Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.04.2018 - Design

Für die NZZ hat Antje Stahl die Ausstellung "Fashion Drive" im Kunstmuseum Zürich besucht und gelernt, dass die Aufgabe der Schamkapsel, die die "phallische Stärke zwischen den Beinen der Träger zur Schau stellen sollte", heute vom Schlips übernommen wird.
Stichwörter: Fashion

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2018 - Design

Luigi Colani (Webseite) war mal so etwas wie der Klaus Kinski des Wohn- und Industriedesigns: Allgegenwärtig und von der Erhabenheit seiner Werke lautstark überzeugt. Heute lebt der 89-Jährige in China, in Deutschland sind seine Arbeiten seit geraumer Zeit kaum mehr gefragt und auch ein bisschen in Vergessenheit geraten. Für das Zeit-Magazin hat Matthias Stolz ein trauriges Gespräch mit dem gefallenen Engel geführt, das sich wie eine Art Resümee eines Lebens liest: "'Ich war ein einsamer Kreativer. Ich habe die größten Konzerne der Welt beraten. Die Aufgaben, die sich mir stellten, konsumierten alles. Mein privates Leben fand nicht statt, den Kontakt zu meinen Kindern konnte ich nicht halten. Die vielen Ideen waren das Resultat meiner Einsamkeit. ... Wissen Sie: Ich habe niemanden mehr, der aus meiner Zeit noch lebt und mit dem ich noch Kontakt hätte. Ich hatte Mitarbeiter, aber die habe ich nach einer Zeit weggeschickt, oder sie sind von selbst gegangen. Es hat nie lange gehalten.'"

Besprochen wird die Ausstellung "Fashioned from Nature" im Londoner Victoria and Albert Museum (Zeit).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2018 - Design


Vor Keramikkacheln kommen Porzellanvasen einfach viel besser zur Geltung. Foto: Hermès.

Obwohl sich alle namhaften Designer die Nachhaltigkeit ans Revers heften, kann NZZ-Kritikerin Antje Stahl auf der Mailänder Möbelmesse kaum echte Bemühungen darum entdecken. Veganes Design aus Israel, Trashplast, Vasen aus Plasticmüll gab es durchaus zu sehen, aber nur in den Kellern einer zerfallenen Fabrik: "Besonders dort, in den Ruinen einer Panettone-Fabrik, wurde einem der eklatante Abstand zwischen Design-Industrie und Design-Diskurs wieder einmal bewusst: Für die Welt da draußen lassen 1841 Aussteller Möbel aus 33 Ländern einfliegen und in noch viel mehr produzieren, um sie auf großspurigen Ständen in einem der fünf Ausstellungsbereiche des Salone zu präsentieren... Hermès etwa importierte 150.000 Keramikplatten aus Marokko, um für ein paar Tage ein buntes Interior in seinem Museum für teures Porzellangeschirr, Lederetuis und Cashmeredecken vorführen zu können. So schön diese Produkte sind, so sehr provoziert diese Inszenierung Fragen nach den heutigen Maßstäben des guten Geschmacks."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.04.2018 - Design


Blick in den Salone del Mobile

Max Scharnigg schlendert leicht geschockt für die SZ über die Mailänder Möbelmesse, lässt sich aber schnell von der allgemeinen Fröhlichkeit anstecken: "es scheppert, witzelt und knallt an allen Ecken. Schuld sind nicht nur die Farben, in die heute offenbar wirklich jedes neue Möbelstück getunkt wird, bevor es ins Schaufenster darf. Sie kommen immer noch aus der Bonbon-Pastell-Palette der letzten Jahre, aber die 'New'-Schilder stehen auch vor sehr viel Umbra, Senf, Rost und anderen nahrhaften Erdtönen. Ein Gang durch die notorischen Hallen 16/20 auf dem vollkommen überlaufenen Messegelände in Rho wirkt jedenfalls wie eine Schocktherapie gegen das zunächst perlweiße, später dann umfassend grau-graue Stilempfinden der Nullerjahre, dessen Ausläufer es jetzt gerade mal in die Privaträume schaffen. Vorbei, das Grauen! Genau wie der schwermütige Neo-Salon-Hype aus dem Jahr 2015, mit Samt, Messing und Kupfer. Jetzt sind stattdessen Konfetti, Lebensfreude, bunte Nudeln und Kordeln angesagt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.04.2018 - Design

Susanna Koeberle erinnert in der NZZ anlässlich einer Basler Konferenz über Design in Zeiten des globalen Handels an Victor Papanek, der in seinem 1971 erschienenen Buch "Design for the Real World" bereits die Produktion überflüssiger Konsumgüter kritisiert hatte: Design "sollte laut Papanek keine elitäre Angelegenheit sein, die dazu führe, dass modische und unbequeme Designobjekte für eine privilegierte Minderheit auf den Markt geworfen werden. Design, das solchen Mustern folgt, findet er dekadent. Diesbezüglich würde der gute Mann heute auf manch einer Messe oder auf Events rund um sammelwürdiges Design fündig werden."

Besprochen wird die Ausstellung "Fashion Drive - Ex-treme Mode in der Kunst" im Zürcher Kunsthaus (Tages-Anzeiger).
Stichwörter: Fashion, Papanek, Victor

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.04.2018 - Design

Radikale rechte Gruppen verabschieden sich von martialisch konnotierter Mode, schreibt Stefan Weiss im Standard. Vielmehr setzen sie heute ästhetisch auf Anschluss an den Zeitgeist sowie "Ironie und historische Bezüge auf völkisch Interpretierbares vor der NS-Zeit". Dass man auf die früher beliebte Marke Lonsdale mittlerweile verzichtet, hat auch handfeste monetäre Gründe: "Man macht sich die Mode einfach selbst. Als Identifikationsmerkmal und als wichtige Finanzierungsquelle für die Gruppe."
Stichwörter: Rechtsextremismus, NS-Zeit

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.04.2018 - Design

Sehr begeistert berichtet Julian Weber in der taz von seinem Besuch im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, das sich in einer Ausstellung der Gestaltung von Diskotheken und Clubs seit den Sechzigern bis heute widmet: An deren Beginn stehen Francesco Capoleis frühe Gestaltungsideen für einen inklusorischen Raum: "Die Diskothek war weder Tanzsaal noch Trattoria noch Theater. Capolai inszenierte als einer der Ersten Nachtleben als Happening und feierte das Flüchtige. Die Diskothek wurde zum sozialen Experiment in einem geschützten Raum, in dem BesucherInnen mehr gedanklichen Freiraum zugestanden bekamen, als nur zu konsumieren." Es handelte sich um "eine Spielwiese für künstlerisch-gestalterische Experimente, diese schaffen Raum für Subversionen von gesellschaftlichen Normen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.04.2018 - Design

Besprochen wird die Ausstellung "Designgeschichten zwischen Afrika und Europa" im Hamburger Museum für Völkerkunde (SZ).
Stichwörter: Designgeschichte

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.04.2018 - Design


Italiana - L'Italia vista dalla moda 1971-2001. Palazzo Reale. Foto: Oliviero Toscani - editorial Unilook in L'Uomo Vogue Dec 1971-Jan 1972. Courtesy Conde Nast Italia Archive

Das Palazzo Reale in Mailand nimmt mit der Ausstellung "Italiana" die italienische Mode in jener Phase in den Blick, in der sie sich einen internationalen Namen machte. Thomas Steinfeld hat die Ausstellung für die SZ besucht und dabei beobachtet, dass sich in deren Perspektive "die großen Befreiungsbewegungen der späten Sechzigerjahre - die Befreiung der Arbeiter und die Befreiung der Körper, die Befreiung zur Kultur und die Befreiung zum Geschlecht - allesamt als Bekenntnisse zur Mode darstellen. ... Besonders folgenreich für die Entwicklung der Mode, daran lässt die Schau keinen Zweifel, waren vor allem die androgynen Ideale der Siebziger- und Achtzigerjahre, die schmalen Hüften und breiten Schultern von Männern wie von Frauen, die überhaupt erst die Grundlage bildeten für das Spiel mit scheinbaren Identitäten, das seitdem als Mode gilt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.04.2018 - Design

Elisabeth Wagner meditiert in der taz über Form, Wesen und politische Aussagekraft der Perlenkette: "Das Keusche, das Artige, das Verführerische, Lockende. Alle Qualitäten, die der klassische Weiblichkeitsdiskurs in seiner unersättlichen Spaltungslust hervorbringt, lassen sich mit den Perlen assoziieren.  ... Kein Schmuck ist ambivalenter, näher an der Illusion, am Sex als die Perlen. Man muss es gar nicht aussprechen, so selbstverständlich ist die Perlenkette mit den Codes von Gender verknüpft."

Außerdem bespricht Brigitte Werneburg in der taz die Ausstellung "1927. Il Ritorno in Italia" des Museo Salvatore Ferragamo in Florenz.
Stichwörter: Schmuck, Perlenkette, Gender, Florenz, Codes