Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.06.2019 - Design

Lange war Cord déclassé, jetzt erlebt der Stoff ein Comeback in den aktuellen Kollektionen namhafter Häuser, erklärt Tilllmann Prüfer im ZeitMagazin. "Cord war noch ein Lieblingskleidungsstück der Linken, als die Arbeiterklasse schon kaum mehr Cord trug. ... Nun ist er wieder da - allerdings mitunter in einer Preislage, die ihn unverdächtig macht, ein Symbol gegen das Establishment zu sein." Das kann man allerdings laut sagen.
Stichwörter: Cord, Modedesign, Arbeiterklasse

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.06.2019 - Design

Für die NZZ schlendert Daghild Bartels über die Design Miami Basel, wo ein prall gefüllter Geldbeutel conditio sine qua non ist, wenn man insbesondere bei den stark vertretenen Mid-Century-Lieblingen zuschlagen will: "Beim zeitgenössischen Design, so wie es hier präsentiert wird, geht der Trend Richtung Kunstwerk. Diese Objekte wollen nicht in erster Linie mit Funktionalität auftrumpfen, sondern mit ihren Schaueffekten. Am schrillsten kommen die bunten Sessel, Stühle und Regale von Orta Miklos bei Functional Art (Berlin) daher, sie sind zwar durchaus gebrauchstüchtig, doch zielen sie vornehmlich auf Irritation und Spaß (15.000 bis 25.000 Euro)."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.06.2019 - Design

Nachtbasar von Chiang Mai, Foto: Adbar / Wikipedia unter CC-Lizenz


Natalia Bronny hat für die taz die nordthailändische Stadt Chiang Mai besucht, in der sich immer mehr auf Nachhaltigkeit setzende Modemacher und Kleidungshersteller finden. Neben einer ökologisch sorglosen Konsumkultur gebe es in Thailand schließlich auch "von Generation zu Generation vererbtes handwerkliches Wissen um Ressourcen und deren natürliche Verarbeitung, verankert in mannigfaltigen lokalen Kulturen. ... Vor gut 300 Jahren mehrheitlich aus China nach Thailand migriert, drücken diese der Natur verbundenen Gruppen ihre Identitäten durch eigene Sprachen, Feste und Bräuche aus - und eben durch Textilien. Für Hmong etwa, deren Sprache kein Schriftbild kennt, sind diese quasi als Medien derart zentral, dass der Brauch zu jedem Neujahrsfest im März neue Kleidung verlangt. Sie werden aus robusten, Kälte trotzenden Stoffen gefertigt, denn auch in Nordthailand kann es zu winterlichen Temperaturen kommen. Mit leuchtendem Blau und Grün, Pink, Lila und Orange werden Motive aus Flora und Fauna eingewoben. Vier um ihre Spitzen zu einem Quadrat arrangierte Dreiecke stehen für Berge, zickzackende Rauten für den Wellenschlag des Mekong." Eines der thailändischen Modelabels ist etwa Krit.Boutique, das auf Facebook Einblicke in seine Arbeit gestattet.

Außerdem in der taz: Brigitte Werneburgs Besprechung von Carolin Ermers Buch "Modedesign neu denken. Nachhaltigkeit in einer kreativen Disziplin".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.06.2019 - Design

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Die Christian-Dior-Schau im Londoner Victoria and Albert Museum ist ein echter Blockbuster, trotz Eintrittspreisen von bis zu 24 Pfund. Warum schwärmen plötzlich alle für Haute Couture, fragt sich in der NZZ Marion Löhndorf, die sich von dem Spektakel eher abgestoßen fühlt: "Die Kleiderschauen in Museen sind teure Zeitgeist-Inszenierungen geworden. Immer großartiger, versuchen sie einander zu übertreffen und marschieren dabei geschlossen in Richtung Eskapismus. Nicht dass der keinen Spaß machte. Aber im Übermaß wirkt er verblödend, und darüber hinaus ist er im Grunde eine einzige große Werbemaßnahme: Hinter der Spaßwirtschaft stecken vor allem Marktinteressen. Folglich tragen die Informationstafeln nur Werbetexte mit Minimalinformation. Von Kritik und Kontext fehlt jede Spur."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.05.2019 - Design

Nadia Mounier, The Barber Shop, 2015 © Nadia Mounier


Was ist ein Spiegel? Und warum verhüllt man ihn manchmal? Auf der Suche nach Antworten huscht Philip Meier für die NZZ durch die dunklen Ausstellungsräume des Schweizer Museums Rietberg, um Kazu Hugglers Installation zu finden, die hier im Rahmen einer Ausstellung zur Kulturgeschichte des Spiegels gezeigt wird: "Vor Kazu Hugglers Inszenierung einer weiß gewandeten Lichtgestalt aber kommen wir schon fast wieder zur Ruhe. Eine leuchtende Aureole aus strahlenkranzartig gefaltetem Sonnenplissee umrahmt das dahinter verborgene Haupt. Denn wir haben es hier mit einer shintoistischen Gottheit zu tun. Betritt man in Japan ein Heiligtum, wandert der nach Halt suchende Blick schnell zum Altar. Und finden wir dort das Antlitz Buddhas, wissen wir, dass wir uns in einem Tempel befinden. Ist dies aber nicht der Fall, stehen wir in einem shintoistischen Schrein. Kein Blick ruht dann auf uns. Wir treten vor eine Leerstelle. Nur ein Spiegel soll irgendwo im Inneren des Schreins verborgen sein. Und so ergeht es uns auch vor Kazus Kunstinstallation."

Weiteres: Auf Hyperallergic schreibt Susanne Guder über Frédéric Tchengs Dokumentarfilm "Halston", mit Tavi Gevinson als Archivarin/Erzählerin, die in einer Rahmenerzählung über Archivmaterial des amerikanischen Designers stolpert.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.05.2019 - Design

Rudi Gernreich fashions at the Wiltern theatre in Los Angeles, 1985. Photo Collection, Los Angeles Public Library


"Rudi Gernreich hatte eine Vision, die die Gesellschaft immer noch nicht ganz verdaut hat", meint Dan Schindel in Hyperallergic anlässlich der Ausstellung "Fearless Fashion: Rudi Gernreich" im Skirball Cultural Center in Los Angeles über den 1938 mit seinen Eltern von Österreich in die USA geflohenen Modedesigner. "Gernreich experimentierte mit Kleidung als politischem Statement. Ein Teil der Ausstellung präsentiert ein Ensemble im Militärstil, das er aus Protest gegen den Vietnamkrieg geschaffen hat. (In einem Video daneben erzählt das Originalmodell, wie geschmacklos sie damals die Präsentation des Stückes so kurz nach dem Massaker in Kent State fand.) Seine String-Designs (für Männer und Frauen) waren eine direkte Reaktion auf das Verbot von Nacktstränden in Los Angeles 1974. Seine Arbeit gibt der Idee, das Persönliche sei politisch, einen ganz anderen Akzent und macht den Körper selbst zu einer Aussage."

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Camp: Notes on Fashion" im Metropolitan Museum in New York (in der FAZ staunt Michael Watzka über den Mangel an Diversität in einer Ausstellung, die an die "queere Voguing-Szene im schwarzen Harlem" gerade mal mit zwei Outfits erinnert).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.05.2019 - Design


Links: Jeremy Scott (American, born 1975) for House of Moschino (Italian, founded 1983). Ensemble, spring/summer 2018. Courtesy of Moschino. Photo © Johnny Dufort, 2019. Rechts: Bertrand Guyon (French, born 1965) for House of Schiaparelli (French, founded 1927). Ensemble, fall/winter 2018-19 haute couture. Courtesy of Schiaparelli. Photo © Johnny Dufort, 2019

Man kann in der New Yorker Ausstellung "Camp - Notes on Fashion" versuchen zu ergründen, was Camp ist. Man kann sich dabei aber auch prächtig amüsieren wie Hannes Stein in der Welt: "Camp - das ist der Superflamingo, den das Maison Schiaparelli (offenbar in einem Anfall von kreativem Wahnsinn) aus rosa Plüsch geformt hat. Zwei schnäbelnde Vogelköpfe auf langen Hälsen, die zu einem gemeinsamen Körper verschmelzen, der dann seinerseits wieder ein monströser Vogelkopf ist. Umwerfend! Oder das Kleid, auf dem steht 'less is more' - allerdings bauscht sich das Kleid zu einer so gewaltigen Glocke aus lila gefärbtem Tüll, dass, wer es trüge, durch keine Tür mehr käme. Phänomenal!"

Auf Zeit online wird Tobi Müller etwas genereller, auch mit Blick auf den heute stattfindenden Eurovision Song Contest: "Camp ist Ironie, Performance, aber auch eine Künstlichkeit, die in der Realität bestehen muss: "Die Verkleidung wird dann zur ernsten Sache, wenn man nach dem Ball unbehelligt in öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kommen will. Noch gefährdeter als eine Frau in der Subway war nur ein Mann, der wie eine Frau aussehen wollte. ... Man muss die Realitäten sehen: Wenn sich mehr als 200 Millionen Menschen das Finale [des ESC] ansehen, ist das wirklich kein Safe Space für Minderheiten mehr. Allerdings waren Schutzräume auch nie das Hauptanliegen von Camp. Camp sucht nicht die Abschottung, sondern probt die Anerkennung unter spielerischen Bedingungen. Camp will hinaus in die Welt und sucht Wege, die Dialektik von Zugehörigkeit und Autonomie auf dem Feld der Ästhetik aufzuführen. Auch dort, wo es unangenehm wird, etwa mit Politikern wie Netanjahu."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.05.2019 - Design

Auf ZeitOnline schildert Jan Maruhn Probleme und Herausforderungen beim Sammeln von Bauhaus-Möbeln. Eines davon: Original-Möbel aus den Zwanzigern und Dreißigern sind zumindest auf dem Markt nur noch an wenigen Orten in niedriger Stückzahl auffindbar, auch weil viele Entwürfe gar nicht erst in Serienproduktion gingen. Und: "Die Datierung ist, wie bei fast allen Möbeln von Bauhäuslern, schwer nachweisbar. 'Kaum jemand kennt sich wirklich aus', sagt der Berliner Torsten Bröhan, Pionier und exzellenter Kenner auf dem Gebiet. ... Hinzu kommt: Da die Werke der Weimarer Zeit experimentell in der Holzwerkstatt entwickelt wurden, gibt es keinen Prototyp, kein 'Original'. Die Lehrer und Studenten probierten erst einmal aus, was überhaupt geht."
Stichwörter: Bauhaus, Möbeldesign, Möbel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.05.2019 - Design

In der SZ stellt Max Scharnigg das schwedische Modeunternehmen Asket vor, das mit nachhaltigen Kleidungsstücken der massenhaften Bekleidungsproduktion entgegentreten will. Auch im Kontakt zu den Herstellern will man andere Wege beschreiten: "Andere Modemarken, egal ob günstig oder edel, produzieren jedes Jahr ein halbes Dutzend Sortimente und wählen dafür immer den Hersteller, der für die geplanten Designs den günstigsten Preis anbieten kann. 'So entsteht nie eine echte Verbindung zwischen Marke und Produkt. Wir wollen eine ewige Kollektion, unsere Partner können damit langfristig planen und investieren', sagt Bringéus. Das geht so weit, dass heute Näherinnen mit der gewachsenen Asket-Gemeinschaft über ihre Arbeit an einem Shirt chatten - eine in der Modewelt absolut ungewöhnliche Verbindung von Produzent und Konsument", die allerdings auch zu ziemlichem Aufwand führt, etwa bei der Jeansherstellung: "Drei Jahre lang suchten sie eine nachhaltige Produktion, denn die tiefe Indigofärbung verbraucht immense Mengen an Wasser und Chemikalien. Schließlich wurden sie bei einer modernen Weberei in Japan fündig, in der sogar herumfliegende Flusen wieder verwendet werden."

Weitere Artikel: In der NZZ räumt Sabine von Fischer mit dem Mythos auf, das Bauhaus habe kostengünstig und alltagstauglich produziert.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.05.2019 - Design

Sagmeister & Walsh, Obsessions make my life worse and my work better, 2016. © Sagmeister & Walsh, New York


Morgen eröffnet das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt die von den Designern Stefan Sagmeister und Jessica Walsh gestaltete Ausstellung zum Thema Schönheit. Im SZ-Gespräch erklärt Sagmeister, warum diese im digitalen Zeitalter verloren zu gehen droht und welche Risiken damit einher gehen: Zu beobachten ist der "komplette Sieg der Funktion über die Schönheit. ... Wir haben die Theorie, dass immer dort, wo die reine Funktion herrscht, sich die Menschen nicht wohlfühlen, zum Beispiel auf amerikanischen Flughäfen. Und sich dort auch schlecht benehmen, wie die erhöhte Kriminalität in Wohnsiedlungen aus den Siebzigerjahren zeigt. Das könnte auch dazu beitragen, dass sich Menschen auf Twitter, das rein funktional gestaltet ist, aggressiver verhalten als auf Instagram, das Funktion und Ästhetik verbindet." Wobei sich mit der fortschreitenden Popularisierung von Instagram in den dortigen Kommentarspalten zuletzt auch ein zunehmend schärferer Ton beobachten lässt.