von alltäglicher, aber nicht geringer Bedeutung ist."

Besprochen wird eine der Möbeldesignerin Mary Quant gewidmete Ausstellung im Victoria & Albert in London (NZZ).
Stichwörter: Helvetica, Typografie, Quant, Mary

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2019 - Design

Partyberlin trägt Trauer: Der Modeblogger und Party-Impresario Carl Jakob Haupt ist im Alter von gerade einmal 34 Jahren einem Krebsleiden erlegen. "Beide Jobs, den Fashion-Blogger und den Partykönig, konnte Haupt nie ganz ernst nehmen, sonst hätte er sie nicht so grandios neuartig und oft wunderbar ironisch interpretiert", schreibt Moritz Uslar im Nachruf auf ZeitOnline. "'Mode ist vollkommen uninteressant', bekannte Haupt einmal. Die Blogs von Dandy Diary, in denen Haupt und David Roth dadaistische Aktionen starteten, die großen Marken von Adidas bis Balenciaga verspotteten und sich mit den Modehäusern von Paris und Mailand anlegten (anstatt wie sonst in der Branche üblich kleine Gefälligkeitstexte zu schreiben), gingen weit über Schönheit und Konsum hinaus - sie waren Konzeptjournalismus, Gesellschaftskritik, politische Aktionen in bester Agitprop-Manier."

Wehmütig erinnert sich Peter Richter in der SZ an die von Haupt und Roth veranstalteten Partys: Aus Berlin waren die beiden nicht wegzudenken, dennoch waren sie nahbar, auf dem Boden geblieben: "Die beiden wirkten, je länger der Abend dauerte, immer mehr wie Demokrit und Heraklit, der lachende und der eher traurige Philosoph. Denn der Zustand der Welt, der Künste, Berlins, New Yorks, und am Ende auch der Mode: Das waren alles Dinge, die man so oder so sehen konnte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2019 - Design

Für den Freitag hat Romy Straßburg die französische Modejournalistin Sophie Fontanel besucht, die sich vor einigen Jahren entschlossen hat, ihre grauen Haare nicht mehr zu färben: Auf Instagram hat sie mit diesem "going gray" ein großes Publikum gefunden. Auch ansonsten zeigt sich Fontanel auf sympathisch gelassene Weise souverän: Journalistin wollte sie werden, weil sie eine Arbeit wollte, "bei der ich frei über meine Zeit verfügen kann. Wissen Sie, Leute lieben es, zur Arbeit zu gehen. Sie mögen das morgendliche Gefühl, sich nützlich zu fühlen, einen Kaffee mit den Kollegen zu trinken, dann einen zweiten, und dann darüber zu diskutieren, wo man Mittag essen geht. Ich habe das gehasst. Ich stehe manchmal um sechs Uhr auf, um zu arbeiten, und dann lege ich mich bis mittags wieder hin. Selbst für Elle habe ich von zu Hause aus gearbeitet. Ich wollte nie Teil einer Redaktion sein."

Kleider kaufen verbinden viele mit Lust. Es kann aber auch ein Anlass zur Tristesse sein, schreibt Andrea Köhler in der NZZ: "Kleider kaufen ist auch ein Entwurf in die Zukunft. Häufig erstehen wir ein Stück nicht für die Gegenwart, sondern für 'die besondere Gelegenheit', für die wärmere Jahreszeit oder ein unbestimmtes 'Danach'. Was aber, wenn das Morgen nicht stattfindet wie geplant, wenn eine Hochzeit etwa ins Wasser fällt und die ungetragenen Kleider im Schrank zum Stachel im Fleisch der Erinnerung werden?"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.04.2019 - Design


Zwei Kleider aus der Haute-Couture-Kollektion Sommer 2019 von Dior (alle Bilder hier)

Maria Grazia Chiuri, die Chefdesignerin von Dior, spricht im Interview mit Margit J. Mayer (Weltkunst) über ihre neue Couture-Kollektion, die stark von Picassos Bühnenprospect für das Ballett "Parade" inspiriert ist und ihren Kindheitserinnerungen an den Zirkus. Außerdem geht's um die neuen Handtaschen, 4.000 bis 16.000 teure Editionen, die von Künstlern wie Lee Bul, Mickalene Thomas und Olga de Amaral entworfen wurden. Und wo ein Designer heute in dieser Mischung aus Kunst, Design und Markt steht. Das ist nicht einfach in einem Haus wie Dior, mit dem so viele Menschen die unterschiedlichsten Erinnerungen - an Dior, an Galliano, an Slimane - verbinden, meint sie. "Es hängt von deinem Alter ab, was 'Dior' für dich bedeutet. Als Designer muss man da ehrlich zu sich selbst sein: Du kannst nicht einfach nur deinen eigenen Standpunkt verkaufen. Vielmehr geht es darum, aus deiner Perspektive heraus mit all den Referenzen zu arbeiten. In dem Punkt habe ich eine Menge von David Chipperfield gelernt, mit dem ich seit seinen Valentino-Stores befreundet bin. Sein Neues Museum in Berlin hat mich schwer beeindruckt, weil er die Epochen vor ihm sichtbar machte, die Geschichte dieses Museums. Er suchte nach der Verbindung zwischen Gestern und Heute. Dennoch ist es ein modernes Museum, unverkennbar von jetzt. Das ist es auch, was ich in meiner Arbeit anstrebe."

Und hier eine Reprise der Zusammenarbeit von Picasso, Cocteau, Satie und dem Ballets Russes, aufgeführt von der Europa Danse Company:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.04.2019 - Design

Osterglocken im Schlossgarten. Foto © BUGA Heilbronn 2019 GmbH


Blüten, Blüten, Blüten so weit das Auge reicht: Mit reichlich Blumenkoller kommt SZ-Kritikerin Laura Weißmüller von der Bundesgartenschau in Heilbronn zurück, wo bis auf wenige Ausnahmen vor allem, eben, Blumen und Blüten zu sehen sind. Aber: "Wirklich spektakulär im Sinne von visionär ist das nicht. So schön die Blütenpracht auch sein mag (...), so wenig hilft sie uns bei der drängenden Frage, wie es denn bitte weitergehen kann mit dieser Welt" im Zeichen des Artenschwunds und Klimawandels. Umso beeindruckender findet sie die Kieselflächen des Landschaftsarchitekten A.W. Faust, der "mit seinem Berliner Büro SINAI das Grünkonzept der Bundesgartenschau aufgrund eines städtebaulichen Masterplans entwickelt hat. Er trennt klar zwischen dem, was in den nächsten sechs Monaten eher einem floralen Budenzauber gleichkommt, und dem, was bleibt: ein neues Stadtquartier, der Neckarbogen, über das noch zu sprechen sein wird, und der Versuch zu zeigen, welche Rolle die Landschaft für die Zukunft der Städte spielen kann. 'Wir müssen mehr Natur in die Städte bringen', sagt Faust. Und mit Natur meint er die echte. Ohne Blumenzwiebel und Gartenschere, dafür mit der Möglichkeit, sich frei zu entwickeln."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.04.2019 - Design

Das Möbeldesign verabschiedet sich vom funktionalien Minimalismus - es wird wieder geprotzt und exzessive Retro-Nostalgie bedient, lautet Max Scharniggs Fazit in der SZ nach seinem Besuch der Mailänder Möbelmesse. "In vulgärer Trägheit breiten sich die neuen Sofalandschaften vor einem aus, wie Gletscherzungen in hellem Woll-/Polyamidgemisch oder Kalbsleder. Eigentlich erlebt man in diesen Wohnvisionen die häusliche Entsprechung der SUV-Kultur. ... Selbst ein zuverlässig minimalistischer Hersteller wie das italienische Avantgarde-Label Plank, stellt seine furiose Origami-Sitzskulptur 'Land' von Altmeister Naoto Fukasawa in Farben aus, die an eine DDR-Kindertagesstätte erinnern. 2019 gilt: Farben und Muster sind besser, wenn die Betrachter dabei sentimental werden. Ein Ende der Retro-Postmoderne ist nicht absehbar."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.04.2019 - Design

Für die NZZ hat Viviane Ehrensberger im Museum für Gestaltung Zürich eine Ausstellung über die Schweizer Schuhhersteller Bally besucht.
Stichwörter: Museum für Gestaltung

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.04.2019 - Design

Das Bewusstsein für Kleidungsproduktion muss sich von Grund auf ändern, fordert der Gestalter Otto von Busch von der Parsons School of Design im Freitag-Gespräch und vergisst dabei auch die soziale Frage nicht: "Wir müssen überlegen, ob wir wirklich ein System des Billig-Konsumismus erhalten wollen, in dem ein Kleidungsstück kaum mehr als ein Kaffee kostet. ... Wir sollten weniger konsumieren und frugaler sein. Vivienne Westwood zum Beispiel fordert: 'Kauft weniger Kleidung, dafür wertvollere, ihr zahlt mehr, aber seltener.' Aber Westwood und ähnliche Marken bieten kein Bezahlmodell an, mit dem ich und andere diese Kleidung kaufen könnten." Als Lösung schlägt Busch Monatsraten vor: Damit "könnte ich diese fantastischen, nachhaltigen und langlebigen Stücke bezahlen. Wir müssen auch andere Dienstleistungsmodelle finden. Genauso wie wir zertifizierte Automechaniker haben, müsste es Reparaturen und Ersatzteile für Alltagskleidung geben. Sonst tappen wir in die Elitismus-Falle."

Außerdem: Johannes Dudziak spricht für das ZeitMagazin mit den Machern des vor elf Jahren gegründeten Magazins apartamento.