
Links: Jeremy Scott (American, born 1975) for House of Moschino (Italian, founded 1983). Ensemble, spring/summer 2018. Courtesy of Moschino. Photo © Johnny Dufort, 2019. Rechts: Bertrand Guyon (French, born 1965) for House of Schiaparelli (French, founded 1927). Ensemble, fall/winter 2018-19 haute couture. Courtesy of Schiaparelli. Photo © Johnny Dufort, 2019Man kann in der New Yorker
Ausstellung "
Camp - Notes on Fashion" versuchen zu ergründen, was Camp ist. Man kann sich dabei aber auch
prächtig amüsieren wie Hannes Stein in der
Welt: "Camp - das ist
der Superflamingo, den das Maison Schiaparelli (offenbar in einem Anfall von kreativem Wahnsinn) aus rosa Plüsch geformt hat. Zwei schnäbelnde Vogelköpfe auf langen Hälsen, die zu einem gemeinsamen Körper verschmelzen, der dann seinerseits wieder ein monströser Vogelkopf ist. Umwerfend! Oder das Kleid, auf dem steht 'less is more' - allerdings bauscht sich das Kleid zu einer
so gewaltigen Glocke aus lila gefärbtem Tüll, dass, wer es trüge, durch keine Tür mehr käme. Phänomenal!"
Auf
Zeit online wird Tobi Müller
etwas genereller, auch mit Blick auf den heute stattfindenden
Eurovision Song Contest: "Camp ist Ironie, Performance, aber auch eine Künstlichkeit, die
in der Realität bestehen muss: "Die Verkleidung wird dann zur ernsten Sache, wenn man nach dem Ball unbehelligt in öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kommen will. Noch gefährdeter als eine Frau in der Subway war nur ein Mann, der wie eine Frau aussehen wollte. ... Man muss die Realitäten sehen: Wenn sich mehr als
200 Millionen Menschen das Finale [des ESC] ansehen, ist das wirklich kein Safe Space für Minderheiten mehr. Allerdings waren Schutzräume auch nie das Hauptanliegen von Camp. Camp sucht nicht die Abschottung, sondern probt die
Anerkennung unter spielerischen Bedingungen. Camp will hinaus in die Welt und sucht Wege, die Dialektik von Zugehörigkeit und Autonomie auf dem Feld der Ästhetik aufzuführen. Auch dort, wo es unangenehm wird, etwa mit Politikern wie Netanjahu."