Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.06.2018 - Design



Gleich zwei Pariser Ausstellungen - die eine im MAD, die andere im Palais Galliera - würdigen derzeit den in den 90ern zu Starruhm aufgestiegenen Modedesigner Martin Margiela, dessen notorische Öffentlichkeitsscheu ihn zum "Daft Punk der Mode" mache, wie Les Inrockuptibles schreibt. Für die FAZ hat Marc Zitzmann die beiden Ausstellungen besucht und kaum glauben können, dass die in beiden Häusern gezeigten Kleidungsstücke und Entwürfe tatsächlich ein und derselben Hand entstammen, so unterschiedlich erscheinen sie ihm: Das MAD zeigt den "Meister des angenehm tragbaren und superlativ soignierten Understatements, der mit eiserner Designerhand im Nappaleder-Handschuh dem Haus Hermès zu poliertem Pfiff und zu dezenter Zeitgemäßheit verhalf", wohingegen das Palais Galliera den wilden, anarchischen Margiela präsentiert: "Zahlreiche Exponate illustrieren die Recycling-Praxis des Designers, der Vintage-Foulards zu Röcken zusammennähte, aus Armeesocken Pullover schuf, Ballkleider in Westen verwandelte und aus einer Bettdecke einen Mantel gewann. Die Frühlings/Sommerkollektion 1998 präsentierte gar Kleider, die aus Plastik-Einkaufstüten bestanden oder aus papiernen Schnittmustern."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.06.2018 - Design

Im ZeitMagazin schreibt Tillmann Prüfer über das Comeback der Fransen.
Stichwörter: Mode, Fransen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.06.2018 - Design

In der taz schüttelt Tania Martini mit dem Kopf über die Verächtlichmachung der kurzen Männerhose: Die Zwangs-Belanghosung der Beine nimmt der Männermode ein Feld des Spiels und des Reizes: "Was die Fessel bei der Frau, ist die Wade beim Mann: ein erotischer Körperteil, den man sehen will. Und zwar ohne Stoff- oder Muskelpolster! Denn was ihr noch immer nicht verstanden hat, liebe Männer: Je femininer eure Waden, desto schöner."

Marina Razumovskaya porträtiert für die taz die in Berlin arbeitende New Yorker Mode-Journalistin Melissa Drier: "Mode ist für Drier nicht nur eine Sache von Jurys und Messen. Mode ist Ausdruck, wird getragen, ausgetragen. Ihre wichtigsten Beobachtungen macht Drier auf der Straße, im Bus, auf Events. 'Das tut mir weh, wenn ich Leute sehe, die nur tolle Namen tragen, aber keine Ahnung haben, was für sie gut ist: falscher Rock, falsche Schuhe.'

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.05.2018 - Design

Cristóbal Balenciaga: Hochzeitskleid, 1967
In der FAZ bespricht Michael Watzka die kürzlich im Metropolitan Museum mit viel Pomp eröffnete Schau "Heavenly Bodies" über katholische Bildwelten in der Mode, mit sensationellen Kleidern von Galliano, Dolce e Gabbana, Versace oder Alexander McQueen. Über weite Strecke ist die Schau dem Rezensenten zu sehr darauf aus, gute Bilder für Instagram abzugeben, aber im Met Cloisters kommt dann auch Watzka auf seine Kosten: "Was im überlaufenen Hauptgebäude konzeptuell oft zerfasert, funktioniert dort, auf engerem Raum und konziser gefasst, hervorragend. In der rekonstruierten Apsis einer spanischen Kirche rücken Outfits von Christobal Balenciaga oder Marc Bohan Taufe, Ehe und Eucharistie in die Nähe des Jungfrauenkults. Scheinbar nahtlos gefertigt, eröffnet Balenciagas cremefarbener Kegel aus Hut und langer Schleppe, ein Hochzeitskleid aus dem Jahr 1967, einen ganzen Reigen von Looks, die sich der Verklärung weiblicher Unschuld widmen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.05.2018 - Design

Fasziniert, auch vom "Ekelpotenzial" vieler Exponate, hat sich Susanne Lenz in der Berliner Zeitung die Ausstellung "Food Revolution 5.0" im Berliner Kunstgewerbemuseum angeschaut, die sich mit der Ernährung in Zeiten schwindender Ressourcen und Klimawandel mit der Zukunft des Essens beschäftigt: "Nicht nur die so eiweißreichen Insekten, auch der 3-D-Drucker könnte für das Essen der Zukunft eine große Rolle spielen. Der Katalane Martí Guixé schlägt vor, dass wir unsere Nahrung künftig nach Bedarf und beruhend auf unseren persönlichen Daten ausdrucken. In einer Vitrine liegen Beispiele, die aussehen wie bunte Bauklötze oder Legosteine."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.05.2018 - Design

Im Freitext-Blog porträtiert Manfred Rebhandl den Wiener Hutmachermeister Shmuel Shapira, von dem er sich einen maßgeschneiderten Hut anfertigen lässt: "Skeptisch, aber mit Kenneraugen, prüft er nun meinen Kopf: 'Rechts ist er breiter, und die Stirn…sehr interessant.' Mit dieser Kopfform, versichert er mir, würde ich jedenfalls keinen Hut von der Stange finden, und schon gar keinen, der mir passt. Dieses Schicksal teile ich allerdings mit 70 Prozent aller Männer auf dieser Welt. ... und zum Stichwort Ausstrahlung: 'Ich habe mal jemanden kennen gelernt, der hat im Büro gearbeitet und man hat ihn missachtet. Missachtet! Warum? Er trug den falschen Hut!' Sobald er den richtigen Hut trug (der nicht von ihm war), wurde er ganz anders behandelt. 'Ich habe das selbst gesehen! Mit einem Hut, der zu dir passt, bist du ein anderer Mensch.'"

Besprochen werden eine Wiener Ausstellung im MAK zu 300 Jahren Wiener Porzellanmanufaktur (Presse) und Berliner Ausstellungen zum Werk Mies van der Rohes vor: die Ausstellung "Von Haus zu Haus - Ludwig Mies van der Rohe im Kunstgewerbemuseum" sowie die Doppelausstellung "Mies - Sitzen und Liegen" und Thomas Ruff, "La Rêverie" im Mies-van-der-Rohe-Haus in Oberschönhausen (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.05.2018 - Design

Im Freitag beschäftigt sich Lennart Laberenz mit Arno Fischers Modefotografien für die Zeitschrift Sibylle , die derzeit in Berlin ausgestellt werden. Rundum zufrieden ist er mit der Auswahl allerdings nicht: "Fischers Sibylle-Bilder kann man als Beispiel für begrenzte Autonomie herbeizitieren: Fischer gehörte formal zur offiziellen Bildwelt, aber er jubelte ihr gerne auch ein wenig Kritik am Stand der Dinge unter. Setzte Modelle vor schmutzige Wände, in leere Hinterhöfe, gleichmütige Gesichter in leere Landschaften. ... Und damit sind wir bei einem klitzekleinen Problem der Berinson-Ausstellung: Die Auswahl ist begrenzt auf die etwas harmloseren Fischer-Arrangements, die er selbst nie in Ausstellungen zeigte. Hier muss man Kritik, Fischers Umgang mit DDR-Realität, den Kontrast zum politischen Anspruch an Bildgestaltung mit der großen Lupe suchen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.05.2018 - Design


Auf dem Flohmarkt zusammengekauft? Selbst geschneider? Herbst-Kollektionen von Y/Project und Vetements

"Fashion is over" annonciert Katrin Kruse, nie um eine originelle Sichtweise verlegen, in der taz. Die Grenzen zwischen Design und Trageweise, Konstruktion und Styling, Designer und Träger heben sich auf: "Würde es 'die Mode' noch geben, müsste man das sehen können. Genauer: Man müsste sehen können, dass 2018 ist. In der U-Bahn, in Konferenzräumen, auf Redaktionen und Wochenmärkten. Man sieht es aber nicht. Hinweise gibt es, Sprengsel. Es gibt noch Trends, meist in Form von Trageweisen oder Stylingthemen, die eher lokal sichtbar sind. Aber 'die Mode', dieses große 'Trägt man das jetzt so?' gibt es nicht mehr. Was einerseits am Tempo liegt. ... Zugleich sind die 'neuen Kollektionen' nicht anders genug, um wirklich neu zu sein. Vor allem aber ist es so: 'Die Mode' setzt die Lust voraus, etwas mit den anderen gemeinsam zu haben - das ist die Idee vom Zeitgeist, vom Capter l'air du temps. Nur: Man will heute nicht mehr so aussehen wie die anderen. Der Mode sind quasi ihre Bedingungen abhandengekommen."

Stichwörter: Fashion, Mode, Tempers, Vetements

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.05.2018 - Design

Die FAZ blickt in einer Doppelseite auf die Kultur des Jahres 1968 zurück. Ausführlich widmet sich Annabelle Hirsch dabei Yves Saint Laurents in diesem Jahr präsentiertem, transparentem Chiffon-Kleid (mehr zu dessen Entwicklung mit vielen Fotos hier). Entstanden ist das Kleid auch als Gegenentwurf zu Coco Chanel, erfahren wir von Hirsch: "Er verehre Coco Chanel wirklich sehr, so Saint Laurent, allerdings liebe er auch seine Zeit. Die Nachtclubs, die neuen Frauen, die Yéyés, all diese Dinge der Gegenwart, die mit Chanel und ihren Kostümchen nicht viel zu tun haben. Knapp fünf Monate später, im Juli 68, führte sein damaliges Lieblingsmodell, die schöne Danielle Luquet de Saint Germain (...) ein Kleid vor, das all dies, die Verführung, die Nachtclubs, das Nicht-Chanel-Sein und dafür absolut Gegenwart-Sein, vereinte." (Bild: Musée Yves Saint Laurent)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.05.2018 - Design


William Larki: Porträt der Diana Cecil, Gräfin von Oxford, 1614-1618 und Jakob Lena Knebl: Chesterfield 2014. Foto: Georg Petermichl

In seiner Schau "Fashion Drive" präsentiert das Kunsthaus Zürich Werke, in denen Künstler über Mode nachdenken, von der Renaissance bis zur Gegenwart: FAZ-Kritikerin Katharina Rudolph hat viel gelernt, vor allem in den Katalogtexten von Barbara Vinken: "Mode bezieht sich permanent auf sich selbst, jedes Jahr gibt es Revivals ... So auch die mittlerweile zu fast jedem Anlass tragbare Schlitzmode (vor allem bei Frauen und vor allem bei Jeans). Die war schon vor 500 Jahren salonfähig, in der Renaissance pflegten zuerst Herren, später auch Damen, Kleider aus aufgeschlitzten kostbaren Stoffen zu tragen, deren Löcher mit anderen kostbaren Stoffen unterlegt waren. Was heute Koffersets mit Louis-Vuitton-Muster ostentativ in die Welt schreien, schrie damals die Schlitzmode: Ich kann's mir leisten."